Stielporlinge

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Stielporlinge
Sklerotien-Stielporling (Polyporus tuberaster)

Sklerotien-Stielporling (Polyporus tuberaster)

Systematik
Unterabteilung: Agaricomycotina
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Stielporlingsartige (Polyporales)
Familie: Stielporlingsverwandte (Polyporaceae)
Gattung: Stielporlinge
Wissenschaftlicher Name
Polyporus
P. Micheli ex Adans. : Fr.

Die Stielporlinge oder eigentlichen Porlinge (Polyporus) sind eine Gattung aus der Familie der Stielporlingsverwandten (Polyporaceae).

Die Typusart ist der Sklerotien-Stielporling (Polyporus tuberaster).

Merkmale[Bearbeiten]

Die Arten der Gattung Polyporus (aus dem Griechischen "mit vielen Poren") bilden in der Regel einjährige, seltener überwinternde oder mehrjährige Fruchtkörper, die meist deutlich gestielt und hutförmig sind, nur einige wenige Arten bilden breit ansitzende Fruchtkörper aus. Wenn ein Stiel vorhanden ist, sitzt dieser meist zentral, seltener werden exzentrische oder seitliche Stiele ausgebildet. Die Trama der Porlinge ist frisch fleischig und wird beim Trocknen zäh oder holzig. Charakteristisch und namensgebend ist die poren- oder wabenartige, weiße bis cremefarbene Unterseite. Die Hutoberfläche ist hell- bis dunkelbraun, bei älteren Fruchtkörpern auch purpurbraun. Sie kann filzig behaart oder mit Schuppen bedeckt sein, bei älteren Exemplaren ist sie meist glatt. Das Sporenpulver ist weiß bis cremefarben. Einige Arten bilden sogenannte Sklerotien oder „Pilzsteine“ aus.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Arten der Gattung leben als Saprobionten auf diversen Hölzern, aber auch auf Steppengras (Polyporus rhizopilus), und erzeugen im befallenen Holz eine Weißfäule. Einige Arten können als Schwächeparasiten zusätzlich lebende Bäume besiedeln.

Arten[Bearbeiten]

Die Gattung umfasst weltweit 26 Arten.[1] In Europa kommen 18 Taxa vor bzw. sind dort zu erwarten.[2]

Stielporlinge (Polyporus) in Europa
Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Polyporus admirabilis Peck 1899
Waben-Stielporling Polyporus alveolaris
beschrieben als "alveolarius"
(De Candolle 1815 : Fries 1821) Bondartsev & Singer 1941
Weitlöcheriger oder Borstrandiger Stielporling Polyporus arcularius (Batsch 1783 : Fries 1821) Fries 1821
Kastanienbrauner oder Schwarzroter Stielporling Polyporus badius (Persoon 1801) Schweinitz 1832
Winter-Stielporling Polyporus brumalis (Persoon 1794 : Fries 1821) Fries 1818
Mai- oder Sommer-Stielporling Polyporus ciliatus Fries 1815 : Fries 1821
Hasel-Stielporling Polyporus corylinus Mauri 1832
Polyporus hygrocybe M. Pieri & B. Rivoire 2005
Löwengelber oder Pfennig-Stielporling Polyporus leptocephalus (Jacquin 1778 : Fries 1821) Fries 1821
Schwarzfuß-Stielporling Polyporus melanopus (Persoon 1794 : Fries 1821) Fries 1821
Mittelmeer-Stielporling Polyporus meridionalis (A. David 1973) H. Jahn 1980
Polyporus pseudobetulinus (Murashkinsky in sched. ex Pilát 1932) Thorn, Kotiranta & Niemelä 1990
Steppengras- oder Wurzel-Stielporling Polyporus rhizophilus (Patouillard 1894) Saccardo 1895
Schuppiger Stielporling Polyporus squamosus (Hudson 1778: Fries 1821) Fries 1821
Polyporus tubaeformis (P. Karsten 1882) Ryvarden & Gilbertson 1994
Sklerotien- oder Klumpen-Stielporling Polyporus tuberaster (Jacquin 1797 : Fries 1821) Fries 1821
Eichhase oder Ästiger Büschel-Porling Polyporus umbellatus (Persoon 1801 : Fries 1821) Fries 1821

Systematik[Bearbeiten]

Früher wurden viele porlingsartige Pilze zu Polyporus gestellt. Inzwischen fasst man die Gattung enger auf. Nach Krieglsteiner kann die Gattung (zumindest anhand der in Deutschland vorkommenden Arten) in fünf Gruppen untergliedert werden, die je nach Autor als Untergattungen oder eigene Gattungen geführt werden:

  • Dichomitus mit mehr oder weniger am Substrat flach anliegenden Fruchtkörpern: Polyporus campestris
  • Dendropolyporus mit verzweigten Fruchtkörpern: Polyporus umbellatus
  • Melanopus mit Fruchtkörpern deren Stiele an der Basis oder vollständig schwarz oder dunkelbraun gefärbt sind: Polyporus badius, Polyporus leptocephalus, Polyporus melanopus
  • Polyporus im eigentlichen Sinne mit nicht gefärbter Stielbasis und über 10 µm langen Sporen: Polyporus squamosus, Polyporus tuberaster
  • Polyporellus mit nicht gefärbter Stielbasis und unter 10 µm langen Sporen: Polyporus arcularis; Polyporus brumalis, Polyporus ciliatus

Besonders der mehrhütige Eichhase (Polyporus umbellatus) und der mehrjährige, resupinate Schwärzende Porling (Polyporus campestris) werden in einigen Arbeiten von Polyporus abgetrennt und in die eigenen Gattungen Dendropolyporus bzw. Dichomitis separiert.[3]

Bedeutung[Bearbeiten]

Einige Porlinge sind essbar und teilweise geschätzte Speisepilze. Die auch parasitisch lebenden Arten können Park- und Straßenbäume schädigen.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Paul M. Kirk, Paul F. Cannon, David W. Minter, J.A. Stalpers: Dictionary of the Fungi. 10th edition Auflage. CABI Europe, Wallingford, Oxfordshire (UK) 2008, ISBN 978-0-85199-826-8 (784 Seiten).
  2. Eric Strittmatter: Die Gattung Polyporus. Pilz-Taxa-Datenbank. In: Fungiworld.com. 26. April 2007, abgerufen am 7. August 2012.
  3.  Leif Ryvarden, Robert L. Gilbertson: European Polypores. Part 2: Meripilus – Tyromyces. In: Synopsis Fungorum. 7, Fungiflora, Oslo 1993, ISBN 978-82-90724-13-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stielporlinge (Polyporus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien