Qatna

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34.83536.865833333333Koordinaten: 34° 50′ 6″ N, 36° 51′ 57″ O

Qatna (Syrien)
DEC
Qatna
Qatna

Qatna war die Hauptstadt eines aramäischen Stadtkönigtums. Sie befand sich auf dem gut einem Quadratkilometer großen Tell Tall Mischrife in Westsyrien, ca. 18 km nordöstlich von Homs und 200 km nördlich der syrischen Hauptstadt Damaskus. Qatna war im 2. Jahrtausend vor Christus eine wichtige Handelsmetropole, sie kontrollierte die wichtigsten Handelswege der Umgebung. Qatna wurde 1340 vor Christus von den Hethitern zerstört.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ausgrabungen

Ein Archäologenteam aus Tübingen führt unter Leitung des Tübinger Professors für Vorderasiatische Archäologie Peter Pfälzner seit 1999 Grabungen in Mischrife durch. Das Team konzentrierte seine Arbeiten auf den Palast im Zentrum der Stadt. 2002 entdeckte ein Ausgrabungsteam die unversehrte Grabanlage seiner Könige. Auch das Tontafelarchiv von Qatna ist von unschätzbarem Wert.

[Bearbeiten] Aufbau der Stadt

Die bronzezeitliche Stadt von Qatna war über 100 Hektar groß.

[Bearbeiten] Palast

Der Palast wurde zu Beginn des 2. Jahrtausends vor Christus errichtet und hat rund 18.000 Quadratmeter Grundfläche. Der Thronsaal hat eine Länge von 40 Metern, was ihn zum ausgedehntesten Raum seiner Art in der vorderasiatischen Bronzezeit macht. Er wurde bei der Eroberung durch die Hethiter gebrandschatzt, was zu seiner außergewöhnlich guten Erhaltung beitrug.

Der Westflügel des Palastes wurde 2008 freigelegt und war ungewöhnlich gut erhalten. Von dem ursprünglich dreistöckigen Bauwerk stehen noch die Lehmziegelmauern der unteren beiden Stockwerke mit einer Höhe bis zu 5,30 Meter. Damit ist dieses Gebäude das erste mehrstöckige Bauwerk Vorderasiens, dass bisher entdeckt wurde. Vier Türen mit Bögen aus Lehmziegeln sind in einer Fluchtlinie angeordnet. Im Vorderen Orient gehören sie zu den am besten erhaltenen Bogenkonstruktionen aus der Bronzezeit.

Im Brunnen des Palastes haben sich durch die Feuchtlagerung größere Mengen an Holz erhalten. Die Deckenbalken und Holzdielen, die bei der Zerstörung des Palastes 1340 v. Chr. in den Brunnen gefallen sind, zeigen die präzise Zimmermannstechnik der damaligen Zeit.[1]

[Bearbeiten] Gruft

Eine mehrräumige Gruft war von bis zu 20 m hohen Verteidigungswällen umgeben. Die Gruft lag am Ende eines unterirdischen Korridor, der vom Thronsaal abzweigt. Der Korridor führte zu einer nicht ausgeraubten Königsgruft mit Vorraum und mehreren Grabkammern. Im Korridor selbst befand sich eine gut gesicherte Tür. Die hölzernen Türrahmen waren zusammen mit den Dachbalken verbrannt und auf den Boden gestürzt.

[Bearbeiten] Funde

[Bearbeiten] Tontafeln

Bei Ausgrabungen der Universität Tübingen wurden in Tall Mischrife u.a. 73 Keilschrifttafeln in einem unterirdischen Korridor des Palastes, der vom Thronsaal abzweigt, entdeckt. Sie sind wohl bei der Zerstörung des Palastes aus einem höheren Stockwerk hinabgestürzt. Die Archäologen mußten sich durch mehrere Lagen verbrannten Holzes durcharbeiten, bis sie inmitten des Schutts die mit Keilschrifttafeln fanden.

Diese müssen zum Archiv des Königs Idanda gehört haben. Er regierte um 1400 vor Christus über die Stadt und das Reich Qatna. Bisher war über ihn fast nichts bekannt. Die Tafeln stellen die Korrespondenz des Königs dar und berichten über die politische und wirtschaftliche Situation Syriens zu dieser Zeit. Sie stellen die ersten politischen Keilschrifttafeln, die jemals in Syrien selbst gefunden wurden, dar. Durch die Tafeln gelangte man zu der Erkenntnis, dass die Könige von Qatna, wie andere Herrscher ihrer Zeit über einen Nachrichtendienst verfügten, durch den sie über politische Ereignisse und Entwicklungen der Zeit unterrichtet wurden.

