Frauenbewegung
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Die Frauenbewegung ist eine globale soziale Bewegung, die sich für die Rechte von Frauen einsetzt.
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[Bearbeiten] Weltanschauliche Grundlagen
Erste Ansätze einer Frauenrechtsbewegung entstanden im Zeitalter der Aufklärung gleichzeitig mit dem Beginn bürgerlicher Emanzipationsbestrebungen. Grundgedanke war die Gleichheit aller Menschen, wie sie beispielsweise im Laufe der französischen Revolution proklamiert wurde. So forderte Olympe de Gouges mit ihrer Déclaration des droits de la Femme et de la Citoyenne (Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin) bereits 1791, also kurz nach der Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte (1789), dieselben Rechte und Pflichten für Frauen ein. Denn Formulierungen von Menschen- und Bürgerrechten galten zu diesem Zeitpunkt nur für Männer.
In Bezug auf das Verhältnis zwischen den Geschlechtern kristallisierten sich bereits sehr früh zwei grundlegend verschiedene Auffassungen heraus: eine dualistische bzw. differenzialistische und eine generalistische bzw. egalitäre Sichtweise. Erstere ging von einer grundlegenden, natürlich oder durch die neuen Wissenschaften begründeten „Verschiedenheit der Geschlechter“ aus.
Der egalitäre Ansatz basierte auf den Ideen der Aufklärung. Danach waren alle Menschen „von Natur aus gleich“, woraus die Forderung nach der Gleichstellung der Geschlechter in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft abgeleitet wurde.
[Bearbeiten] Moderne Frauenrechtsbewegung
- Die erste Welle der modernen Frauenbewegung oder Frauenrechtsbewegung (Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts) kämpfte für die grundsätzlichen politischen und bürgerlichen Rechte der Frauen wie z. B. das Frauenwahlrecht, das in Deutschland im November 1918 rechtlich verankert wurde, das Recht auf Erwerbstätigkeit, das Recht auf Bildung und für eine Gesellschaft auf neuer sittlicher Grundlage.
- Die zweite Welle der Frauenbewegung (seit den 1960er Jahren) entstand im Rahmen der Neuen Linken, als Kritik an der auch dort massiven Diskriminierung von Frauen, besonders von Müttern. Wegen ihrer Kritik an allen bisherigen Formen organisierter Politik verstanden sich zumindest große Teile der zweiten Phase als autonome Frauenbewegung. Diese zweite Welle wird oft als Teil der neuen sozialen Bewegungen verstanden. Sinnvollerweise betrachtet man aber die Frauenbewegung der letzten beiden Jahrhunderte in einem Zusammenhang und unterscheidet sie nach Phasen oder Wellen.
- In den 1990er Jahren zeichnete sich vor allem in den USA eine dritte Welle (Third-wave feminism) der Frauenbewegung ab, die die Ideen der zweiten Welle in modifizierter Form fortsetzt. Neue Aspekte sind vor allem eine globalere, weniger ethnozentristische Sichtweise, die Betonung der Notwendigkeit, dass auch Männlichkeit ein nach Zeiten und Regionen unterschiedliches Konstrukt ist, das kritisch hinterfragt werden muss. Unter dem Begriff des Gender Mainstreaming verabredeten 1995 auf der 4. UN-Weltfrauenkonferenz die dort versammelten Regierungen inkl. des Vatikan den kleinsten Reformkompromiss auf den sie sich einigen konnten, als eine Top-Down Strategie, die Frauen-, aber auch Lesben- und Schwulenbewegungen unterstützen soll.
Frauenrechtlerin ist nicht nur Bezeichnung für eine Mitstreiterin der älteren Frauenbewegung (1848–1933), sondern ist auch heute noch gebräuchlich[1]. Für Angehörige der neuen Frauenbewegung seit den 1960er Jahren wird jedoch eher die Bezeichnung Feministin verwendet.
[Bearbeiten] Die erste Welle der Frauenbewegung
Im Zuge der Französischen Revolution wurde auch die Gleichheit zwischen Mann und Frau zum Thema gemacht. Zuerst vor allem in den Salons Europas, aber während des Vormärz auch bei den Altkatholikinnen. Auf diese intellektuellen Zirkel bezog sich die abfällige Bezeichnung Blaustrumpf.
Die erste Welle der Frauenbewegung in den USA entstand im Zuge der Anti-Sklaverei-Bewegung. Unter den Abolitionisten befanden sich auch viele, oft religiös motivierte, Frauen. Sie erkannten, dass nicht nur die Rechte der Afroamerikaner, sondern auch die der Frauen nicht den Bürgerrechten anglo-amerikanischer Männer entsprach. So wurde 1848 die „Seneca Falls Declaration“ beschlossen, die sich bewusst an der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung orientierte und vor allem das Wahlrecht für Frauen und eine Reform des Ehe- und Besitzrechtes forderte.
