Palast des Nestor

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Plan der Palastanlage
1 Eingang 2 Hof 3 Vorhalle 4 Megaron (Hauptsaal) 5 Lagerräume für Olivenöl 6 Lagerräume für Wein 7 Archive 8 Propylon 9 Bad 10 Kleines Megaron

Palast des Nestor ist – neben Pylos – die etablierte Bezeichnung für die Überreste eines großen mykenischen Palasts und Verwaltungszentrums aus der späthelladischen Zeit, etwa 12 km nördlich der heutigen Stadt Pylos, im Gemeindebezirk Nestoras. Fundstücke der Ausgrabungen befinden sich im archäologischen Museum in Chora, dem Hauptort des Gemeindebezirkes.

Die mykenische Siedlung, die von Carl Blegen 1939 entdeckt und ab 1952 ausgegraben wurde, liegt nahe dem heutigen Ano Englianos etwa 9 km nordöstlich der Bucht von Navarino. Blegen stieß hier auf den unbefestigten Palast eines mykenischen wanax, eines Königs. Der letzte dieser Könige hieß vermutlich Enkheljawon.[1] Blegen gab den umfangreichen mykenischen Palastruinen den Namen „Palast des Nestor“, benannt nach dem gleichnamigen Herrscher über das „sandige Pylos“ in Homers Ilias. Es ist umstritten, ob dieser Palast tatsächlich derselbe Palast ist, dem Homer beschreibt. Zwar belegen die von Blegen gefundene Linear-B-Tafeln eindeutig, dass der Ort von seinen Bewohnern Pulos (𐀢𐀫 pu-ro) genannt wurde und die Hauptstadt eines bedeutenden mykenischen Staats war, der große Teile der Landschaft Messenien umfasste. Die topographischen Angaben in der Ilias und der Odyssee über den Sitz Nestors passen besser zu einer früh- und mittelmykenischen Siedlung in der Nähe des heutigen Kakovatos in Triphylien (nördlich an Messenien anschließend). Hier hat Wilhelm Dörpfeld bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Reste einiger Gebäude und drei reiche Kuppelgräber aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. entdeckt und die nah gelegene Siedlung für den homerischen Palast des Nestor gehalten.[2] Allerdings wurde die Siedlung bei Kakovatos, wie neuere Grabungen ergaben, bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch Brand zerstört, kann daher zeitlich kaum der bei Homer beschriebene Sitz des Nestors sein. Auch liegt es zu weit im Norden. Eventuell gehörte diese Region um 1200 v. Chr. aber noch zum Machtbereich des Herrschers des Pylos bei Ano Englianos.

Nestorpalast, darüber die Überdachung der Ausgrabung

Der Fundort war ab dem Mittelhelladikum besiedelt. Aus Früh- und Mittelmykenischer Zeit (16.–15. Jahrhundert v. Chr.) fanden sich am Nordost-Ende des Hügels Spuren einer Umfassungsmauer und eines befestigten Tores. Ansonsten sind Reste von Bauten vor der Mitte des 14. Jahrhunderts v. Chr. nicht erhalten, da der Hügel für die Errichtung des Palastes eingeebnet wurde. Der Palast entstand während der Phase SH III A (ca. 1370–1340/20). An mehreren Stellen wurden unterhalb des Hügels Spuren einer Unterstadt entdeckt. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts v.Chr. wurde der Palast des Nestor durch Feuer zerstört und der Ort nicht mehr kontinuierlich wiederbesiedelt. Was den plötzlichen Untergang ausgelöst hat, ist bis heute ungeklärt. Auch die Linear B-Texte aus den Palastarchiven, die aus den letzten Monaten vor der Zerstörung stammen, geben keinen eindeutigen Hinweis. Die Auswertung der Texte hat ergeben, dass die Zerstörungen sehr wahrscheinlich im Frühjahr stattfanden. Nach dem 8. Jahrhundert v. Chr. wurde die Siedlung ganz aufgegeben und geriet in Vergessenheit.

Auf den Linear-B-Tafeln werden die Verwaltungsbezirke von Pylos erwähnt. Das Reich bestand demnach aus zwei Provinzen (Deweroaikoraja im Westen um Pylos und Peraikoraja im Osten um Lefktron). Diese Provinzen bestanden aus sieben bzw. neun Distrikten. Wichtig ist, dass die Tafeln auf Griechisch verfasst wurden und die Annahme bestätigten, dass auch schon zu mykenischer Zeit Griechisch gesprochen wurde. Durch den oben genannten Brand wurden sie gehärtet und konserviert.

Badewanne im Palast

Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten gehören der große kreisrunde Eschara (Opferherd) mit noch erhaltener Bemalung der Einfassung im Megaron (Thronsaal) des Palastes und ein regelrechtes „Badezimmer“ mit einer „Badewanne“, in der Telemach - Sohn des Odysseus - der Sage nach von Polykaste gebadet und eingeölt wurde. Die vormals mehrgeschossige Anlage, von der noch bis zu einem Meter über dem Boden aufragendes Mauerwerk erhalten ist, wurde überdacht, um die aus Bruchstein und Stampflehm errichteten Mauern vor der Witterung zu schützen.

Wieder aufgebautes Kuppelgrab in der Nähe des Palastes

In unmittelbarer Nähe des Palastes befinden sich zwei Kuppelgräber; die Steinkuppel des besser erhaltenen wurde wieder aufgebaut.

Gegenwärtig ist die Ausgrabungsstätte nicht für Besucher zugänglich, da umfangreiche Restaurierungsarbeiten laufen, die eine komplette Erneuerung der Überdachung und bessere Präsentation der Ausgrabung zum Ziel haben. Eine Wiedereröffnung ist für 2015 geplant.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Giorgos Pathanasopulos, Thanos Pathanasopulous: Pylos – Pylia, Reisebuch in Land und Zeit. ISBN 960-214-197-2.
  •  Jack L. Davis (ed.): Sandy Pylos. An Archaeological History from Nestor to Navarino. ISBN 0-29271595-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John Chadwick: Die mykenische Welt. Reclam, Stuttgart 1979, ISBN 3-15-010282-0, S. 96 f.
  2. Kakovatos und Triphylien in mykenischer Zeit Webseite der Universität Freiburg zu den wiederaufgenommenen archäologischen Forschungen

37.02741666666721.694833333333Koordinaten: 37° 1′ 38,7″ N, 21° 41′ 41,4″ O