Das königliche Archiv enthielt außer den königlichen Briefen auch Verwaltungsdokumente wie Inventarlisten und Rechts-Urkunden und geben einen Einblick in das Leben und das Handeln in einem königlichen Palast der Bronzezeit in Syrien.

Die Texte sind in einer Mischung aus Akkadisch und Hurritisch verfasst. Diese Sprachen dürften auch die Kultur des Hofes von Qatna gekennzeichnet haben.

[Bearbeiten] Elefantenknochen

In zwei Räumen des Königspalastes wurden Knochen von Elefanten aufgefunden, die in den Sümpfen des Orontestals westlich von Qatna gelebt haben müssen. Darauf beziehen sich auch Berichte der ägyptischen Pharaonen Thutmosis I. und Thutmosis III. über Elefantenjagden im Bereich des heutigen Westsyrien. Mit dem Knochenfunden kann die Jagd auf Elefanten erstmals auch für die Könige von Qatna belegt werden.[1]

[Bearbeiten] Herrscher

[Bearbeiten] Film

  • Flammen über Qatna - Ein versunkener Palast in Syrien. Dokumentation, Deutschland 2005, 45 Min., Regie: Jens Afflerbach, Produktion: ZDF, Erstausstrahlung: 20. November 2005. (Video-Ausschnitte)

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b Neue Entdeckungen im Königspalast von Qatna

[Bearbeiten] Literatur

  • A. Abou Assaf: Mishrifeh. In: The Oxford encyclopedia of archaeology in the Near East. Bd 4. Oxford 1997, 35-36.
  • A. Ahrens, S. Mankel, K. Sternitzke: Erstellung einer Harris-Matrix der Grabungsstelle G von Tall Mishrife-Qatna.
  • A. Ahrens: Skarabäen und Skarabäenabdrücke aus Tall Mišrife/Qatna. Einige Beobachtungen zum interkulturellen Austausch zwischen der Levante und Ägypten. In: Ugarit-Forschungen. 35.2003, 1-28.
  • R. du Mesnil du Buisson: Le site archéologique de Mishrife-Qatna. Paris 1935.
  • G. Elsen-Novák: Die altsyrische Glyptik aus Qatna – Eine erste Einordnung. in: Mitteilungen der Deutschen Orientgesellschaft (MDOG). Berlin 134.2001, 257-274. ISSN 0342-118X
  • Horst Klengel: Qatna - ein historischer Überblick. in: Mitteilungen der Deutschen Orientgesellschaft (MDOG). Berlin 132.2000, 239-252. ISSN 0342-118X
  • M. al-Maqdissi, M. Luciani, D. Morandi, M. Novák, P. Pfälzner: Excavating Qatna I – Preliminary Report on the 1999 and 2000 Campaigns of the Joint Syrian-Italian-German Archaeological Research Project at Mishrife. Damascus 2002.
  • D. Morandi Bonacossi, M. Luciani, A. Barro, A. Canci, M. Cremaschi, M. Da Ros, J. Eidem, I. Finzi Contini, M. Iamoni, A. Intilia, L. Trombino, A. Sala, V. Valsecchi: Tell Mishrifeh/Qatna 1999-2002, A Preliminary Report of the Italian Component of the Joint Syrian-Italian-German Project. Teil 1. in: Akkadica. Brüssel 124.2003,1, 65-120.
  • M. Novák: Fundamentierungstechniken im Palast von Qatna. in: E. Czerny, I. Hein, H. Hunger, D. Melman, A. Schwab (Hrsg.): Timelines. Studies in Honour of Manfred Bietak III. in: Orientalia Lovaniensia Analecta. Leuven 149.2006,3, 63–71.
  • M. Novák: The Chronology of the Bronze Age Palace of Qatna. in: Ägypten und Levante. Wien 14.2004, 299–317. ISSN 1015-5104
  • M. Novák, Peter Pfälzner: Ausgrabungen im bronzezeitlichen Palast von Tall Mishrife/Qatna 2002. Vorbericht der deutschen Komponente des internationalen Projektes. in: Mitteilungen der Deutschen Orientgesellschaft (MDOG). Berlin 135.2003, 135–165. ISSN 0342-118X

[Bearbeiten] Weblinks

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