Panmunjeom

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Panmunjeom, Blick von Nord- nach Südkorea
Koreanische Schreibweise
koreanisches Alphabet: 판문점
chinesische Schriftzeichen: 板門店
Revidierte Romanisierung: Panmunjeom
McCune-Reischauer: P'anmunjŏm

Panmunjeom, offiziell auch Joint Security Area (JSA, dt. „gemeinsame Sicherheitszone“) genannt, ist der Name einer militärischen Siedlung in der demilitarisierten Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea, in der von 1951 bis 1953 das Ende des Koreakrieges verhandelt wurde. Es ist seit dem Waffenstillstandsabkommen das Hauptquartier der Military Armistice Commission (MAC), die die Einhaltung des Waffenstillstands überwacht. In Panmunjeom befindet sich die Brücke ohne Wiederkehr, die lange Zeit der einzige Grenzübergang zwischen den beiden koreanischen Staaten war. Der Ort steht unter alleiniger Verwaltung der MAC.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet „Hanmonten“, wie es zwischen 1910 und 1945 hieß, um 1938

Als Panmunjeom wurde ursprünglich eine kleine Ansammlung von Hütten, die sich ca. 1 km nördlich des jetzigen Platzes befand, bezeichnet. Seit dem 10. Juli 1951 trafen sich dort Delegationen der verfeindeten Parteien, um über eine Beendigung des Krieges zu verhandeln. Den Namen Panmunjeom erhielt sie von Delegationen beider Seiten in Anspielung auf einen nahegelegenen Laden (koreanisch: jeom). Nach 765 Konferenzen unterzeichneten China, Nordkorea und die UNO (vertreten durch die USA) schließlich am 27. Juli 1953 das Waffenstillstandsabkommen. Nach den Festlegungen des Abkommens wurden alle Siedlungen innerhalb der entmilitarisierten Zone – also auch der ursprünglich Panmunjeom genannte Ort – geräumt. Das Hauptquartier der aus Vertretern beider Seiten bestehenden Waffenstillstandskommission MAC wurde auf die neugezogene Grenze zwischen beiden koreanischen Staaten verlegt, behielt aber den Namen Panmunjeom bei. Auch in den folgenden Jahrzehnten diente Panmunjeom als Ort weiterer Verhandlungen.

Areal[Bearbeiten]

2012: Nordkoreanischer Posten im Hintergrund anlässlich eines Aufenthalts von US-General Dempsey im JSA
Blick von Süd- nach Nordkorea. Gut zu erkennen ist die Betoneinlassung in der Mitte zwischen den Baracken. Diese ist die Grenze zwischen Nord- und Südkorea

Die wichtigsten Gebäude in Panmunjeom sind drei blaue Baracken mit je einer Tür auf nordkoreanischer und südkoreanischer Seite. Durch ihre Mitte verläuft die militärische Demarkationslinie (Betonblock in der Mitte zwischen den Baracken), de facto die Grenze zwischen Nord- und Südkorea. In diesen Hütten fanden Verhandlungen zwischen beiden Parteien statt.

Die Grenze (rechts Süd-, links Nordkorea)

Die mittlere Baracke ist Besucherdelegationen von beiden Seiten abwechselnd zugänglich. Zwei Soldaten des einen Teils von Korea, von dem aus der Raum betreten wird, bewachen dann die Tür zum jeweilig anderen Landesteil. Ansonsten kann man sich in dem kleinen Verhandlungsraum frei bewegen und somit auch die Grenze übertreten. Zwischen den Baracken markieren lediglich ein schmaler Betonstreifen und unterschiedlicher Bodengrund die Grenzlinie.

Auf südkoreanischer Seite des Areals befindet sich das Freedom House („Freiheitshaus“). Das ursprüngliche Gebäude war ein 1965 errichteter Aussichtspavillon mit zwei einstöckigen Seitenflügeln. Seit 1998 steht an seiner Stelle ein großer 4-stöckiger Neubau, der Pavillon wurde schräg nach hinten versetzt. Im Freedom House finden offizielle Treffen zwischen nord- und südkoreanischer Seite statt, die beiden Staaten sowie ihre jeweiligen Rot-Kreuz-Gesellschaften haben hier ihre Liaison Offices (Verbindungsbüros). 130 m südwestlich wurde 1980 provisorisch, 1989 in seiner heutigen Form das House of Peace („Friedenshaus“) errichtet, in dem in der Vergangenheit Familientreffen zwischen nord- und südkoreanischen Zivilisten stattfanden.

