Peergroup

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Peergroup (eigentlich und englisch peer group) (oft kurz: Peers) bedeutet „Gruppe von Ähnlich-Altrigen“ oder „Gruppe von Gleichgestellten“.

Jugendsoziologie[Bearbeiten]

Gleichgestellte beim Spielen

Peergroup (häufig auch: Peer-group) geht als Fachbegriff aus der Soziologie, Pädagogik und Sozialpädagogik zurück auf Charles H. Cooley (1864–1929), der das Konzept der Primärgruppen entwickelte. Peer-Gruppen bezeichnen in der heutigen Fachliteratur Bezugsgruppen, welche sich aus Menschen ähnlichen Alters zusammensetzen und deren Mitglieder ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. Diese Bezugsgruppen könnten auch als Cliquen umschrieben werden, was vor allem die elementare Bedeutung im Jugendalter verdeutlicht, oder als Freundeskreis benannt werden, was die Präsenz der Peer-Gruppen im Alltag eines jeden Menschen herausstellt. Peer-Gruppen charakterisieren sich weniger durch das gemeinsame Lebensalter ihrer Mitglieder, sondern in erster Linie durch das für die Austauschprozesse konstitutive Prinzip der Gleichrangigkeit. Es ist daher für jede Interaktion in Peer-Gruppen von entscheidender Bedeutung, dass sie sich aus Mitgliedern zusammensetzt, welche sich auf Augenhöhe begegnen und sich in Wissen, Können und Entscheidungsbefugnissen nicht nennenswert unterscheiden.

Der Begriff fasst die Beobachtungen zusammen, dass besonders im Kinder- und Jugendalter die Orientierung der Individuen an Gruppenstandards stärker an Menschen ähnlichen Alters als an den eigenen Eltern stattfindet und dass auch später die Ansichten eines Menschen häufig von den Menschen der unmittelbaren Umgebung geprägt werden. Als Peergroup gelten Gruppen mit Mitgliedern meist auch ähnlicher sozialer Szene. Gleichaltrige, z.B. Mitschüler einer Klasse, heißen im Englischen age mates.[1]

Peergroups sind als Instanz informeller Bildung und Sozialisation zu definieren und dienen unter anderem zur Emanzipation vom Elternhaus. Die Jugendlichen „üben“ soziale Muster gemeinsam mit ihren Freunden, die meist aus einer ähnlichen Altersgruppe stammen, erproben untereinander soziale Verhaltensweisen. Peers sind sozusagen ein Spielfeld, auf dem es möglich ist, eigene Grenzen auszutesten, den Umgang mit anderen zu lernen, den Übergang ins Erwachsensein zunächst im geschützten Raum der Freunde zu erfahren. Darüber hinaus dienen sie auch dem gegenseitigen Austausch zum Beispiel über Probleme. Besonders bei bestehenden Konflikten mit dem Elternhaus können diese Gruppen zu Bezugsgruppen für die Heranwachsenden werden und einen dominierenden Einfluss ausüben. In einem problematischen Umfeld können Peergroups Jugendliche zu gewalttätigen Handlungen, Drogenkonsum und Risikoverhalten veranlassen und über Aufnahmerituale, Mutproben und Erpressungen einen schädigenden Einfluss besonders auf identitätsschwache Jugendliche ausüben. In der Sozialarbeit wird über Streetwork versucht, einen Zugang zu Peergroups (Banden, Gruppenangehörige) zu erhalten und präventiv, erzieherisch und kontrollierend einzuwirken. Ein gängiger sozialpädagogischer Arbeitsansatz, um Bildungs- und Sozialisationsprozesse in Peer-Gruppen gezielt initiieren zu können, sind die so genannten Peer-Education-Strategien bzw. Peer-Erziehung, welche als eine Form personal-kommunikativer Prävention angesehen werden kann. Dieses Konzept entstand Mitte der 1970er Jahre in den Vereinigten Staaten und England, wo es vorwiegend in der Gesundheits- und Sexualerziehung genutzt wurde.

Interessengruppe[Bearbeiten]

Der Begriff Peergroup wird auch gleichbedeutend für „Interessengruppe“ verwendet. Teilnehmer einer Ausbildungs-, Lern- oder Arbeitsgruppe (Peer-Education) werden oft als Peergroup bezeichnet, sie praktizieren das peer learning. Sie können sozial durchaus unterschiedlichen Gruppen angehören, sind aber für eine bestimmte Zeit durch gleiche Interessen miteinander verbunden. In der Lerndidaktik (handlungsorientiertes Lernen) haben Peergroups einen besonderen Stellenwert, weil ähnliche Interessen eine lernfördernde Gruppendynamik erzeugen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lothar Beinke: Berufsorientierung und peer-groups ISBN 3-87066-927-6
  • Erving Goffman: Wir alle spielen Theater
  • Manfred Günther: Wörterbuch Jugend - Alter; Berlin 2010
  • Marius Harring, Oliver Böhm-Kasper, Carsten Rohlfs und Christian Palentien: Peers als Bildungs- und Sozialisationsinstanzen - eine Einführung in die Thematik; in: Mariua Harring u.a.: (Hrsg.): Freundschaften, Cliquen und Jugendkulturen Peers als Bildungs- und Sozialisationsinstanzen, Wiesbaden: VS-Verlag 2010
  • Axel Schmidt: Doing peer-group – Die interaktive Konstitution jugendlicher Gruppenpraxis

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Peergroup – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Literatur: Günther, S. 14 und 90