Perfluoroctansulfonat

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Strukturformel
Struktur von Perfluoroctansulfonat
Strukturformel des Anions
Allgemeines
Name Perfluoroctansulfonat
Andere Namen
  • PFOS
  • Perfluoroctansulfonsäure
  • Perfluoroktansulfonat
Summenformel
  • C8F17O3S (Anion)
  • C8HF17O3S (Säure)
CAS-Nummer
  • 45298-90-6 (Anion)
  • 1763-23-1 (Säure)
PubChem 74483
Eigenschaften
Molare Masse
  • 499,12 g·mol−1 (Anion)
  • 500,13 g·mol−1 (Säure)
Aggregatzustand

fest

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
08 – Gesundheitsgefährdend 07 – Achtung 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 351​‐​360D​‐​372​‐​332​‐​302​‐​362Vorlage:H-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze​‐​411
P: 201​‐​263​‐​273​‐​281​‐​308+313 [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3][1]
Giftig Umweltgefährlich
Giftig Umwelt-
gefährlich
(T) (N)
R- und S-Sätze R: 61​‐​20/22​‐​48/25​‐​40​‐​51/53​‐​64Vorlage:R-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze
S: 53​‐​45​‐​61
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Perfluoroctansulfonat (PFOS) ist das Anion der Perfluoroctansulfonsäure und gehört zu den perfluorierten Tensiden. Üblicherweise wird es als Natrium- oder Kalium-Perfluoroctansulfonat im Handel angeboten.

Darstellung[Bearbeiten]

Die Darstellung von PFOS kann durch Kleinstpolymerisierung von Tetrafluorethylen erfolgen. Die Reaktion wird so gesteuert, dass Ketten mit sechs Kohlenstoffatomen entstehen. An dieses Zwischenprodukt wird ein Ethylenmolekül addiert und anschließend zum Sulfonat umgesetzt.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Die Besonderheit von PFOS liegt darin, dass die perfluorierte Gruppe unpolar ist, die polare anionische Gruppe dagegen hydrophil. Es ist damit ein Tensid.

Kalottenmodell des Perfluoroctansulfonats. Links die unpolare perfluorierte Kette; rechts die negativ geladene, polare Sulfonatgruppe.

Verwendung[Bearbeiten]

PFOS wurde hauptsächlich dazu verwendet, um Materialien wie Textilien, Teppiche und Papier fett-, öl- und wasserfest zu machen. Daneben wurde und wird es bei der Verchromung, in der Fotografie, in älteren Feuerlöschschäumen (AFFF) und in Hydraulikflüssigkeiten für die Luft- und Raumfahrt verwendet.

Gefahren[Bearbeiten]

PFOS ist umweltpersistent, bioakkumulierbar und für Säugetiere giftig. Aus diesem Grund haben alle deutschen Chemieunternehmen die Produktion von PFOS im Jahr 2002 weltweit eingestellt[4] und viele Produkte auf das kürzerkettige PFBS umformuliert.

In die Umwelt wird PFOS weiterhin emittiert. Die wichtigsten Quellen sind Metallverarbeitung (Verchromung) und Feuerlöschschäume.[5]

Im Sommer 2006 wurden im Rhein und in der Ruhr hohe PFOS-Werte gemessen. Klärschlämme aus Belgien, die falsch deklariert waren, brachten die Substanzen nach Deutschland. Nachforschungen ergaben den Verdacht, dass Landwirte dafür bezahlt wurden, den belasteten Klärschlamm auf ihren Feldern auszubringen. Von dort gelangten Bestandteile in Grund- und Flusswasser.[6][7]

2012 wurden im Badesee Stoibermühle nördlich des Flughafens München sowie im Lindacher See nördlich des Fliegerhorstes Ingolstadt/Manching erhöhte Werte von verschiedenen Perfluorierten Tensiden nachgewiesen, darunter auch PFOS.[8]

Verbot[Bearbeiten]

Das Europäische Parlament hat im Oktober 2006 beschlossen, die Verwendung von PFOS auf wenige Einsatzbereiche einzuschränken. Die „Richtlinie 2006/122/EG des Europäischen Parlaments und des Rates“ ist am 27. Dezember 2006 durch Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union (2006 / L 372) in Kraft getreten.[9]

In der 4. Vertragsstaaten-Konferenz der Stockholmer Konvention (Genf, 4. bis 8. Mai 2009) wurde entschieden, PFOS in den Anhang B der unter dieser Konvention eingeschränkten Substanzen aufzunehmen.[10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eintrag zu Perfluoroctansulfonsäure in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 11. November 2012 (JavaScript erforderlich)
  2. Datenblatt Heptadecafluorooctanesulfonic acid bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 18. April 2011 (PDF).
  3. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  4. Presseinformation des VCI vom 6. Oktober 2005: Daten und Fakten zur Stoffliste des WWF-Bluttests (PDF; 33 kB)
  5. Substance flow analysis for Switzerland – Perfluorinated surfactants perfluorooctanesulfonate (PFOS) and perfluorooctanoic acid (PFOA). Federal Office for the Environment, 2009, 144 S.
  6. WDR (2006): Fall von Umwelt-Kriminalität – Trinkwasser mit Chemikalie PFT belastet
  7. ES&T Science News (2006): Perfluorinated surfactants contaminate German waters, doi:10.1021/es062811u.
  8. Industriechemikalien belasten Bayerns Seen Webpräsenz des Bayerischen Rundfunks
  9. Amtsblatt der Europäischen Union: RICHTLINIE 2006/122/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 12. Dezember 2006 zur dreißigsten Änderung der Richtlinie 76/769/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten für Beschränkungen des Inverkehrbringens und der Verwendung gewisser gefährlicher Stoffe und Zubereitungen (Perfluoroctansulfonate), 27. Dezember 2006 / L 372.
  10. Governments unite to step-up reduction on global DDT reliance and add nine new chemicals under international treaty, Pressecommuniqué, 8. Mai 2009.

Weblinks[Bearbeiten]