Skizze der Joint Security Area (JSA)

Auf nordkoreanischer Seite wurde 1969 das Panmun-gak gebaut, ein ursprünglich zweistöckiges Gebäude (später um einen dritten Stock erweitert), das als Quartier für nordkoreanische Delegationen und Sicherheitskräfte dient.

Das Gebiet hat insgesamt einen Durchmesser von 800 Metern. Die Überschreitung der Demarkationslinie wird seit einem Zwischenfall am 18. August 1976, bei dem zwei US-amerikanische Soldaten von nordkoreanischen Soldaten getötet wurden, nicht mehr geduldet.

In der Nähe Panmunjeoms befindet sich auch die sogenannte Brücke ohne Wiederkehr, über die 1953 Gefangene ausgetauscht wurden. Die Gefangenen, die an dieser Stelle die Grenze überschritten, hatten dadurch ihr Recht auf Rückkehr verwirkt. Das Gebäude, in dem das Waffenstillstandsabkommen letztlich unterzeichnet wurde, liegt außerhalb der Joint Security Area in nordkoreanischem Gebiet.

Propaganda[Bearbeiten]

Panmunjeom wird von beiden Seiten auch zu Propagandazwecken benutzt.

Touristen auf der südkoreanischen Seite bekamen in der Vergangenheit von US-Soldaten, die als Fremdenführer tätig waren, erzählt, die Gebäude auf der nordkoreanischen Seite seien in Wirklichkeit nur Fassaden. Seit sich Nordkorea dem Tourismus langsam öffnet und auch fast alle Touristen nach Panmunjeom schickt, haben sich diese Behauptungen als unwahr erwiesen.

Nordkorea weist darauf hin, dass Südkorea und die USA eine Mauer auf der kompletten Länge der DMZ errichtet haben. Die Mauer sei an der Basis ca. 13 Meter breit und zwischen 5 und 8 Meter hoch und mit Schießscharten ausgestattet. Auf der Nordseite falle die Mauer senkrecht ab, diene so auch als Panzersperre, auf der Südseite dagegen sei die Mauer schräg und bewachsen, daher sei die Mauer vom Süden aus praktisch nicht sichtbar. Touristen werden Stücke dieser Mauer vom nordkoreanischen Militär gezeigt. Laut einer Dokumentation des Senders Arte existiert diese Mauer tatsächlich.[1]

Touristische Bedeutung[Bearbeiten]

Panmunjeom ist ein beliebtes Ziel ausländischer Touristen, da es der einzige Ort innerhalb der entmilitarisierten Zone ist, der von Zivilisten betreten werden darf. Organisierte Touren werden sowohl von nord- als auch von südkoreanischer Seite angeboten. Individualreisen sind jedoch in keinem Fall möglich, alle Teilnehmer werden zu jeder Zeit von militärischem Sicherheitspersonal beaufsichtigt und müssen sich streng an deren Anweisungen halten. Staatsbürgern aus Afghanistan, Kuba, Iran, Irak, Libyen, Nordkorea, Pakistan, Sudan und Syrien ist der Besuch in Panmunjeom, von der Seite Südkoreas aus, nicht gestattet.

Fotos[Bearbeiten]

Künstlerische Rezeption[Bearbeiten]

In dem südkoreanischen Spielfilm Joint Security Area aus dem Jahr 2000 wird die letztlich tödliche Freundschaft von vier nord- und südkoreanischen Soldaten innerhalb des 'Joint Security Areas' in Panmunjeom dargestellt. Jenseits aller Ideologie zeigt der Film das menschliche Zusammentreffen der Vertreter einer Nation.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ARTE Wunderwelten Nordkorea: [1], abgerufen am 15. August 2012

37.955980555556126.67686666667Koordinaten: 37° 57′ 22″ N, 126° 40′ 37″ O