Die Mitglieder der ersten Frauenbewegung wurden Frauenrechtlerinnen genannt. Da eines ihrer Hauptziele das Frauenwahlrecht war, wurden sie auch (häufig abwertend) als Suffragetten (suffrage – engl. Wahlrecht, von latein. suffragium – Abstimmung) bezeichnet.
Die wichtigsten angestrebten Ziele der ersten Welle waren:
- Recht auf Erwerbsarbeit
- Recht auf Bildung, siehe Frauenstudium
- Recht auf aktives und passives politisches Handeln, siehe Frauenwahlrecht
- eine Gesellschaft auf neuer sittlicher Grundlage
Die früher vorgenommene Unterscheidung zwischen bürgerlich-gemäßigter Frauenbewegung um Helene Lange und Gertrud Bäumer, bürgerlich-radikaler Frauenbewegung um Minna Cauer und Anita Augspurg und sozialistischer Frauenbewegung um Clara Zetkin wird heute aus sachlichen Gründen und wegen vielfältiger Überschneidungen in Einzelfragen, nicht mehr aufrechterhalten. Sinnvoller ist es, Schwerpunkte des Engagements zu unterscheiden. Vor allem der bürgerlich-radikale Flügel strebte das Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene und das Recht auf Zugang zu den Universitäten an, teilweise auch gemeinsam mit den Sozialistinnen. Der bürgerlich-gemäßigte Flügel trat vorrangig zunächst für das Kommunalwahlrecht und für eine Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten für Frauen sowie für die Anerkennung der Erwerbsarbeit von Frauen ein, oft mit Blick auf besonders benachteiligte Berufsgruppen (Dienstboten, Schauspielerinnen). Allen Flügeln gemeinsam ging es um die Umgestaltung der Gesellschaft auf neuer sittlicher Grundlage.
[Bearbeiten] Die zweite Welle der Frauenbewegung
Der Auslöser der zweiten Welle der Frauenbewegung war ein allgemeiner gesellschaftlicher Umbruch und Wertewandel seit den 1950er Jahren. In Deutschland wie in den USA wurde sie im Zuge der Neuen Linken im Rahmen des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, SDS, Studentenbewegung zur sozialen Bewegung. In den USA wurden die Frauen durch die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner und die Massenbewegung gegen den Vietnamkrieg inspiriert, sich auch wieder stärker für die Lösung ihrer eigenen Probleme zu engagieren.
Die besonderen Merkmale dieser Frauenbewegung waren
- an den Protestformen der anderen sozialen Bewegungen orientierte spektakuläre Aktionsformen inklusive Akte des bürgerlichen Ungehorsams
- „Consciousness Raising“, aus China und Vietnam übernommenes „Sprechen über Schmerzen, um Schmerzen zu erinnern“, das heißt der Austausch von zunächst individuell erlebten Problemen, die daraus gewonnene Erkenntnis, dass diese weit verbreitet sind und also Fragen nach den Ursachen und Lösungsmöglichkeiten hervorruft
- Analyse der Ursachen des als Diskriminierung und Gewalt erfahrenen Unrechts.
- Themen wie Schwangerschaftsabbruch (Schlagwort: „Mein Bauch gehört mir“), Sexualität, Missbrauch
Schon der Aktionsrat zur Befreiung der Frau formulierte 1968 weniger „Frauenprobleme“ als Kritik an der auch von der Neuen Linken nicht in Frage gestellten hierarchischen Geschlechterordnung und leitete daraus die temporär notwendige Selbstorganisation der Frauen ab. Daraus entstand die „autonome“ Frauenbewegung. Der hier benutzte Begriff der Autonomie war nicht identisch mit dem der anarchistischen Bewegung. Vielmehr meinte er im geteilten Deutschland (und in Absetzung vom „Sozialistischen Frauenbund“) die Unabhängigkeit von allen Formen traditioneller und neuer linker Politik.
Als Reaktion auf die Frauenbewegung entwickelte sich ab den späten 1960er Jahren eine Männerbewegung. Diese trägt heute teilweise reaktionäre Züge, da sie den Feminismus als Feindbild betrachtet und Teil des konservativen „Backlash“ der 1980er Jahre ist. Es gibt jedoch seit den 1960er Jahren auch Männergruppen, die versuchen, ein neues Selbstverständnis zu finden, das Erkenntnisse der Geschlechter- und Männerforschung aufnimmt. Der Schwäche der kritischen Männerbewegung in Deutschland geschuldet, entwickelte sich hier die Männerforschung und die praktische Jungenarbeit mit großer Verspätung.
[Bearbeiten] Die dritte Welle der Frauenbewegung
In den 1990er Jahren entwickelte sich in den USA eine dritte Welle der Frauenbewegung. Sie war vor allem eine Reaktion auf einen populären Antifeminismus und auf die Ansicht, dass Feminismus obsolet sei, weil er alle Ziele erreicht hätte.
Die dritte Welle des Feminismus orientiert sich sehr stark an den Zielen der zweiten Phase, die sie auch heute noch nicht verwirklicht sieht. Angebliche oder tatsächliche Fehler von Teilen der zweiten Welle, wie z. B. Ethnozentrismus und (teilweiser) Ausschluss der Männer sollen korrigiert und der Feminismus den aktuellen gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst werden. Darüber hinaus geht es um das Infragestellen problematischer Identitätskonzepte, von Geschlechtsidentität und Sexualität.
Es ist vor allem ein Generationenwechsel. Feminismus hatte unter der jungen Generation einen schlechten Ruf, galt als hausbacken und „uncool“. Andererseits sehen viele junge Frauen eine Gleichberechtigung der Geschlechter noch keineswegs verwirklicht. So entstanden u. a. die Riot Grrrls in den USA aus einem Punk-Kontext. Elemente der Riot Grrrl-Bewegung wurden auch in Deutschland aufgegriffen. Die jungen Feministinnen der dritten Welle arbeiten vor allem mit dem Internet und zielorientiert in Projekten und Netzwerken mit feministischer Ausrichtung, z. B. in der Third Wave Foundation (USA).
[Bearbeiten] Literatur
Allgemein
- Peggy Antrobus: The global women's movement – Origins, issues and strategies, London, Zed Books 2004.
- Antoinette Burton: History is Now: feminist theory and the production of historical feminisms, Women's History Review, Volume 1, Number 1, March 1992, S. 25–39 – die Konstruktion der Geschichte(n) des Feminismus.
- Stefanie Ehmsen: Der Marsch der Frauenbewegung durch die Institutionen: Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik im Vergleich (Broschiert), Münster: Westfälisches Dampfboot, 2008.
- Ute Planert (Hrsg.); Nation, Politik und Geschlecht. Frauenbewegungen und Nationalismus in der Moderne, Campus 2000, ISBN 3-593-36578-2.
- Hannelore Schröder: Widerspenstige – Rebellinnen – Suffragetten. Feministischer Aufbruch in England und Deutschland. ein-FACH-verlag, Aachen, 2001.
- Reimar Oltmanns: Vive la Francaise! Die stille Revolution der Frauen in Frankreich. Rasch und Röhring Hamburg, 1995, ISBN 3-89136-523-3.
Zum Third-Wave-Feminismus
- Jennifer Baumgardner, Amy Richards: Manifesta: Young Women, Feminism, and the Future, Farrar, Straus and Giroux 2000, ISBN 0-374-52622-2 (engl., über die Dritte Welle in den USA mit historischem Rückblick).
- Jennifer Baumgardner, Amy Richards, Winona LaDuke: Grassroots: A Field Guide for Feminist Activism, Farrar, Straus and Giroux 2005), ISBN 0-374-52865-9 (engl.)
- Leslie Heywood, Jennifer Drake (Editoren): Third Wave Agenda: Being Feminist, Doing Feminism, University of Minnesota Press 1997), ISBN 0-8166-3005-4 (engl.)
[Bearbeiten] Weblinks
- www.addf-kassel.de Archiv der Deutschen Frauenbewegung in Kassel
- Bibliothek und Archiv des Frauenforschungs-, -bildungs- und -informationszentrums (FFBIZ)
- FrauenMediaTurm (FMT), Informationszentrum zur Geschichte der Emanzipation
- www.onb.ac.at/ariadne Online-Projekt über die österreichische Frauenbewegung
- www.frauenkommission.ch Geschichte der Frauenbewegung in der Schweiz
- www.hhi-bremen.de Forschung und Publikationen zur Geschichte der Frauenbewegung, der Frauenbildung, Sozialpolitik und der Geschichte jüdischer Wissenschaftlerinnen
- Frauenbewegung/Genderpolitik Volltexte in der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn
- The „Second Wave“ and Beyond: Primary Sources of the Women's Movement (1960 to the present)
[Bearbeiten] Quellen und Anmerkungen
- ↑ Begriff „Frauenrechtlerin“ in der Gegenwart: tagesschau.de 29. November 2006 – taz.de 26. September 2006 – tagesspiegel.de 3. September 2006 – PR Newswire 4. Januar 2006