Quebec Act

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Der Quebec Act (eigentlich An Act for making more effective Provision for the Government of the Province of Quebec in North America) von 1774, ein Beschluss des britischen Parlaments (14 Geo. III c. 83), sollte die Verhältnisse in den nordamerikanischen Kolonien Großbritanniens neu ordnen. Er war bis 1791 gültig.

Er brachte als eines der unerträglichen Gesetze jedoch die Kolonien, aus denen knapp ein Jahrzehnt später die Vereinigten Staaten hervorgingen, gegen die Kolonialregierung Großbritanniens auf und führte schließlich zur Unabhängigkeit. In Kanada führte er zu einer stärkeren Loyalität der katholischen Bevölkerung gegenüber der anglikanischen Kolonialmacht, zunächst der 1763 besiegten Franzosen, dann ab 1778 auch der zugewanderten Iren.

Darüber hinaus wurden den Indianern erstmals Rechte auf ihr Wohngebiet zugestanden, das vor nichtindianischer Besiedlung geschützt werden sollte. Auf diese britischen Bestimmungen, die in die Verträge des 1867 gegründeten Kanada einflossen, berufen sich die heutigen First Nations.

Inhalt und Geschichte[Bearbeiten]

Der Beschluss erhielt die Zustimmung des Königs am 22. Juni 1774 und war ab dem 1. Mai 1775 gültig.

Zum einen sollte ein vor Einwanderung geschütztes Indianergebiet entstehen. Ein riesiges Gebiet im Umkreis des Ohio, das den Süden Ontarios, Illinois, Indiana, Michigan, Ohio, Wisconsin und einen Teil von Minnesota umfasste, sollte der Provinz Quebec angeschlossen werden. Dazu kamen Gebiete im Osten (Labrador, Ile d'Anticosti und Iles de la Madeleine).

Zugleich garantierte er den Anhängern der katholischen Konfession freie Religionsausübung. Der Treueid, den Staatsdiener leisten mussten, verzichtete auf die entsprechende Formel, die die protestantische Konfession zur einzigen Grundlage kannte. Schließlich wurde damit das französische Privatrecht wiederhergestellt, während im staatlichen Bereich und im Bereich der Strafverfolgung das englische Recht fortbestand.

Schematische Darstellung der Verfassung von Quebec, 1775

Der Beschluss wurde in der gleichen Parlamentssitzung gefasst, wie die Maßnahmen gegen die rebellischen Kolonisten in den Dreizehn Kolonien. Er behinderte in den Augen dieser Kolonien, aus denen später die USA hervorgingen, die Besiedlung der westwärts gelegenen Gebiete, indem sie der Provinz Quebec zugesprochen oder als Indianergebiete geschützt wurden, und er verhinderte eine angemessene Repräsentation der Kolonien im Parlament. Der Quebec Act zählte damit zu den „unerträglichen Gesetzen“, den Intolerable Acts.[1]

Im Frieden von Paris hatte Frankreich 1763 auf seine Kolonien in Nordamerika zugunsten von Guadeloupe und Martinique verzichtet, deren Plantagen höhere Erträge versprachen. Die Briten nannten Canada nun Province of Quebec. Die Royal Proclamation, die königliche Proklamation von 1763, hatte nicht nur Neufrankreich stark verkleinert und eine gewählte Vertretung der Kolonialbevölkerung versprochen, sondern sie bestimmte darüber hinaus, dass Franzosen, die in den Staatsdienst eintreten wollten, einen Treueid auf den König schwören mussten, der ihnen ihre gewohnte Konfession untersagte. Die Briten waren jedoch zu dieser Zeit eine kleine Minderheit. Der Quebec Act definierte nun ein erheblich nach Süden vergrößertes Gebiet, gestattete auch Staatsdienern die Beibehaltung ihrer Konfession, sowie die Rückkehr der Jesuiten. Mit dem Irish Catholic Relief Act von 1778 wurde die Einbindung der ebenfalls katholischen Iren verstärkt.

Der Quebec Act bestimmte zudem die Struktur der Regierung. Der Governor wurde von der Krone ernannt. Er sollte mit Unterstützung des Legislative Council regieren, einer Gruppe von 17 bis 23 Männern, die eine Art Oberhaus darstellten (1838 aufgelöst). Von einer Wahl war zur Enttäuschung der Kolonisten keine Rede. Die feudale französische Gesellschaftsform mit den entsprechenden Land-, Abgaben- und Dienstverhältnissen wurde wiederhergestellt, während diese außerhalb der frankophonen Gebiete durch ein Township-System nach amerikanischem Vorbild abgelöst werden sollte.

Der Quebec Act wurde 1791 durch den Constitutional Act von 1791 ersetzt, durch den die Provinzen Upper und Lower Canada entstanden, deren gesellschaftliche Entwicklung stark auseinanderdriftete, was wiederum separatistische Tendenzen förderte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reginald Coupland: The Quebec act. A study in statemanship. Clarendon Press, Oxford 1925.
  • Hilda Neatby: The Quebec Act. Protest and policy. Prentice-Hall of Canada, Scarborough Ontario 1972, ISBN 0-13-748129-2.
  • Alain-G. Gagnon, Luc Turgeon: Managing Diversity in Eighteenth and Nineteenth Century Canada: Quebec's Constitutional Development in Light of the Scottish Experience. In: Commonwealth & Comparative Politics. Bd. 41, Nr. 1, März 2003, ISSN 1466-2043, S. 1–23.
  • Karen Stanbridge: Quebec and the Irish Catholic Relief Act of 1778: An Institutional Approach. In: Journal of Historical Sociology. Bd. 16, Nr. 3, 2003, ISSN 0952-1909, S. 375–404.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. Intolerable Acts, 1774, in: Milestone Documents, Schlager Group