Faunus

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Faun-Skulptur aus dem Haus des Fauns in Pompeji
Der barberinische Faun, um 220 v. Chr., Marmor, Glyptothek, München

Faunus, auch als Wolfsgott bekannt, ist der altitalische Gott der freien Natur, der Beschützer der Bauern und Hirten, ihres Viehs und ihrer Äcker. Er tritt in vielfacher Gestalt und unter vielen Namen auf. Sein Fest, die Lupercalia, findet am 15. Februar statt. Das weibliche Gegenstück zu Faunus ist Fauna, die oft als seine Frau oder seine Schwester angesehen wurde.

Mythos und Kult[Bearbeiten]

In der römischen Mythologie ist Faunus der Sohn des Picus (der häufig als Gefolgsmann des Mars aufgefasst oder mit diesem gleichgesetzt wurde) und der Enkel des Saturnus. Nach Vergil ist er der Vater des Latinus, König von Latium.

Wie sein griechisches Pendant, der Gott Pan, sorgt Faunus für die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier, erschreckt die Menschen in Haus und Wald, auch durch böse Träume (Incubus), und erscheint oftmals nicht als ein einzelnes Wesen, sondern als große Zahl von Faunen. Als Fatuus gibt er sogar Weissagungen.

Zu den Lupercalien, also den Festtagen des Faunus, wurden von den Priestern des Gottes, den Luperci (Wölfen), Böcke geopfert und aus den frischen Häuten Riemen geschnitten. Die Priester umrundeten dann den Palatin und schlugen die ihnen Entgegenkommenden mit den Riemen. Dies galt zum einen als Sühne- und Reinigungsritual (daher der Name des Februar: lateinisch februare bedeutet reinigen), zum anderen erhofften sich kinderlose Frauen von der Berührung mit den Riemen Fruchtbarkeit. Ähnliche Rituale kennt man auch aus anderen Kulturen, z. B. unter dem Begriff Schmackostern.

Später wurde Faunus als ein dem Satyr ähnliches Fabelwesen aus der griechischen Mythologie dargestellt („Faun“ kann daher auch gleichbedeutend mit „Satyr“ verwendet werden); ein Schalmei oder Flöte spielender, gehörnter Waldgeist, ein Mischwesen, halb Mensch, halb Ziege, meist dargestellt mit menschlichem Oberkörper und Bocksfüßen und Schwanz. Faune sollen über Getreidefelder wachen und deren Wachstum begünstigen.

Rezeption[Bearbeiten]

Nijinsky als Faun

Der Faun ist als Halbgott oder als Metapher öfter Gegenstand der Literatur gewesen. Am bekanntesten ist L’Après-midi d’un faune („Nachmittag eines Fauns“) ein symbolistisches Gedicht des französischen Lyrikers Stéphane Mallarmé, das zwischen 1865 und 1867 entstand. Das Gedicht war die Grundlage für die Vertonung Prélude à l’après-midi d’un faune („Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns“) von Claude Debussy (1894), das wiederum die Musik zu dem Ballett L’Après-midi d’un faune von Vaslav Nijinsky (1912) lieferte.

In Arno Schmidts Kurzroman Aus dem Leben eines Fauns ist der Faun Metapher für ein Leben im Draußen: Der Held, Düring, sucht als Beamter unter dem Naziregime Zuflucht in einer Waldhütte und sehnt sich eine faunische Existenz herbei. In den Chroniken von Narnia von C. S. Lewis spielt ein Faun namens Herr Tumnus eine wichtige Rolle.

Das Sujet des lüsternen Waldgottes wurde in der bildenden Kunst sehr häufig aufgegriffen, wobei es von Anfang an keinen Unterschied gab zwischen der Darstellung des Pan, des Satyrs bzw. des Fauns. So ist der Einwand, bei dem berühmtesten aller Faune, nämlich dem Barberinischen Faun, einer hellenistischen Plastik aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., handele es sich ausweislich fehlender Bocksfüße und eines Pferdeschwanzes nicht um einen Faun, sondern um einen Satyrn, durch die Ikonografie nicht gedeckt.

Beispiel für die Darstellung des Fauns in der Malerei der Neuzeit sind:

Schließlich erscheint ein Faun als titelgebende Figur in dem Film Pans Labyrinth des spanischen Regisseurs Guillermo del Toro von 2006 (Originaltitel: El Laberinto del Fauno).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Faunus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Faun – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen