Zyklische Gruppe
In der Gruppentheorie ist eine zyklische Gruppe eine Gruppe, die von einem einzelnen Element
erzeugt wird. Sie besteht aus allen Potenzen des Erzeugers
:
Eine Gruppe
ist also zyklisch, wenn sie ein Element
enthält (den „Erzeuger“ der Gruppe), sodass jedes Element von
eine Potenz von
ist. Gleichbedeutend damit ist, dass es ein Element
gibt, sodass
selbst die einzige Untergruppe von
ist, die
enthält.
Zyklische Gruppen sind die einfachsten Gruppen und können vollständig klassifiziert werden: Für jede natürliche Zahl[1]
gibt es eine zyklische Gruppe
mit genau
Elementen, und es gibt die unendliche zyklische Gruppe, die additive Gruppe der ganzen Zahlen
. Jede andere zyklische Gruppe ist zu einer dieser Gruppen isomorph.
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Veranschaulichung [Bearbeiten]
Drehgruppen [Bearbeiten]
Die endlichen zyklischen Gruppen können veranschaulicht werden als Drehgruppen regulärer Vielecke in der Ebene. Zum Beispiel besteht die Gruppe
aus den möglichen Drehungen der Ebene, die ein vorgegebenes Quadrat in sich überführen.
Die obenstehende Abbildung zeigt ein Quadrat A und die Stellungen B, C und D, in die es durch Drehen überführt werden kann. Darunter ist jeweils die dazu nötige Drehung angegeben. Die Elemente der zyklischen Gruppe sind hier die Bewegungen und nicht die Stellungen des Quadrats. Das heißt, die Gruppe
besteht in dieser Darstellung aus der Menge {0°, 90°, 180°, 270°}. Die Verknüpfung der Elemente ist die Hintereinanderausführung der Drehungen; das entspricht einer Addition der Winkel. Dabei stimmt die Drehung um 360° mit der Drehung um 0° überein, die Winkel werden also genau genommen modulo 360° addiert.
Lässt man nicht nur Drehungen der Ebene zu, sondern auch Spiegelungen, dann erhält man im Fall von Vielecken die so genannten Diedergruppen.
Beachte auch, dass die Drehgruppe des Kreises, S1, nicht zyklisch ist.
Restklassengruppen [Bearbeiten]
Eine andere Darstellung einer zyklischen Gruppe liefert die Addition modulo einer Zahl, die so genannte Restklassenarithmetik. In der additiven Gruppe
ist die Restklasse der 1 ein Erzeuger, das heißt, man kann jede andere Restklasse erhalten, indem man die 1 wiederholt mit sich selbst addiert. Am Beispiel
bedeutet dies, dass sich alle 4 Elemente als Summe von 1 darstellen lassen, also 1 = 1, 2 = 1+1, 3 = 1+1+1, 0 = 1+1+1+1. Die Restklassengruppe
verhält sich genauso wie die oben beschriebene Drehgruppe {0°, 90°, 180°, 270°}: 0 entspricht 0°, 1 entspricht 90° usw: Diese beiden Gruppen sind isomorph.
Schreibweisen [Bearbeiten]
Für endliche zyklische Gruppen gibt es im Wesentlichen drei Schreibweisen:
,
und
. Für nichtendliche zyklische Gruppen stehen die beiden Schreibweisen
und
zur Verfügung. Als Gruppenoperation wird in
meist die Multiplikation und in
,
und
die Addition verwendet.
Die Schreibweisen
,
und
rühren daher, dass die additiven Gruppen der Restklassenringe
und von
selbst die bekanntesten Vertreter zyklischer Gruppen sind. Im Gegensatz zur
-Schreibweise verleiten sie jedoch dazu, das Vorhandensein einer Ringstruktur anzunehmen. Die Bezeichnung
wird zudem auch noch im Zusammenhang mit p-adischen Zahlen verwendet.
Eigenschaften [Bearbeiten]
Alle zyklischen Gruppen sind abelsche Gruppen.
Eine zyklische Gruppe kann mehrere Erzeuger haben. Die Erzeuger von
sind +1 und -1, die Erzeuger von
sind die Restklassen, die teilerfremd zu
sind; ihre Anzahl
wird von der Eulerschen φ-Funktion angegeben.
Ist allgemein d ein Teiler von n, dann ist
die Anzahl der Elemente von
, die die Ordnung d haben:
.
Das direkte Produkt zweier zyklischer Gruppen
und
ist genau dann zyklisch, wenn n und m teilerfremd sind; in diesem Fall ist das Produkt isomorph zu
.
Jede endlich erzeugte abelsche Gruppe ist direktes Produkt endlich vieler zyklischer und unendlich zyklischer Gruppen.
Der Gruppenexponent einer endlichen zyklischen Gruppe ist gleich ihrer Ordnung. Jede endliche zyklische Gruppe ist isomorph zur additiven Gruppe des Restklassenring
, der Isomorphismus ist dabei der diskrete Logarithmus: Ist
ein Erzeuger von
, dann ist die Abbildung
ein Isomorphismus.
Untergruppen und Faktorgruppen [Bearbeiten]
Alle Untergruppen und Faktorgruppen von zyklischen Gruppen sind zyklisch. Insbesondere sind die Untergruppen von
von der Form
mit einer natürlichen Zahl m zyklisch. Alle diese Untergruppen sind verschieden, und für m≠0 sind sie isomorph zu
.
Der Verband der Untergruppen von
ist isomorph zum dualen Verband der natürlichen Zahlen mit der Teilbarkeit. Alle Faktorgruppen von
sind endlich, mit Ausnahme der trivialen Faktorgruppe
.
Für jeden positiven Teiler d von n hat die Gruppe
genau eine Untergruppe der Ordnung d, nämlich die von dem Element n/d erzeugte Untergruppe {kn/d | k=0, ..., d-1}. Andere als diese Untergruppen gibt es nicht. Der Untergruppenverband ist deshalb isomorph zum Teilerverband von n.
Eine zyklische Gruppe ist genau dann einfach, wenn ihre Ordnung eine Primzahl ist.
Endomorphismen und Automorphismen [Bearbeiten]
Der Endomorphismenring (siehe Gruppenhomomorphismus) der Gruppe
ist Ring-isomorph zum Restklassenring
. Unter diesem Isomorphismus entspricht die Restklasse r von
dem Endomorphismus von
, der jedes Element auf seine r-te Potenz abbildet. Daraus folgt, dass die Automorphismengruppe von
isomorph zur Gruppe
, der Einheitengruppe des Rings
, ist. Diese Gruppe besteht aus den Elementen, die teilerfremd zu n sind, und hat φ(n) Elemente.
Der Endomorphismenring der zyklischen Gruppe
ist isomorph zum Ring
, und die Automorphismengruppe ist isomorph zur Einheitengruppe {+1, -1} von
, und diese ist isomorph zur zyklischen Gruppe C2.
Algebraische Eigenschaften [Bearbeiten]
Ist n eine natürliche Zahl, dann ist
genau dann zyklisch, wenn n gleich 2, 4,
oder
ist, für eine Primzahl p>2 und eine natürliche Zahl k. Die Erzeuger dieser zyklischen Gruppe heißen Primitivwurzeln modulo n.
Insbesondere ist für jede Primzahl p die Gruppe
zyklisch mit p-1 Elementen. Allgemeiner ist jede endliche Untergruppe der multiplikativen Gruppe eines Körpers zyklisch.
Die Galoisgruppe einer endlichen Körpererweiterung eines endlichen Körpers ist eine endliche zyklische Gruppe. Umgekehrt gibt es für jeden endlichen Körper K und jede endliche zyklische Gruppe G eine endliche Körpererweiterung L/K mit Galoisgruppe G.
Literatur [Bearbeiten]
- Siegfried Bosch: Algebra, 7. Auflage 2009, Springer-Verlag, ISBN 3-540-40388-4, doi:10.1007/978-3-540-92812-6.
Siehe auch [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Für diese Aussage betrachten wir 0 nicht als natürliche Zahl

