Pendelachse

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Die Pendelachse (früher auch Schwingachse) ist eine einfache Form der Einzelradaufhängung bei Kraftfahrzeugen.

Zweigelenk-Pendelachse in einem Mercedes 170 V (1936-1952)
Pendelachse in einem frontgetriebenen Derby

Bei angetriebenen Pendelachsen kann das Differentialgetriebe fest mit dem Fahrgestell verbunden sein (Zweigelenk-Pendelachse) oder es sitzt seitlich verschoben auf einer Antriebswelle und ist mit einer gabelförmigen Aufnahme am Wagenkörper fixiert (Eingelenk-Pendelachse, Hersteller Mercedes-Benz). Bei gelenklosen Pendelachsen von Tatra rollen beim Einfedern die Tellerräder auf den Ritzeln im (starr eingebauten) Differential ab. Bei anderen Bauarten angetriebener Achsen mit einzeln aufgehängten Rädern ist ein zweites Gelenk zwischen Antriebswelle und Rad erforderlich.

Die Räder sind an die Antriebswellen fest angeflanscht oder ohne weitere Gelenke auf dem Achskörper gelagert. Deshalb verändert sich an Pendelachsen beim Ein- und Ausfedern der Sturz und die Spurweite der Räder. Das hat ein instabiles Kurvenverhalten zur Folge, besonders bei schnellen Richtungswechseln kann das Fahrzeug kippen. Die Fahrsicherheit lässt sich verbessern, so etwa mit einer sogenannten Ausgleichsfeder zwischen den beiden Achshälften, die dem „Aufstützen“ der Achshälften entgegenwirkt, oder indem man die Achshälften so lang wie möglich macht (bei nicht angetriebenen Achsen können die Pendel auch länger als die halbe Fahrzeugbreite sein[1]) und so tief wie möglich anlenkt. (Mercedes Eingelenkpendelachse)

Pendelachse: negativer Sturz („X-Beine“) beim Einfedern, „O-Beine“ beim Entlasten

Pendelachsen sind typisch für Kleinwagen der 1930er bis 1960er Jahre mit Heckmotor: Sie wurden beim VW-Käfer (nicht Automatik und 1302/1303), bei den Renaults mit Heckmotor (4CV, Dauphine, 8, 10, Floride), beim Goggomobil auch vorne, beim Chevrolet Corvair, aber auch in anderen Klassen verwendet (Porsche 356, Borgward Isabella, Mercedes 300 SL, Tempo Wiking, Tatra).

Im offiziellen Sprachgebrauch von Daimler-Benz hieß die Hinterachse des damals (1968) neuen Mercedes /8Diagonalpendelachse“, was etwas irreführend war, da es sich um eine normale Schräglenkerachse handelte. Dies hatte Marketinggründe; man wollte die Pendelachse der noch aktuellen S-Klasse (W108) nicht veraltet erscheinen lassen.

Heute (2014) findet man Pendelachsen nur noch an den geländegängigen Lastwagen von Tatra und der Vespa Ape.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt-Jürgen Berger, Michael Braunheim, Eckhard Brennecke: Technologie Kraftfahrzeugtechnik. 1. Auflage, Verlag Gehlen, Bad Homburg vor der Höhe, 2000, ISBN 3-441-92250-6
  • Karl-Heinz Dietsche, Thomas Jäger, Robert Bosch GmbH: Kraftfahrtechnisches Taschenbuch. 25. Auflage, Friedr. Vieweg & Sohn Verlag, Wiesbaden, 2003, ISBN 3-528-23876-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://tocmp.org/honda/HONDA_17r.jpg Prospekt eines Honda 1300 Coupé, Bild der HA links unten