Amerikanische Kermesbeere

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Amerikanische Kermesbeere
Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana)

Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Kermesbeerengewächse (Phytolaccaceae)
Unterfamilie: Phytolaccoideae
Gattung: Kermesbeeren (Phytolacca)
Art: Amerikanische Kermesbeere
Wissenschaftlicher Name
Phytolacca americana
L.
Früchte
Blüten

Die Amerikanische Kermesbeere[1] (Phytolacca americana), auch Amerika-Kermesbeere[2] und Zehnmännige Kermesbeere[2] genannt, ist eine ausdauernde Staude aus der Gattung der Kermesbeeren. Sie erreicht eine Wuchshöhe von bis zu drei Metern und fällt durch ihre in Trauben angeordneten schwarz-purpurfarbenen Beeren auf. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art befindet sich in Nordamerika, sie wurde jedoch in Gebieten Europas und Asiens eingebürgert. In Gebieten Süddeutschlands ist sie auf dem Weg, sich als invasive Art massiv zu verbreiten (Stand 2013).[3] Durch Phenole, die sie auch über die Wurzeln im Boden verbreitet, ist sie in der Lage, andere Arten am Keimen zu hindern, sodass auch eine Gefahr für die natürliche Erneuerung von Wäldern gesehen wird.[4]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Amerikanische Kermesbeere ist eine ausdauernde Staude, die eine Wuchshöhe von einem bis drei Metern erreicht. Ihr kräftiger und gefurchter Stängel wächst aufrecht, die Basis kann etwas verholzen. Die Äste sind oft purpurn und gabelig verzweigt. Die Blätter sind wechselständig angeordnet und gestielt. Die Blattspreite ist eiförmig-lanzettlich und von matt-grüner Farbe. Als Blütenstände und Fruchtstände werden mehr oder weniger bogig überhängende bis hängende Trauben gebildet. Die zwittrigen Einzelblüten haben fünf breit-eiförmige Hüllblätter von grünlicher bis blass-rosa Farbe, zehn Fruchtblätter und zehn Staubblätter. Blütezeit ist von Juli bis September. Die unreifen Früchte sind abgeplattet kugelig und zehnfach gefurcht, die reifen Früchte sind schwarz-purpurfarbene, kugelige, glatte und ungefurchte Beeren.[5]

Verbreitung und Standortansprüche[Bearbeiten]

Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Süden der Vereinigten Staaten bis in den Osten Kanadas.[6] In Mitteleuropa kommt sie als Kulturpflanze vor, nur in südlichen Weinbaugebieten auch verwildert. Im südlichen Europa und in Gebieten Asiens ist sie verwildert.[7] In Österreich tritt die Art in der Südsteiermark zerstreut und lokal eingebürgert auf. In Wien, Niederösterreich, dem Burgenland, Kärnten, Salzburg und Nordtirol sind nur seltene und unbeständige Vorkommen bekannt.[5]

Die Amerikanische Kermesbeere ist eine Wärme liebende, wenig frostharte aber sonst anspruchslose Pflanze, die in direkter Sonne und im Halbschatten gedeiht.[8]

Systematik[Bearbeiten]

Es werden zumindest zwei Varietäten unterschieden:[9]

  • Phytolacca americana var. americana
  • Phytolacca americana var. rigida

Verwendung[Bearbeiten]

Rohe oder nicht fertig gekochte Pflanzenteile sind giftig, da sie stark schleimhautreizende Saponine und giftige Lektine enthalten. Der Verzehr führt zu Erbrechen, blutigen Durchfällen, Schwindel und Blutdruckabfall. In schweren Fällen treten Krämpfe auf, die zum Tod durch Atemlähmung führen können.[8]

Die Beeren wurden jedoch früher in Frankreich, Spanien und Portugal zum Färben von Rotwein verwendet. Der rote Fruchtsaft wurde zum Färben von Zuckerfarben, als nicht sehr lichtechter Textilfarbstoff und als wenig permanente Tinte benützt. Der Farbstoff Betacyan ähnelt dem der Roten Bete. Gekochte junge Schösslinge und Blätter wurden früher ähnlich wie Spargel und Spinat gegessen, und abgekochte Früchte als Küchenzutat verwendet. Aus dem Wurzelstock kann Seife gewonnen werden. In Nordamerika wurde Phytolacca americana auch als Brech- und Abführmittel eingesetzt. Sie wurde gegen Rheuma, andere Autoimmunerkrankungen, Drüsenschwellungen, Ulkus, Bronchitis und Krebs eingesetzt. Die getrockneten Wurzeln und Beeren haben schmerzstillende, entzündungshemmende, antirheumatische, auswurffördernde und narkotisierende Wirkung. Die Anwendung im Bereich der antiviralen Therapie bei Grippe, Polio und HIV-Infektion wird erforscht (Stand 2000). In der Homöopathie wird sie als Mittel gegen Mandel- und Gelenksentzündungen und gegen grippale Infekte eingesetzt.[8]

Nachweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Becker, Stefan John: Farbatlas Nutzpflanzen in Mitteleuropa. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 2000, ISBN 3-8001-4134-5. S. 88
  •  Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 367–368.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutscher Name nach Becker, John: Farbatlas Nutzpflanzen in Mitteleuropa, S. 88
  2. a b Deutsche Namen nach Fischer, Oswald, Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, S. 368
  3. Deutschlandfunk, Sendung Forschung Aktuell am 11. Oktober 2013, 16:40 Uhr, Beitrag zur Kermesbeere, .
  4. Deutschlandfunk, Sendung Forschung Aktuell am 11. Oktober 2013, 16:40 Uhr, Beitrag zur Kermesbeere, .
  5. a b Fischer, Oswald, Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, S. 367–368
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPhytolacca americana. In: Germplasm Resources Information Network. USDA, ARS, National Genetic Resources Program, abgerufen am 30. Mai 2009 (englisch).
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPhytolacca americana. In: Flora of China, Volume 5. S. 436, abgerufen am 30. Mai 2009 (englisch).
  8. a b c Becker, John: Farbatlas Nutzpflanzen in Mitteleuropa, S. 88
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPhytolacca americana. In: Flora of North America, Volume 4. Abgerufen am 30. Mai 2009 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Amerikanische Kermesbeere – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien