Philipp Tingler

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Philipp Tingler (* 1970 in West-Berlin) ist ein Schweizer und deutscher Schriftsteller, Essayist, Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph.

Philipp Tingler, Porträt von Stefan Sulzer

Leben[Bearbeiten]

Tingler studierte Ökonomie und Philosophie an der Hochschule St. Gallen (HSG), an der London School of Economics und der Universität Zürich und arbeitete am Institut für Wirtschaftsforschung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Er ist ehemaliger Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und war 2002 Mitherausgeber einer wirtschaftlichen Fallstudie.[1] An der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich promovierte er zum Werk Thomas Manns.

Sein erster Roman, Hübsche Versuche (2000), schilderte ironisch das Zürcher Gesellschaftsleben. 2001 las Tingler im Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis; sein Textbeitrag wurde innerhalb der Jury kontrovers diskutiert.[2] In seinem zweiten Buch Ich bin ein Profi (2003) schrieb Tingler über die Mechanismen des Literaturbetriebs. In Tinglers belletristischen und essayistischen Arbeiten wird immer wieder von ironischer Warte aus die Dynamik und Fassadenhaftigkeit der Gesellschaft seziert. Dies ist ein Hauptmotiv sowohl des Romans Fischtal (2007), der den Zerfall einer großbürgerlichen West-Berliner Familie schildert, wie auch von Doktor Phil (2010), wo zudem das klassische Teufelspaktmotiv aufgenommen wird. Tingler veröffentlichte ausserdem die illustrierten Manierenhandbücher Stil zeigen (2008) und Leichter reisen (2010). 2013 erschien der Essayband Wie frei sind wir noch?, in dem die Ideale des klassischen angelsächsischen Liberalismus entwickelt werden.

Tingler erhielt 2001 die Ehrengabe des Kantons Zürich für Literatur; 2008 den Kasseler Literaturpreis für komische Literatur.

Neben Beiträgen in Anthologien veröffentlicht Tingler Artikel, Essays und Kolumnen in Zeitungen und Zeitschriften (u.a.Vogue, Stern, Neon und NZZ am Sonntag). Außerdem schrieb er Beiträge für Hörfunk und Fernsehen (WDR, Schweizer Radio und Fernsehen). Zurzeit ist er Kolumnist beim Zürcher Tages-Anzeiger und für Business Punk. Seit September 2014 diskutiert Tingler als Literaturkritiker über Klassiker und Neuerscheinungen in der Sendung Literaturclub des Schweizer Fernsehens.

Tingler lebt in Zürich, zusammen mit seinem englisch-schweizerischen eingetragenen Partner, in Tinglers Prosa regelmässig apostrophiert als „der beste Ehemann von allen“. Er setzt sich für die Rechte anderer homosexueller Menschen in der Schweiz ein.

Literarisches und wissenschaftliches Werk[Bearbeiten]

Tinglers literarische Arbeiten sind deutlich auf die eigene Person und deren Lebensumstände bezogen, was sich sogar in seiner wissenschaftlichen Arbeit niederschlägt. So beginnt seine Doktorarbeit mit den Worten: „Diese Dissertation ist zu nicht unwesentlichen Teilen bei Starbucks an der Bahnhofstrasse in Zürich verfasst worden (wohin ich immer flüchte, wenn meine Putzfrau Maxi kommt), sowie in den Lounges diverser Flughäfen von Mailand bis Johannesburg, an Bord einiger Interkontinentalstrecken und schließlich bei Pancakes, Eggs Benedict und endlosen Litern Kaffee in der Polo Lounge des Beverly Hills Hotel.“[3] In der gleichen Arbeit, deren Titel Thomas Mann und der transzendentale Idealismus auf eine Auseinandersetzung mit dem System des transzendentalen Idealismus des deutschen Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775–1854) hinzudeuten scheint, wird Schelling im Haupttext kein einziges Mal genannt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Ehrengabe des Kantons Zürich für Literatur 2001
  • Förderpreis zum Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor 2008

Werke[Bearbeiten]

Belletristik
Audio
Wissenschaft
  • Dichtung und Kritik. Thomas Mann und der transzendentale Idealismus. Diss. phil. Zürich, 2009

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Renate Schubert u.a.: Corporate volunteering. Unternehmen entdecken die Freiwilligenarbeit. Bern 2002
  2. 25. Tage der deutschsprachigen Literatur 2001. Philip Tingler. "Umgang mit Konflikten" vom 30. Juni 2011 auf bachmannpreis.orf.at
  3. P. Tingler: Dichtung und Kritik: Thomas Mann und der transzendentale Idealismus, S. 3.