Trachyt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Trachyt
Selters-Trachyt aus Selters (Westerwald)
Algersdorf-Trachyt aus der Lagerstätte bei Valkeřice (Tschechien)
Trachyt im Streckeisendiagramm

Trachyt, abgeleitet vom griechischen Wort τραχύς (trachys) mit der Bedeutung rau, ist ein vulkanisches Gestein. Er wurde zum ersten Mal vom französischen Mineralogen Alexandre Brongniart im Jahr 1813 beschrieben und benannt.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Als Typlokalität dienten Alexandre Brongniart für seine Beschreibung Vulkanite aus der Auvergne. Bei der Abkühlung von Trachyten bildet die entweichende Gasphase winzige, unregelmäßige Hohlräume, die dem Gestein im frischen Bruch dann ein recht raues, zackiges Äußeres verleihen - daher erklärt sich auch Brongniarts Wortschöpfung.

Andere Bezeichnungen für Trachyt, wie z. B. Orthophyr, Orthoporphyr und Orthoklasporphyr, sind veraltet und sollten nicht mehr verwendet werden.

Chemische Zusammensetzung[Bearbeiten]

Chemisch ist Trachyt mit dem Tiefengestein Syenit identisch und stellt dessen an der Erdoberfläche erstarrtes Äquivalent dar. Im QAPF-Klassifikationsdiagramm nach Streckeisen liegt Trachyt in Feld 7. Ist jedoch seine modale Zusammensetzung nicht erkennbar, wird er chemisch durch das TAS-Feld T definiert. Sein SiO2-Gehalt schwankt zwischen 57,6 und 69 Gewichtsprozent und ist geringer als der von Rhyolith. Die Alkalioxide Na2O und K2O betragen mehr als 7 Gewichtsprozent und sind damit höher als im Dacit.

Mineralogischer Aufbau[Bearbeiten]

Trachyt besteht hauptsächlich aus Alkalifeldspat (Sanidin und Orthoklas) und natriumreichem Plagioklas, wobei ersterer überwiegt. Beträgt der Anteil von Alkalifeldspat gegenüber Plagioklas über 90 Volumenprozent, spricht man von einem Alkalifeldspattrachyt (Feld 6 im Streckeisendiagramm). Weiterhin können bis zu 20 % Quarz (Quarztrachyt beziehungsweise Quarz-Alkalifeldspattrachyt) oder bis zu 10 % Minerale der Foidgruppe (Foid-führender Trachyt beziehungsweise Foid-führender Alkalifeldspattrachyt) hinzukommen. Untergeordnet auftretende mafische Bestandteile sind Klinopyroxen, Hornblende, Biotit, Fayalit und andere. Aufgrund des Mineralbestandes ergibt sich eine helle Gesteinsfarbe. Häufig ist porphyrisches Gefüge mit Einsprenglingen der genannten Minerale in einer glasigen oder feinkörnigen Feldspat-Grundmasse zu beobachten. Manche Ausprägungen dieser Art werden als Rhombenporphyr bezeichnet und sind als Bestandteil skandinavischer Geschiebe bekannt.

Trachyt kann aber auch in Form von Obsidian oder als pyroklastisches Gestein (z. B. Bimsstein) auftreten.

Vorkommen[Bearbeiten]

Trachyt ist ein verbreitetes Gestein in zahlreichen Vulkangebieten weltweit. In Deutschland sind insbesondere die Vorkommen im Westerwald und im Siebengebirge zu nennen. Auch am hessischen Vogelsberg ist Trachyt nicht selten. In der Nähe des Hoherodskopf, eines 14 Millionen Jahren alten Vulkanschlots aus Basalt, wurde bei einer Bohrung in über 200 Meter Tiefe eine aus Trachyt bestehende Intrusion identifiziert.[1]

Bereits in römischer Zeit wurde der Trachyt vom Drachenfels abgebaut, im Mittelalter war der Drachenfels-Trachyt der wichtigste Baustein für statisch beanspruchte Bauteile ab dem Siebengebirge rheinabwärts. Im frühen 13. Jahrhundert begann man mit dem Abbau des Trachytes in Wölferlingen für Kloster Marienstatt. Später kamen Abbaue in Selters (Westerwald) (seit etwa 1770) und in Weidenhahn (1848) hinzu. Weiterer Abbauorte liegen in Reimerath bei Mayen in der Eifel. Über die Flüsse wurde der Stein ins Rheinland und bis in die Niederlande verschifft. Die romanischen Kirchen zu Köln wurden damit nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut.

In Europa gibt es relativ wenig Abbauorte: In Italien wird - so weit außerhalb der geschützten Zone des Naturparks - in den Euganeischen Hügeln bei Padua und in Bosa auf Sardinien, in Norwegen bei Modum in der Nähe von Oslo und in Tschechien bei Heřmanov (Hermannsdorf) bei Karlovy Vary Trachyt abgebaut.

Trachyt wird für Kirchenausstattungen, Fassaden, Böden und im Gartenbereich eingesetzt. Er ist frostbeständig und beschränkt polierfähig.

Natursteinsorten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard V. Dietrich, Brian J. Skinner: Die Gesteine und ihre Mineralien. Ein Einführungs- und Bestimmungsbuch. Ott, Thun 1984, ISBN 3-7225-6287-2.
  • Walter Maresch, Olaf Medenbach: Gesteine. Unter Mitarbeit von Hans Dieter Trochim. Herausgegeben von Gunter Steinbach. Neue, bearbeitete Sonderausgabe. Mosaik-Verlag, München 1987, ISBN 3-576-10699-5 (Steinbachs Naturführer).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Forschungsbohrung am Rehberg