Paul Tholey

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Paul Tholey (* 14. März 1937 in St. Wendel; † 7. Dezember 1998 in Bad Vilbel) war ein deutscher Psychologe.

Leben[Bearbeiten]

Tholey war Schüler von Edwin Rausch und lehrte zuerst an der Universität Frankfurt in den Fächern Allgemeine Psychologie, Statistik und Methodenlehre, später als Professor für Sportpsychologie an der Technischen Universität Braunschweig.[1] Er forschte – unter anderem mit Stephen LaBerge – auf dem Gebiet der Klarträume und hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zu diesem Thema veröffentlicht. Eines der bekanntesten trägt den Titel Schöpferisch Träumen. Nach eigenen Aussagen prägte er 1977[2] den Begriff Klartraum in Anlehnung an den englischen Ausdruck lucid dream von Frederik van Eeden.

Die wissenschaftliche Grundlage der Arbeiten von Paul Tholey auf dem Gebiet der Klartraumforschung, Sportpsychologie und der Bewusstseinsforschung war die Gestalttheorie bzw. Gestaltpsychologie. Tholey gehörte dem Vorstand der Gesellschaft für Gestalttheorie und ihre Anwendungen an und war Mit-Herausgeber der internationalen multidisziplinären Zeitschrift Gestalt Theory. Die von ihm selbst 1989 gegründete Zeitschrift Bewusst Sein, die der Klartraum- und Bewusstseinsforschung gewidmet sein sollte, erschien hingegen nur mit einem einzigen Heft.

Auf dem Gebiet der Sportpsychologie wurde er maßgeblich von Kurt Kohl beeinflusst, dessen Gestalttheorie der Sensomotorik und des Sports er fortführte und vertiefte. Paul Tholey nutzte Klarträume systematisch, um komplexe Bewegungsabläufe zu erlernen. Damit war es ihm möglich, auch körperlich anspruchsvolle Sportarten wie Skateboard, Kunstrad und Snowboard im Traum zu „trainieren“ und damit antizipatorisch für den Wachzustand vorzubereiten bzw. Erlerntes durch Traumwiederholungen zu perfektionieren.[3] Diese Technik vermittelte Tholey auch Spitzensportlern.

Paul Tholey lebte überwiegend in St. Wendel.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1980: Erkenntnistheoretische und systemtheoretische Grundlagen der Sensumotorik aus gestalttheoretischer Sicht. in: Sportwissenschaft. 10, S. 7–35.
  • 1980: Kritik statistischer Hypothesentests. in: Frankfurter Psychologische Arbeiten. 16. Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
  • 1980: Gestaltpsychologie. In: R. Asanger, G. Wenninger (Hrsg.): Handwörterbuch der Psychologie. S. 178–184. Beltz, Weinheim / Basel.
  • 1980: Klarträume als Gegenstand empirischer Untersuchungen. in: Gestalt Theory. 2, S. 175–191.
  • 1981: Empirische Untersuchungen über Klarträume. in: Gestalt Theory. 3, S. 21–62.
  • 1983: Signifikanztest und Bayessche Hypothesenprüfung. in: Archiv für Psychologie. 134, S. 319–342.
  • 1984: Gestalt therapy made-in-USA and made-elsewhere. in: Gestalt Theory. 3, S. 171–174.
  • 1984: Sensumotorisches Lernen als Organisation des psychischen Gesamtfeldes. in: E. Hahn, H. Rieder (Hrsg.): Sensumotorisches Lernen und Sportspielforschung (Festschrift zum 65. Geburtstag von Prof. Dr. Kohl). S. 11–26. bps-Verlag, Köln.
  • 1985: Haben Traumgestalten ein Bewusstsein? Eine experimentell-phänomenologische Klartraumstudie. in: Gestalt Theory. 7, S. 29–46.
  • 1986: Deshalb Phänomenologie! Anmerkungen zur experimentell-phänomenologischen Methode. in: Gestalt Theory. 8, S. 144–163.
  • 1987: mit K. Utecht: Schöpferisch Träumen. Der Klartraum als Lebenshilfe. Falkenverlag, Niedernhausen, ISBN 3-880-74275-8.
  • 1989: Die Entfaltung des Bewusstseins als ein Weg zur schöpferischen Freiheit – Vom Träumer zum Krieger. in: Bewusst Sein. 1(1), S. 25–56.
  • 1989: Overview of the development of lucid dream research in Germany. (Vortrag auf der VI. International Conference of the Association for the Study of Dreams in London 1989). Lucidity Letter. 8(2), S. 1–30.
  • 1990: Der Klartraum als ein Weg zu schöpferischer Freiheit. In: A. Resch (Hrsg.), Veränderte Bewusstseinszustände. Träume, Trance, Ekstase. S. 199–242. Resch Verlag, Innsbruck, ISBN 3-853-82044-1.
  • 1990: Klarträume im Dienst der psychischen Heilung und der Persönlichkeitsentfaltung. in: TW Neurologie Psychiatrie. 7(8), S. 558–570.
  • 1990: Interview mit Stephen LaBerge (geleitet und redigiert von Brigitte Holzinger). Lucidity Letter. 9(1), S. 102–115.
  • 1992: (Gibson-Kritik:) Der ökologische Ansatz der Umweltwahrnehmung – ein Beitrag zur semantischen Umweltverschmutzung. Teil I. Gestalt Theory. 14, S. 115–142; Teil II. Gestalt Theory. 14, S. 196–218.
  • 1993: Blickvarianten im Wach- und Traumzustand. In: A. Lischka (Hrsg.): Der entfesselte Blick. S. 150–197. Benteli, Bern, ISBN 3-716-50862-4.
  • 1996: Zur Bedeutung der Wir- und Ichhaftigkeit in der Gestalttheoretischen Psychotherapie (I). in: ÖAGP-Informationen. 5(2), S. I–VIII; (II). ÖAGP-Informationen. 5(3), S. I–VI. 2002 Wiederabdruck in: G. Stemberger, (Hrsg.): Psychische Störungen im Ich-Welt-Verhältnis. Krammer, Wien, ISBN 3-901-81109-5.
  • 1998: Diskussion über Induktionsmethoden, theoretische Grundlagen und psychotherapeutische Anwendungen des Klarträumens (ein Gespräch mit B. Holzinger und Stephen LaBerge). Gestalt Theory. 20, S. 143–172.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Leben und Werk Tholeys im biografischen Abschnitt in D. Erlacher: Motorisches Lernen im luziden Traum: Phänomenologische und experimentelle Betrachtungen. 2005, S. 147–149
  2. P. Tholey: Klarträume als Gegenstand empirischer Untersuchungen. in Gestalt Theory. 2, S. 175–191.
  3. F. Mechsner: Geschichten aus der Nacht. in: Geo(2), 1994, S. 12–30.