Origo gentis Romanae

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Die Origo gentis Romanae, wörtlich Ursprung des römischen Stammes, ist ein kurzes Geschichtswerk, das Legenden zur römischen Vor- und Frühgeschichte bis zur Gründung Roms erzählt.

Die Origo ist überliefert als erster Teil des dreiteiligen Corpus Aurelianum, das mit den beiden folgenden Teilen De viris illustribus urbis Romae und Liber de Caesaribus insgesamt die Entwicklung bis ins Jahr 360/361 darstellt. Da der letzte Teil von dem Geschichtsschreiber Aurelius Victor (etwa 320–390) stammt, wurde vielfach die gesamte Kompilation der Historia tripertita – und damit auch die Origo – dem Aurelius Victor zugeschrieben. Heute ist jedoch klar, dass die „Ursprungsgeschichte Roms“ auf die Res memoria dignae („Erwähnenswerte Dinge“) des Marcus Verrius Flaccus (etwa 50 v. Chr.–14/37 n. Chr.) zurückgeht.

Die Origo hat ihre überlieferte Form erst im 4. Jahrhundert erhalten. Dabei wurden zahlreiche römische Fachschriftsteller, u.a. Terentius Varro und Veranius Flaccus, sowie eine noch ältere Gründungsgeschichte (Epitome de origine gentis Romanae), wahrscheinlich aus dem 2. Jahrhundert, herangezogen. Die ersten neun Kapitel sind wahrscheinlich im späten 4. Jahrhundert in Form eines Vergil-Kommentars überarbeitet worden.

Die Origo gentis Romanae enthält:

  • das Auftreten der Götter Ianus und Saturnus als Kulturbringer in Italien (Götterverehrung, Ackerbau u.a.),
  • die Herrschaft des Faunus (Silvanus) über Italien,
  • die Ankunft des Arkaders Euandros in Italien und dessen Freundschaft mit Faunus (Einführung der Schrift),
  • die Episode vom Hirten Recaranus bzw. Herkules und vom Diebstahl seines Viehs,
  • die Weihe der Ara Maxima und die Opfer an den Pater Inventor,
  • die Ankunft des Aeneas und der Trojaner in Latium nach dem Fall Trojas und ihrer Irrfahrt,
  • das Sauprodigium und die Gründung Laviniums durch Aeneas, die Freundschaft zwischen den Trojanern und den Latinern unter deren König Latinus, der Kampf gegen Turnus und die Entrückung des Aeneas,
  • die Herrschaft des Aeneas-Sohns Ascanius, die Geburt des Silvius, des Sohnes des Aeneas und der Lavinia,
  • die Gründung von Alba Longa,
  • die Herrschaft des Silvius nach dem Tod des Ascanius,
  • die Herrschaft der Könige von Alba Longa,
  • die Herrschaft der Brüder Numitor und Amulius, die Alleinherrschaft des Amulius, der seinen Neffen beseitigt und seine Nichte Rhea Silvia zwingt, als Vestalin ohne Nachkommen zu bleiben,
  • die Vergewaltigung Rhea Silvias durch den Gott Mars, Geburt der Zwillinge Romulus und Remus und deren Aussetzung, die kapitolinische Wölfin, die Erziehung der Kinder durch den Hirten Faustulus (Lupercalienfest u.a.),
  • das Ende der Herrschaft des Amulius durch Romulus und Remus und die Rückgabe des Königtums an Numitor, den Großvater der Zwillinge,
  • der Streit zwischen Romulus und Remus um die Gründung Roms, Auspizien der Zwillinge, der Tod des Remus u.a.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hillen, Hans Jürgen, Von Aeneas zu Romulus. Die Legenden von der Gründung Roms. Mit einer lateinisch-deutschen Ausgabe der Origo gentis Romanae, Düsseldorf-Zürich 2003
  • Origo gentis Romanae = Die Ursprünge des römischen Volkes. Herausgegeben, übersetzt, kommentiert und mit Essays versehen von Markus Sehlmeyer (= Texte zur Forschung, Bd. 82), Darmstadt 2004, ISBN 3-534-16433-4