Paulus von Theben

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Paulus von Theben, Statue von Matthias Faller in Kirchzarten
Antonius Abbas und Paulus Eremita, Diego Velazquez

Paulus von Theben (* angeblich 228; † angeblich 341), ist ein christlicher Heiliger und nach der Legende erster ägyptischer Einsiedler und Wüstenvater, daher auch Heiliger Paulus der erste Einsiedler genannt. Sein Festtag ist der 10. (katholisch) bzw. der 15. Januar (orthodox). Er ist Schutzheiliger der Korb- und Mattenflechter.

Leben[Bearbeiten]

Die sonst nirgends belegte Lebensgeschichte des Heiligen Paulus von Theben (koptisch Amba Bola) wird überliefert in der um 376 von Hieronymus (um 347–420) verfassten Vita Pauli primi eremitae. Demnach wurde Paulus angeblich im Jahr 228 als Sohn wohlhabender christlicher Eltern in Ägypten geboren und ging nach dem Tod der Eltern und Erbstreitigkeiten mit seinem Bruder während der Christenverfolgungen unter Decius (249/50) als erster christlicher Einsiedler und Asket (Anachoret) in die ägyptische Wüste. Dort lebte er jahrzehntelang alleine, von einer Quelle, einer Palme und einem Raben, der ihm täglich ein halbes Brot brachte, versorgt. Als er 113 Jahre alt war, wurde er kurz vor seinem Tod von dem damals 90-jährigen Antonius (Antonius der Große, 251–356) aufgesucht, dem in einer Vision die Existenz dieses benachbarten älteren Einsiedlers offenbart wurde, der ihm auf dem Weg in die Wüste vorausging. Nach dem Tod des Paulus habe Antonius mit Hilfe zweier Löwen ein Grab für den heiligen Paulus ausgehoben.

Die tatsächliche, geschichtliche Persönlichkeit des Paulus von Theben ist zweifelhaft.[1] Es wird davon ausgegangen, dass Hieronymus mit seiner Geschichte eher daran gelegen war, sein literarisches Talent herauszustellen und der Vita Antonii des Athanasios (um 300–373) einen Gegenentwurf für die christliche Heiligenlegende zur Seite zu stellen und mit der Darstellung eines älteren Wüstenheiligen zu übertreffen.

Wirkung[Bearbeiten]

In der bildenden Kunst wird oft das Treffen der beiden Ur-Einsiedler dargestellt, z. B. auf einer Tafel des Isenheimer Altars des Mathias Grünewald (um 1470/75–1528) in Colmar (Musée d´Unterlinden) oder auf einem Gemälde von Diego Velazquez (1599–1660) in Madrid (Museo del Prado).

Gedenktag[Bearbeiten]

Der katholische Gedenktag des Heiligen ist der 10. Januar.

Manche Anhänger der Bauernregeln glauben folgende Wetterregeln:

Ist der Paulustag gelinde, gibt's im Frühjahr raue Winde.
An Paulus Einsiedel Sonnenschein, bringt viel Korn und wenig Wein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hieronymus: Vita Pauli primi eremitae., deutsche Übersetzung von Manfred Fuhrmann, in: Christen in der Wüste., Artemis,Zürich und München 1983.
  • Stefan Rebenich: Der Kirchenvater Hieronymus als Hagiograph. Die Vita Sancti Pauli primi eremitae, in: Beiträge zur Geschichte des Paulinerordens, hrsg. von Kaspar Elm, Berlin 2000, S. 23-40.
  • St. Swidzinski: Der Heilige Paulus von Theben. in: Auf den Spuren des heiligen Antonius., Kommission Verlag Memminger Zeitung, 1994.
  • Heinrich Holze: Paulus von Theben. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 7, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4, Sp. 89–92.
  • Ernst Dassmann: Autobiographie und Hagiographie. Zur Selbstdarstellung des Hieronymus in seinen Mönchsviten, Nekrologen und Trostbriefen, in: Autobiographie und Hagiographie in der christlichen Antike, hrsg. von J. van Oort und D. Wyrwa, Leuven (B) 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paulus von Theben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl.  Bernhard Kötting: Paulos v. Theben. In: Josef Höfer, Karl Rahner (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche (LThK). 2. Auflage. Band 8, Herder, Freiburg im Breisgau 1963.