Phlegräische Felder

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Phlegräische Felder (Aufnahme von der ISS)

Die Phlegräischen Felder (altgriech. φλέγω phlégō ‚brennen‘; ital. Campi Flegrei) sind ein etwa 20 km westlich des Vesuv gelegenes Gebiet mit hoher vulkanischer Aktivität in der süditalienischen Region Kampanien.

Lage und Ausdehnung[Bearbeiten]

Die Phlegräischen Felder dehnen sich über ein Gebiet von mehr als 150 km² aus. Sie beginnen unmittelbar am westlichen Stadtrand von Neapel und setzen sich entlang der Küste des Mittelmeeres bzw. des Golfes von Neapel fort. Im Süden dehnen sie sich untermeerisch aus und schließen hierbei auch das Gebiet der Inseln Ischia und Procida (im Südwesten) sowie Nisida (im Nordosten) ein. Wichtigster Ort der Region und zugleich Anziehungspunkt für viele Touristen ist die Ortschaft Pozzuoli.

Vulkanische Aktivität[Bearbeiten]

Der Boden auf den Feldern kann durch die vulkanische Aktivität sehr heiß werden. Neben Solfataren und Mofetten gibt es unzählige Thermalquellen und Fumarolen. An vielen Stellen ist das Gestein durch die aufsteigenden Schwefeldämpfe gelb gefärbt. Auf dem gesamten Gebiet gibt es mehr als 50 Eruptionsherde (beispielsweise den Krater Solfatara). Die nicht sichtbare, eingesunkene Caldera liegt zu zwei Dritteln unter Wasser und stellt einen der 20 Supervulkane auf der Erde dar.[1] 2008 wurde entdeckt, dass die Phlegräischen Felder und der Vesuv in zehn Kilometern Tiefe eine gemeinsame Magmakammer besitzen.[1]

Die erste bekannte Eruption („Ignimbrite“) wird derzeit auf ca. 37.280 Jahre v. Chr. geschätzt;[2] ältere Schätzungen schwanken zwischen 45.000 und 35.000 v. Chr. Bei dieser supermassiven Eruption wurden ca. 80–150 km³ Tephra ausgestoßen; sie entspricht damit einem Vulkanexplosivitätsindex (VEI)-Wert von 7. Damit kann sie sich in Bezug auf den VEI mit den stärksten überlieferten Eruptionen in historischer Zeit (allem voran Tambora 1815, aber auch Krakatau 1883) messen. Andere Quellen sprechen sogar von 350 km³.[3] Bei einem weiteren Großausbruch vor 15.000 Jahren wurden 40 km³ Material ausgestoßen und 1000 km² Bodenfläche zerstört.[1] Der letzte größere Ausbruch fand im Jahre 1538 statt. Er dauerte acht Tage, und aus dem ausgeworfenen Material entstand ein neuer Berg – der Monte Nuovo – und der angrenzende Lago d'Averno (Averner See; ein mit Wasser gefüllter Vulkankrater) wurde vom Meer abgeschnitten.

Nachdem zuletzt verstärkt unterirdische Aktivitäten gemessen wurden, hat der Zivilschutz 2012 die Warnstufe erhöht.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Eine der frühesten Beschreibungen der Felder findet sich in den Aufzeichnungen des römischen Dichters Vergil, der sie in der Aeneis erwähnt.

Während des römischen Bürgerkriegs diente der Lago d’Averno als Standort einer geheimen Schiffswerft, um Kriegsschiffe gegen Sextus Pompeius zu bauen. Der Averner See war vom Meer aus nicht einsehbar, aber hatte über den Lago Lucrino eine Verbindung mit dem Mittelmeer. Erst 36 v. Chr. (nach der Niederlage von Sextus Pompeius) wurde die Werft mitsamt der Flotte in das nahe Misenum verlegt, da zum Verbergen kein Grund mehr bestand.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christof Hug-Fleck: Italiens Vulkane – Vesuv, Campi Flegrei, Stromboli, Vulcano, Ätna. CHF-Verlag 2012, ISBN 978-3-94283805-4.
  • Mathias Döring: In der wundersamsten Gegend der Welt – Die Phlegraeischen Felder am Golf von Neapel. 300 S., 350 Fotos, Reproduktionen, Karten und Skizzen. Parmenios-Verlag 2012, ISBN 978-3-9815362-0-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Paul Kreiner: Der unsichtbare Supervulkan Stuttgarter Zeitung online, 19. Januar 2013, abgerufen am 20. Januar 2013
  2. B. De Vivo, G. Rolandi, P. B. Gans, A. Calvert, W. A. Bohrson, F. J. Spera and H. E. Belkin: New constraints on the pyroclastic eruptive history of the Campanian volcanic Plain (Italy). In: Springer Wien (Hrsg.): Mineralogy and Petrology. 73, Nr. 1-3, 2001, S. p. 47–65. doi:10.1007/s007100170010. Abgerufen am 20. September 2008.
  3. F. Ossing: Eine extrem kurze Umpolung des Erdmagnetfeldes, Klimaschwankungen und ein Supervulkan (Pressemitteilung bei idw)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Phlegräische Felder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

40.82722222222214.134722222222Koordinaten: 40° 49′ 38″ N, 14° 8′ 5″ O