Quilt

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„Indian Summer“, ein Quilt von Bernadette Mayr

Ein Quilt (englisch quilt „Steppdecke“, „steppen“) ist eine vielseitig verwendbare Zierdecke, die als Tagesdecke dienen kann, aber sich z. B. auch als Wandteppich eignet. Die Decke besteht aus mindestens zwei, in der Regel aus drei Lagen. Oben liegt die Schauseite, auch Top genannt, die Zwischenlage bildet ein wärmendes Vlies aus Wolle, Baumwolle, Seide oder Synthetik. Die Rückseite oder die Unterseite besteht zumeist aus einer Stoffbahn. Diese drei Lagen werden mit groben Heftstichen oder Sicherheitsnadeln gegen ein Verschieben während der weiteren Bearbeitung fixiert.

Gestaltungsarten[Bearbeiten]

Quiltarbeit mit einfarbiger Oberseite
Patchwork-Quilt als Kissenplatte

Die drei Textilschichten werden mit möglichst kleinen Stichen zusammengenäht, um ein Verschieben insbesondere des Volumenvlieses zu verhindern. Dies kann sowohl mit der Hand als auch mit einer Näh- bzw. Stickmaschine passieren, wobei beide Techniken eine überzeugte Anhängerschaft haben.

Beim Quilten mit der Hand wird eine kurze, dünne Nadel benutzt, deren Stärke sich nach den verarbeiteten Stoffen richtet. Zum Schutz der Haut sollte zum Handquilten ein Fingerhut verwendet werden, der aus verschiedenen Materialien wie z. B. Leder, Latex oder Metall erhältlich ist. Das Erreichen eines gleichmäßigen Stichbildes erfordert viel Übung, da die Stiche stets gleich lang und auf Vorder- und Rückseite gleichmäßig sein müssen.

Beim Quilten mit der Nähmaschine wird in der Regel der Stofftransporteur der Maschine versenkt, sodass der Stoff freihändig geführt werden muss. Auch hier ist es eine Herausforderung, durch das Anpassen von Nähgeschwindigkeit und Stoffführung eine gleichmäßige Stichlänge zu erzielen. Eine Erleichterung für das freihändige Maschinenquilten stellt der Bernina Stitch Regulator (BSR) dar: Ein Sensor registriert die Bewegung des Stoffes und passt automatisch die Geschwindigkeit der Nadelbewegung an, sodass eine gleichbleibende Stichlänge auch von Einsteigern erzielt werden kann.

Die Oberseite eines Quilts verdient besondere Beachtung. Grob lassen sich drei Arten der Gestaltung unterscheiden:

  1. Die Oberseite besteht aus einer – zumeist einfarbigen – Stoffbahn, dann spricht man von einem Plain Quilt oder Whole Cloth Quilt.
  2. Besteht die Oberseite aus bunten Flicken, die mehr oder weniger kunstvoll aneinander genäht wurden, dann spricht man von Pieced Patchwork oder Mosaik-Patchwork. Besteht das Muster aus unregelmäßigen Stoffresten, aus Samt, Brokat, Seide und ist mit Stickerei und Spitzen verziert, so spricht man von einem Crazy Quilt.
  3. Bei einem Applikationsquilt werden Motive aus Stoff ausgeschnitten und auf einen Untergrund appliziert. Bei den Motiven kann es sich um abstrakte geometrische Objekte wie Quadrate und Kreise oder auch realistische Formen wie Blumen oder Tiere handeln.

Diese traditionelle Unterscheidung ist eine Richtlinie; in der heutigen Quiltkunst werden oft Elemente z. B. aus dem Applikationsquilten mit dem Whole Cloth Quilting verbunden.

In Quilts werden oft abstrakte Muster verarbeitet. Es stellt sich daher die Frage, welche Muster sich aus einer Menge grundlegender Bausteine nach festen Regeln herstellen lassen. Auf der OSCON 2003 stellte Mark Jason Dominus u. a. ein Perl-Projekt vor, das dieses Problem für eine feste Konstellation von Grundmustern und Regeln löste.

Geschichte[Bearbeiten]

Von China ausgehend waren Quiltstoffe im gesamten Orient verbreitet. Kreuzritter nutzten den Stoff für Unterhemden, die sie unter der Rüstung trugen, und brachten die Kunst des Quiltens nach Europa. Eine starke Kältewelle im 14. Jahrhundert in England führte zu einer weiten Verbreitung von Quilts in Form von Kleidung, Decken und Wandteppichen.

Die frühen amerikanischen Siedler, die mit kleinsten Stoffstücken arbeiten mussten, führten das Quilten gemeinsam mit dem Patchwork zu einer in einigen Gegenden (z. B. bei den Amischen) heute noch gepflegten handwerklichen Kunstform. Das gemeinsame Arbeiten der Siedlerfrauen bei Quilting Bees war ein wichtiges soziales Ereignis, bei dem die vorbereiteten Patchworkstücke gemeinsam zu Quilts verarbeitet wurden und Neuigkeiten und Geschichten ausgetauscht wurden. Je nach Region entstanden verschiedene Stile für die Quilts, die als Bettdecke oder Wandbehang häufig das einzige Schmuckstück in den kargen Blockhütten waren.

Wer heute von einem Quilt spricht, denkt gewöhnlich an die oben genannten, meist gepatchten, Werke aus Amerika. Doch es gibt auch verschiedenen Techniken der Wholecloth Quilts wie den französischen Boutis oder Trapuntoarbeiten, bei denen nur einzelne Teile des gesteppten Musters mit einer Füllung ausgestopft werden. Die Patchwork Gilde Deutschland e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, das traditionsreiche Patchwork- und Quilt-Kunsthandwerk zu fördern und zu pflegen. Ihre mehr als 7000 Mitglieder finden sich überall in Deutschland.

Artquilts sind moderne Quilts nach individuellen Entwürfen und Ideen eines Künstlers, der sich besonders mit Textiler Kunst beschäftigt.

In Gedenken an die Verstorbenen wurde 1987 der inzwischen riesige NAMES Project AIDS Memorial Quilt in San Francisco gestartet. Nach diesem Vorbild wurde 1992 das viel kleinere Names Project Wien gestartet.[1]

Quilts als Motiv in Literatur und Film[Bearbeiten]

  • In Whitney Ottos Roman Ein amerikanischer Quilt (Originaltitel How to Make an American Quilt, 1991) erzählen sich Frauen beim Herstellen eines Hochzeitsquilts aus ihrem Leben. Der Roman wurde 1995 von Jocelyn Moorhouse mit Winona Ryder in der Hauptrolle verfilmt.
  • Im Kriminalroman Und vergib uns unsere Schuld (Originaltitel A Piece of Justice, 1995) von Jill Paton Walsh spielt das geometrische Muster eines Quilts eine wichtige Rolle bei der Lösung eines Mordfalls.
  • In den Kriminalromanen von Earlene Fowler um die Museumskuratorin und Hobbydetektivin Benny Harper spielen Quilts eine große Rolle, vor allem in ihrer Bedeutung für die Alltagsgeschichte.
  • Sandra Dallas stellt eine Gruppe von Quilterinnen in den Mittelpunkt ihres Romans Club der Patchwork-Frauen (Originaltitel The Persian Pickle Club, 1995), der im ländlichen Kansas der 1930er spielt. Eine neugierige Journalistin aus der Stadt muss feststellen, dass der Club nicht nur beim Nähen und Steppen „wie eine Frau“ zusammenarbeitet.
  • Im Mittelpunkt von Alice Walkers Kurzgeschichte „Everyday Use“ steht ein Quilt als Repräsentant für afro-amerikanisches Kulturerbe und die Verbindung von Generationen.
  • Margaret Atwoods Roman Alias Grace ist in 15 Abschnitte unterteilt, denen jeweils die Zeichnung eines Quiltmusters und deren Bezeichnung vorangestellt ist; die Figur Grace Marks stellt mehrere Quilts her.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lisa Bergene: Skandinavische Quilts und Taschen. Verlag Schäfer, Hannover 2008, ISBN 978-3-86630-932-6.
  • Caroline Crabtree, Christine Shaw: Quilting, patchwork and applicé. A world guide. Thames & Hudson, London 2007, ISBN 978-0-500-51373-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Quilts – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Names Project Wien - Österreich