Primitives Polynom

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Dieser Artikel behandelt den Begriff des primitiven Polynoms in der Körpertheorie. Für den gleichnamigen Begriff aus der Theorie faktorieller Ringe siehe Inhalt (Polynom).

In der Theorie mathematischer Körper ist ein primitives Polynom das Minimalpolynom eines primitiven Elements einer Körpererweiterung GF(pm) über GF(p). Anders ausgedrückt ist ein Polynom F(X) mit den Koeffizienten aus \mathrm{GF}(p) = \Z/p\Z ein primitives Polynom, wenn es eine Nullstelle \alpha in \mathrm{GF}(p^m) hat, so dass die Menge \{0,1, \alpha, \alpha^2, \alpha^3,\dots,\alpha^{p^{m}-2}\} der ganze Körper \mathrm{GF}(p^m) ist und außerdem F(X) das Polynom mit dem kleinsten Grad mit \alpha als Nullstelle ist.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Da alle minimalen Polynome irreduzibel sind, sind primitive Polynome ebenso irreduzibel.

Ein primitives Polynom muss einen von Null verschiedenen konstanten Term haben, da es andernfalls durch x teilbar wäre. Über einem Körper aus zwei Elementen ist x + 1 ein primitives Polynom und alle anderen primitiven Polynome haben eine ungerade Anzahl von Termen, da jedes Polynom modulo 2 mit einer geraden Anzahl von Termen durch x + 1 teilbar ist.

Ein Irreduzibles Polynom F(x) des Grades m über GF(p) für eine Primzahl p ist ein primitives Polynom, wenn pm − 1 die kleinste ganze Zahl n ist, für die F(x) ein Teiler von x^n - 1 ist.

Über dem Körper GF(pm) gibt es genau \tfrac{\varphi(p^m - 1)}{m} primitive Polynome des Grades m, wobei \varphi die Eulersche φ-Funktion ist.

Die Nullstellen eines primitiven Polynoms habe alle die Ordnung p^m - 1.

Anwendungen[Bearbeiten]

Darstellung von Körper-Elementen[Bearbeiten]

Primitive Polynome werden für die Darstellung von Elementen eines endlichen Körpers verwendet. Wenn \alpha \in \mathrm{GF}(p^m) eine Nullstelle eines primitiven Polynoms F(X) ist, dann hat \alpha die Ordnung p^m-1, das heißt alle Elemente von \mathrm{GF}(p^m) können als aufeinanderfolgende Potenzen von α dargestellt werden:


\mathrm{GF}(p^m) = \{ 0, 1, \alpha, \alpha^2, \ldots, \alpha^{p^m-2} \} .

Wenn diese Elemente modulo F(x) reduziert werden, dann bildet die Darstellung als polynomielle Basis aller dieser Elemente einen Körper.

Da die multiplikative Gruppe eines endlichen Körpers immer eine zyklische Gruppe ist, ist für ein primitives Polynom f(x) das Element x ein Generator der multiplikativen Gruppe in GF(p)[x]/f(x) ist.

Erzeugung von Pseudo-Zufallszahlen[Bearbeiten]

Primitive Polynome definieren eine wiederkehrende Relation, die verwendet werden kann um Bits von Pseudozufallszahlen zu erzeugen. Tatsächlich steht jedes linear rückgekoppelte Schieberegister mit maximalem Zyklus (dieser ist 2lrsr length - 1) mit primitiven Polynomen in Beziehung.

Sei z.B. ein primitives Polynom x10 + x3 + 1 gegeben. Man beginnt mit einer benutzerdefinierten Saatzahl (diese muss nicht unbedingt zufällig gewählt werden). Man nimmt dann das 10-te, 3-te und 0-te Bit, gezählt vom niederwertigsten Bit, verknüpft diese mit XOR und erhält ein neues Bit. Die Saatzahl wird dann nach links verschoben und das neue Bit wird zum niederwertigsten Bit der Saatzahl. Dies kann wiederholt werden um 210−1 = 1023 Pseudo-Zufalls-Bits zu erzeugen.

Allgemein gilt für ein primitives Polynom des Grades m, dass dieser Vorgang 2m−1 Pseudo-Zufallszahlen erzeugt, bevor die Sequenz sich wiederholt.

Primitive Trinome[Bearbeiten]

Primitive Trinome sind primitive Polynome mit nur drei von Null verschiedenen Termen. Die Trinome sind sehr einfach und werden für sehr effiziente Zufallszahlengeneratoren verwendet. Es gibt verschiedene Methoden, um primitive Trinome zu ermitteln und zu prüfen. Ein einfacher Test funktioniert wie folgt: Für jedes r, für das 2r−1 eine Mersenne-Primzahl ist, ist ein Trinom des Grades r primitiv, genau dann wenn es irreduzibel ist. Durch kürzlich von Richard P. Brent entwickelte Algorithmen ist es möglich geworden, primitive Trinome von hohem Grad zu finden, wie z.B. x6972593 + x3037958 + 1. Damit können Pseuodzufallsgeneratoren mit einer riesigen Periode von 26972593−1, oder ca. 102098959 erzeugt werden.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Elwyn R. Berlekamp: Algebraic Coding Theory, Revised Edition. 2. Auflage. Aegean Park Press, 1984, ISBN 0-89412063-8.

Weblinks[Bearbeiten]