Fingerhut (Nähwerkzeug)

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Römischer Fingerhut aus Bronze, ca. 1. bis 4. Jh. n. Chr.
Fingerhut

Der Fingerhut ist ein mechanischer Schutz gegen unbeabsichtigtes Verletzen der Finger beim Nähen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Fingerhueter aus Jost Ammans Ständebuch, 1568

Erstmals sind Fingerhüte – aus Knochen oder Elfenbein – in der Jungsteinzeit in der Nähe von Moskau belegt. Auch bei den Etruskern war der Fingerhut bereits um 500  v. Chr. gebräuchlich. In das Gebiet des heutigen Deutschlands kamen die Fingerhüte durch die Römer. Im 15. Jahrhundert begann die massenweise Herstellung aus einer Vorform von Messing durch die Gelbgießer. Hochburgen der Fingerhutherstellung waren zu der Zeit Köln und Nürnberg.

Fingerhüte wurden in den verschiedenen Zeitepochen aus Metall, Glas oder Porzellan hergestellt. Sie sind heutzutage Sammelobjekte. Eine der berühmtesten Sammlungen stammt aus dem Nachlass der Gebrüder Gabler in Schorndorf. 1982 wurde in Creglingen ein Fingerhutmuseum eröffnet. Hier sind Fingerhüte aller Art und andere Nähutensilien sowie der „Fingerhüterzunft“ zu sehen.

Die Form des Fingerhutes gab der gleichnamigen Pflanzengattung Digitalis (von lateinisch digitus „Finger“) den Namen.

Formen, Größen, Trageweise[Bearbeiten]

Fingerhut mit quadratischen Einbuchtungen an der Spitze
Verschiedene Fingerhüte mit den am meisten gebräuchlichen runden "Grübchen" (Deutschland ca. erste Hälfte des 20. Jh.)

Meist sind Fingerhüte mit kleinen „Grübchen“ versehen, die es gestatten, die Nähnadel rutschsicher auf dem Fingerhut abzustützen. Sie werden in verschiedenen Größen hergestellt, die sich nach der Dicke der Finger der Arbeitshand richten. Fingerhüte können sowohl die Form eines Bechers haben (siehe Abbildung) als auch die Form einer beidseitig offenen Röhre, man nennt sie dann „Ring“ oder „Nähring“. Getragen werden sie im Allgemeinen auf dem Mittelfinger der Arbeitshand. Im Gegensatz zum Fingerhut, der beim Arbeiten ein Loslassen der Nadel und ein Nachdrücken mit dem Mittelfinger erfordert, wobei es notwendig ist, danach erneut die Nadel zu greifen, erlaubt der Nähring eine durchgehende Bewegung, denn die Nadel wird mit Daumen und Zeigefinger geführt, während gleichzeitig mit dem Mittelfinger auf das Öhr Druck ausgeübt wird, wodurch die Nadel durch den Stoff gleitet. Gegenüber dem Fingerhut erlaubt der Nähring eine dreifach schnellere Stichfolge.

Sonstige Verwendung von Fingerhüten[Bearbeiten]

In der Musik des Skiffle werden Fingerhüte (meist auf allen Fingern getragen) verwendet, um Schlaginstrumente zu bedienen. Besonders das Waschbrett lässt sich mit Fingerhüten durch Schlagen und Reiben sehr effektvoll bedienen.

Bei Saiteninstrumenten kann durch die Verwendung von Fingerhüten die durch eine bestimmte Anzahl von möglichen Tönen auf dem Griffbrett verursachte Begrenzung der Töne erweitert werden. Ein Vertreter dieser Technik ist beispielsweise Ron „Bumblefoot“ Thal.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fingerhut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien