Phyllis Schlafly

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Phyllis Schlafly (2007)

Phyllis Schlafly (* 15. August 1924 in St. Louis in Missouri; geboren als Phyllis McAlpine Stewart) ist eine einflussreiche konservative amerikanische Publizistin und politische Aktivistin der Vereinigten Staaten.

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Phyllis Schlafly stammt aus einer Familie ursprünglich schottischer Presbyterianer (sie selbst ist allerdings katholisch). Ihr Vater war Vertreter für Westinghouse und seine Arbeitslosigkeit während der Depressionszeit, in der ihre Mutter die Familie als Lehrerin und Bibliothekarin über Wasser hielt, war für Schlafly prägend. Schlafly besuchte die Washington University in St. Louis und das (mit Harvard verbundene) Radcliffe College, wo sie 1944 ihren M.A. in Politikwissenschaft erlangte. 1978 legte sie außerdem das juristische Examen an der Law School der Washington University in St. Louis ab und ist in Illinois als Anwältin zugelassen.

Politisches Leben[Bearbeiten]

Kampf gegen "ERA"[Bearbeiten]

Schlafly tritt für die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter ein und ist als Gegnerin der Frauenbewegung und des Feminismus bekannt. Sie wurde bekannt für ihre Jahre andauernde Kampagne gegen das "Equal Rights Amendment" (ERA), ein Verfassungszusatz, der die Gleichberechtigung der Geschlechter in der US-Verfassung festgeschrieben hätte. Das Amendment wurde 1971 vom U.S.-Repräsentantenhaus und 1972 vom Senat verabschiedet, wurde aber vor Verstreichen der Frist im Jahr 1982 nicht von den einzelnen Staaten ratifiziert, wobei Schlaflys Aktivitäten als ausschlaggebend gelten.[1] 1972 gründete sie die "STOP ERA"-Bewegung, aus der später das Eagle Forum (und eine zugehörige Denkfabrik in St. Louis) hervorging, eine konservative "Pro-Familien"-Organisation, deren Präsidentin sie noch heute ist. Schlafly sah im Equal Rights Amendment eine Bedrohung für die traditionelle amerikanische Familie und fürchtete um gewisse weibliche "Privilegien", die durch den Zusatz verfassungswidrig würden, z.B. den Ausschluss vom Wehrdienst und den Anspruch auf finanzielle Unterstützung durch den Ehemann. Eine gesetzliche Gleichstellung von Frauen würde diese außerdem dazu zwingen, ihre Mutterrolle, die Schlafly als natürlich und befriedigend ansieht, aufzugeben und erwerbstätig zu werden, was laut Schlafly zu Unglück und Kinderlosigkeit, oder zur Vernachlässigung des Nachwuchses führt. Darüber hinaus behauptet sie, dass durch das Equal Rights Amendment die Homo-Ehe und Schwangerschaftsabbrüche legalisiert würden. Vor allem engagierte sie sich gegen den Waffendienst US-amerikanischer Frauen.[2]

Phyllis Schlafly kann als größte Widersacherin der Ratifizierung des Equal Rights Amendment betrachtet werden. Schlaflys gesellschaftlicher, wie politischer Einfluss gehen auf ihre Tätigkeiten in den 1950er und den 1960er Jahren zurück, in denen sie sich als Rednerin, Autorin und vehemente Gegnerin des Kommunismus, sowie als Antiliberale einen Namen machte. Schlafly galt als eine außerordentlich talentierte Organisatorin und als Stimme des konservativen Amerika. Ferner war sie bekannt als begabte Rhetorikerin, was sie als Kongressabgeordnete 1952 und im Kampf gegen Betty Friedan in den 1970er Jahren unter Beweis stellte. Schlafly war in der Lage mit einer einfachen Sprache weite Teile der Öffentlichkeit zu erreichen, indem sie komplizierte Sachverhalte vereinfachte. Schlaflys Ruf wurde wie folgt beschrieben: „Her opponents [characterize her] as ‘doctrinaire, intolerant and self-righteous.‘ To supporters, […] she was ‘logical, morally passionate‘.“[3]

In einer liberalen Gesellschaft befürchtete Schlafly die Gefahr der Einflussnahme des Kommunismus, da sich in einer offenen Gesellschaft kommunistische Strömungen freier entfalten könnten. Schlaflys Einfluss auf die Gesellschaft und das Equal Rights Amendment war so enorm, dass sie finanzielle Unterstützung seitens Versicherungen und der John Birch Society erhielt. Ihre Position gegen das Equal Rights Amendment bekräftigte Schlafly indem sie Ängste, wie beispielsweise vor der möglichen Einführung gemeinsamer sanitärer Einrichtungen für Männer und Frauen, der Legalisierung von Vergewaltigungen und dem Einzug US-amerikanischer Frauen zum Wehrdienst oder deren Entsendung in Kampfeinsätze, schürte.[4]

Schlafly konnte, mit ihrem Schüren von Ängsten und dank ihrer konservativen Werte, die Unterstützung für das Equal Rights Amendment senken. Auch zeitgenössische Kritiker bezeichneten Schlaflys Argumente als „fear-evoking“ [5] . Während die politische Unterstützung für das Equal Rights Amendment zu Beginn von immerhin schon dreißig der achtunddreißig zur Ratifizierung erforderlichen Bundesstaaten ratifiziert wurde, sank die Geschwindigkeit der Ratifizierung in den verbleibenden acht Jahren. Lediglich weitere fünf Bundesstaaten ratifizierten das Equal Rights Amendment.[6] Die restlichen fünfzehn Bundesstaaten, in denen 1980 überwiegend Demokraten die Mehrheit stellten, ratifizierten das Equal Rights Amendment bis 1982 nicht.

Ihr Kampf gegen den Waffendienst der Frauen[Bearbeiten]

Für die Konservative Schlafly war die Möglichkeit einer Registrierung von Frauen zum Wehrdienst undenkbar und so gelang es ihr viele Frauen gegen das Equal Rights Amendment und gegen die mögliche Registrierungspflicht im Rahmen des Military Service Selective Act für den Wehrdienst US-amerikanischer Frauen zu organisieren; selbst Kinder wurden zu Demonstrationen geführt, um mit Schildern offenkundig den Staat und die Öffentlichkeit aufzufordern, ihre Mütter nicht in den Krieg zu entsenden.[7]

Die Einbeziehung Minderjähriger offenbarte die Entschlossenheit der STOP-ERA-Bewegung mit allen Mitteln die Ratifizierung des Equal Rights Amendment und die damit verbundene Möglichkeit der allgemeinen Wehrpflicht US-amerikanischer Frauen zu verhindern. Für Schlafly stand fest, dass eine mögliche Registrierung US-amerikanischer Frauen nur der Anfang wäre und weiterführend den Einzug zum Wehrdienst oder gar die Entsendung in Kriegseinsätze zur Folge hätte. Schlafly kämpfte bereits vor Präsident Carters Entscheidung zur Reaktivierung der Registrierungspflicht für den Wehrdienst gegen den möglichen Kampfeinsatz von Frauen, jedoch missachtete Schlafly den eigentlichen Sinn des Gesetzes, der lediglich die Registrierung vorsah, nicht aber die Reaktivierung der Wehrpflicht oder gar eine Änderung der Karrierechancen für Frauen auf freiwilliger Basis.

Das starke Engagement Schlaflys in Bezug auf einen möglichen Waffendienst für Frauen zeigte Schlafly mit ihrer Aussage „It becomes that much more important to defeat E.R.A. to keep women out of combat“[8] feststellen. Dies ist ein eindeutiger Beleg für die Instrumentalisierung des Themas eines möglichen Waffendienstes für Frauen in Bezug auf das Equal Rights Amendment.

Weitere Positionen[Bearbeiten]

1952 kandidierte sie das erste Mal (erfolglos) als Republikanerin für den Kongress. 1964 erregte ihr Eintreten für den konservativen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner Barry Goldwater in ihrem Buch A Choice, not an Echo große Aufmerksamkeit, in dem sie gegen die (ihrer Ansicht nach zu liberalen) „Rockefeller-Republikaner“ der Nordostküste polemisierte. In den 1960er Jahren führte sie außerdem Kampagnen gegen Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion. Darüber hinaus befürwortet sie isolationistische Tendenzen der USA und spricht sich gegen die Vereinten Nationen und die Verwicklung der USA in internationale „Polizeiaktionen“ wie in Bosnien aus. Sie ist eine Gegnerin der Welthandelsorganisation (WTO), die sie in ihren Augen für die USA schädliche Globalisierungstendenzen verantwortlich macht. Außerdem führte sie eine Kampagne gegen einige Richter des Obersten Gerichtshofs der USA (The Suprematists- the tyranny of judges and how to stop them, 2004).

Seit 1967 gibt sie den monatlichen Phyllis Schlafly Report heraus. Ihre Kolumnen erscheinen regelmäßig in etwa 100 Zeitungen in den USA. Sie ist regelmäßige Radiokommentatorin und kommentierte 1974/5 bei CBS Morning News und 1980 bis 1983 bei CNN regelmäßig im Fernsehen.

Privates[Bearbeiten]

Von 1949 bis zu dessen Tod 1993 war sie mit dem Anwalt John Fred Schlafly jr. verheiratet, mit dem sie sechs Kinder hat. Ihr Sohn Andrew Schlafly ist Gründer des rechten wikis Conservapedia.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Felsenthal, Carol (1981). The Sweetheart of the Silent Majority: The Biography of Phyllis Schlafly. New York: Doubleday. S. 258ff.
  2. Vgl. Sara M. Evans, Born for Liberty: A History of Women in America, New York 1997, 304.
  3. Phyllis Schlafly’s Crusade, in: Reviews in American History 34, Nr. 4 (2006), 565-72.
  4. Donald T. Chritchlow, Phyllis Schlafly And Grassroots Conservatism: A Women’s Crusade, 567.
  5. Vgl. A Giant Step Toward Equality?: Registration may brighten the prospects for ERA, in: The New Republic, Nr. 182, 1. März 1980, 18.
  6. ushistory.org, The Equal Rights Amendment, in: U.S. History Online Textbook, online: http://www.ushistory.org/us/57c.asp.(18.04.2013).
  7. Vgl. Sara M. Evans, Born for Liberty: A History of Women in America, New York 1997, 304.
  8. Rights Proposal Debate Goes On: E.R.A. Needed, Mrs. Mitgang Says Adequacy of Defense Disputed, in: New York Times, 20. Juli 1980, 29.