Veruschka Gräfin von Lehndorff

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Veruschka Gräfin von Lehndorff, 2011

Vera Gottliebe Anna Gräfin von Lehndorff (* 14. Mai 1939 in Königsberg) ist eine deutsche Schauspielerin, Fotomodell, Malerin und Fotografin.

Leben[Bearbeiten]

Vera von Lehndorff wurde in das ostpreußische Adelsgeschlecht Lehndorff geboren. Ihr Vater, Heinrich Graf von Lehndorff-Steinort, wurde 1944 wegen seiner Teilnahme an der Verschwörung des 20. Juli 1944 gegen Adolf Hitler hingerichtet, ihre Mutter kam in ein Arbeitslager. Vera und ihre beiden Schwestern Nona und Gabriele kamen für einige Monate in ein SS-Kinderheim im Borntal in Bad Sachsa.

Nach dem Krieg wuchs sie mit ihrer Mutter und drei Schwestern in Flüchtlingslagern und der Obhut von Bekannten auf. Durch die vielen Ortswechsel besuchte sie verschiedenste Schulen, darunter auch 1952 die Waldorfschule in Schloss Hamborn[1]. Sie begann ein Design-Studium, das sie nach zwei Jahren abbrach, um sich in Italien ganz dem Malen zu widmen. In den 1960er-Jahren entdeckte man die hochgewachsene von Lehndorff (1,83 m) bei einem Aufenthalt in Florenz als Fotomodell. Von Lehndorff legte sich das Pseudonym Veruschka zu, vermarktete sich so als Kunstfigur und wurde das erste deutsche „Supermodel“.

Veruschkas Filmdebüt in Michelangelo Antonionis Kultfilm Blow Up (1966) blieb ihr bekanntester Auftritt auf der Leinwand. Es folgten noch einige Rollen in europäischen Produktionen. 1983 trat sie in dem deutschen Dokumentarfilm Vom Zusehen beim Sterben auf, der dazu beitrug, die Öffentlichkeit auf das Schicksal der vietnamesischen Boatpeople aufmerksam zu machen. Sie spielte die Hauptrolle in Ulrike Ottingers Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse.

1971 beteiligte sie sich an der von Alice Schwarzer initiierten Medienaktion „Wir haben abgetrieben!“.

Vera von Lehndorff ist auch, in konzeptueller und ausführender Zusammenarbeit mit dem Künstler (Zeichner, Bildhauer, Videasten und Fotografen) Holger Trülzsch, eine Pionierin der Körperbemalung sowie anderer Inszenierungen und künstlerischer Verfremdungen des eigenen Körpers. Sie arbeitet heute als Malerin. 2004 drehte der durch seine Zusammenarbeit mit Andy Warhol bekannt gewordene Regisseur Paul Morrissey einen Dokumentarfilm über sie (Veruschka – A Life For the Camera).

Seit Juni 2006 zeigt die Helmut-Newton-Stiftung im Berliner Museum für Fotografie die Ausstellung Veruschka Self-Portraits. Die dort gezeigten Selbstporträts entstanden unter Zusammenarbeit mit dem Fotografen Andreas Hubertus Ilse. Ebenfalls 2006 hatte von Lehndorff einen Cameo-Auftritt in dem James-Bond-Film Casino Royale. 2007 war sie in der ARD-Dokumentation Die Flucht der Frauen (Regie: Christian Wagner) zu sehen, in der sie über ihre Erlebnisse auf der Flucht aus Ostpreußen berichtete.

Zuletzt machte von Lehndorff bei der London Fashion Week im September 2010 auf sich aufmerksam, wo sie für den Modedesigner Giles Deacon als Model auftrat, unter anderem mit der Absicht, auf die Misshandlung von Tieren innerhalb der Modeindustrie aufmerksam zu machen. Blixa Bargeld und Alva Noto verwendeten im selben Jahr das Bild Wall Street Spider – eines der Veruschka Self-Portraits – als Titelbild für ihr gemeinsames Album Mimikry, auf dem Veruschka selbst auch bei zwei Stücken zu hören ist.

2010 erschien das Buch Doppelleben: Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Widerstand gegen Hitler und von Ribbentrop von Antje Vollmer über ihre Eltern. 2011 veröffentlichte Vera von Lehndorff ihre Autobiografie.[2][3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Autobiografie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Veruschka Gräfin von Lehndorff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biografie, S.67, 68 ff
  2. Veruschka: Mein Leben, TV-Beitrag in Kulturzeit vom 12. Oktober 2011
  3. Mannequin aus Notwehr. In: Tages-Anzeiger vom 27. Oktober 2011