Popol Vuh (Band)

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Popol Vuh war eine deutsche Krautrock-Formation, die von 1970 bis 2001 bestand.

Geschichte[Bearbeiten]

Die nach dem Popol Vuh, einem zentralen Schriftstück der Maya-Kultur zur Schöpfungsgeschichte der Welt, benannte Gruppe wurde 1970 von Florian Fricke gegründet.

Stilistisch werden Popol Vuh dem Krautrock zugerechnet. Ihr Musikstil ist jedoch sehr originär und verbindet Rock mit elektronischer New-Age-Musik und spirituellen Elementen. Auf Grund des Einsatzes von verschiedenster Percussion, exotischen Instrumenten wie der Sitar, den internationalen Sängerinnen sowie Florian Frickes Affinität zu Yoga, Spiritualität und fernöstlicher Kultur kann man Popol Vuh im weitesten Sinne auch der Worldmusic zuordnen. Die Band selbst hat sich stets bemüht, sich der Genre-Zuordnung zu entziehen und ihre Musik ausschließlich mit Fantasiebegriffen wie Magic Music, Love Music, Cosmic Space Rock u. ä. bezeichnet.

Gründungsmitglied Fricke zählt zu den Pionieren der damaligen Elektronikmusiker. Die Besetzung der Band wechselte im Lauf der Zeit kontinuierlich. Bereits seit Beginn dabei war Frank Fiedler. Später sollte Daniel Fichelscher (Amon Düül II) als langjähriges Mitglied dazustoßen. Ein bedeutendes und bekanntes zeitweiliges Mitglied der Band war Klaus Wiese.

Die Band wurde zunächst von Liberty Records unter Vertrag genommen, wo man sich in Gesellschaft von Amon Düül und Can befand, und wo noch im Gründungsjahr 1970 die von Gerhard Augustin produzierte Debüt-LP Affenstunde vorgelegt wurde. Die ersten beiden Alben von Popol Vuh sind geprägt durch den Klang des legendären Moog III-Synthesizers, der später an Klaus Schulze abgetreten wurde. Das zweite Album In den Gärten Pharaohs erschien 1971 auf Rolf-Ulrich Kaisers Pilz-Label und ist zur Hälfte live in einer Kirche eingespielt. Beim dritten Album Hosianna Mantra (1972) stießen Conny Veit und die koreanische Sängerin Djong Yun zur Stammbesetzung. Yun sollte auch wieder auf dem übernächsten Album Einsjäger & Siebenjäger 1975 zu hören sein.

Die 1970er-Jahre gelten als produktivste Phase von Popol Vuh. Neben Studioalben und seltenen Live-Auftritten wurde die Band durch ihre Zusammenarbeit mit dem Regisseur Werner Herzog bekannt, für dessen Filme wie Aguirre, der Zorn Gottes, Nosferatu - Phantom der Nacht oder Fitzcarraldo sie die Soundtracks schuf. Kennzeichnend für Aufnahmen aus dieser Zeit ist die Verwendung des Mellotrons. Dieses Vorläuferinstrument späterer Sampler ermöglichte es, Chorstimmen oder Orchesterklänge in den Klang der Band zu integrieren.

Der erste Auftritt im Ausland fand 1976 in Mailand statt. Ab 1978 arbeitete Popol Vuh zeitweilig wieder mit Gerhard Augustin zusammen, der weitere Alben und Soundtracks der Band produzierte. Ab 1983 trat Popol Vuh in den Schatten des auf zahlreichen Weltreisen stattfindenden Filmschaffens von Fricke und Fiedler. Alben erschienen nun weniger häufig als in den 70er-Jahren, dennoch regelmäßig (siehe Diskografie).

Mitte der 1990er-Jahre meldeten sich Popol Vuh mit City Raga (unter Verwendung von Stimmaufnahmen der Atemtherapeutin Maya Rose) zurück. In die Arbeit der 1990er-Jahre flossen nun auch aktuelle Musikströmungen aus dem Techno-Bereich mit ein. Neben Fricke und Fiedler war mittlerweile auch Guido Hieronymus zu einem festen Mitglied der Band geworden. 1999 erschien das letzte Album Messo di Orfeo.

Mit dem frühen Tod von Florian Fricke im Jahr 2001 ging auch die Geschichte von Popol Vuh zu Ende.

Diskografie[Bearbeiten]

  • Affenstunde (1970)
  • In den Gärten Pharaos (1972)
  • Hosianna Mantra (1972)
  • Seligpreisung (1973)
  • Einsjäger & Siebenjäger (1975)
  • Das Hohelied Salomos (1975)
  • Aguirre (1975)
  • Letzte Tage - letzte Nächte (1976)
  • Yoga (1976)
  • Singet, denn der Gesang vertreibt die Wölfe - Cœur de verre (1977)
  • Brüder des Schattens, Söhne des Lichts - Nosferatu (1978)
  • Die Nacht der Seele - Tantric Songs (1979)
  • Sei still, wisse ICH BIN (1981)
  • Fitzcarraldo (1982)
  • Agape Agape - Love Love (1983)
  • Spirit Of Peace (1985)
  • Cobra Verde (1987)
  • For You and Me (1991)
  • City Raga (1994)
  • Shepherd's Symphony (1997)
  • Messa di Orfeo (1999)

Kompilationen:

  • Florian Fricke (1991)
  • The Best Soundtracks From Werner Herzog Films (1991)
  • Florian Fricke Plays Mozart (1992)
  • Sing, For Song Drives Away The Wolves (1993)
  • Movie Music (1994)
  • Nicht hoch im Himmel (1998)
  • Future Sound Experience (2002)
  • Popol Vuh, Revisited & Remixed, (2011), 2 CD SPV 693723704425[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kiffen auf dem Flokati in: FAZ vom 6. August 2011, Seite 37