Quintus Ennius

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Figur des jungen Quintus Ennius sitzend neben Dante (Raphael, Parnaß, Stanza della Segnatura (Vatikan)) 1510/1511

Quintus Ennius (* 239 v. Chr. in Rudiae (Apulien); † 169 v. Chr.) war ein Schriftsteller der Römischen Republik, der oft als Vater der römischen Poesie bezeichnet wird. Obwohl nur Fragmente seiner Werke überlebten, ist sein Einfluss – vor allem als Vermittler griechischer Literatur – auf die lateinische Literatur erheblich: er bevorzugte – im Gegensatz zu Naevius’ Saturnier – den daktylischen Hexameter, der durch ihn in der lateinischen Epik üblich wurde.

Leben[Bearbeiten]

Ennius wuchs mindestens dreisprachig (Lateinisch, Griechisch und Oskisch) auf. Im Zweiten Punischen Krieg diente er als Söldner in einer kalabrischen Hilfstruppe. In Sardinien traf er Cato den Älteren, der ihn dazu überredete 204 v. Chr. nach Rom zu gehen. Hier arbeitete er vermutlich als Hauslehrer und bekam dadurch Kontakt zu den griechenfreundlichen Kreisen des römischen Adels, darunter Scipio Africanus und der Konsul Marcus Fulvius Nobilior, der ihn als „Hofpoeten“ mit auf seinen Feldzug nach Ätolien nahm. Diese einflussreichen Mäzene verschafften ihm 184 v. Chr. das römische Bürgerrecht.

Werk[Bearbeiten]

Ennius’ Tragödien sind freie Nachdichtungen der griechischen Originale, unter anderem von Euripides. Seine berühmteren Werke sind Epicharmus, Euhemerus, Hedyphagetica, Saturae und die Annales.

Der Epicharmus präsentiert eine Aufstellung der Götter und der physikalischen Abläufe im Universum. Darin träumt der Dichter, er sei nach seinem Tod zu einem Ort himmlischer Erleuchtung gebracht worden.

Der Euhemerus präsentiert eine völlig andersartige theologische Lehre in scheinbar einfacher Prosa nach dem Griechen Euhemerus von Messene und verschiedenen anderen religiösen Schriftstellern. Entsprechend dieser Lehre waren die Götter des Olymp keine übernatürlichen Kräfte, die aktiv in die Angelegenheiten der Menschen eingreifen, sondern große Generäle, Staatsmänner und Erfinder aus alter Zeit, deren nach ihrem Tod auf außergewöhnliche Weise gedacht wird.

Die Hedyphagetica nahmen viel von ihrer Substanz aus dem feinschmeckerischen Epos des Archestratus von Gela, ein Werk gemeinsam mit den Epikureern. Die elf erhaltenen Hexameter haben prosodische Merkmale (das sind Akzent, Tonhöhe, Druckstärke), die in den seriöseren Annales vermieden werden.

Die Fragmente der sechs Bücher der Saturae zeigen eine erhebliche Vielfalt an Metren: Es gibt Anzeichen, dass Ennius die Metrik manchmal sogar innerhalb einer Komposition änderte. Ein häufiges Thema war das gesellschaftliche Leben des Ennius und seiner aristokratischen Freunde und deren intellektuelle Konversation.

Die Annales, sein Hauptwerk in 18 Büchern, sind ein episches Gedicht, das die römische Geschichte vom Fall Trojas bis zur Amtszeit von Cato dem Älteren als Censor im Jahr 184 v. Chr. abdeckt. Sie war ein Standardtext für römische Schulkinder, bevor sie schließlich von Vergils Aeneis verdrängt wurde.

Seitdem verlor sich das Interesse der Römer am Werk des Ennius, so dass es bloß in Fragmenten überliefert ist.

Ausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Angus Brooks: Ennius and Roman Tragedy. Ayer Company, Salem (New Hampshire) 1981.
  • Herbert Prinzen: Ennius im Urteil der Antike. Metzler, Stuttgart [u.a.] 1998.
  • Werner Suerbaum: Ennius in der Forschung des 20. Jahrhunderts. Eine kommentierte Bibliographie für 1900 - 1999 mit systematischen Hinweisen nebst einer Kurzdarstellung des Q. Ennius (239 - 169 v. Chr.). Olms, Hildesheim 2003.
  • Manfred Fuhrmann: Geschichte der römischen Literatur. Reclam, Stuttgart 2005.
  • Jackie Elliot: Ennius and the architecture of the Annales. Univ. Press., Cambridge 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Quintus Ennius – Quellen und Volltexte (Latein)
 Wikisource: Quintus Ennius – Quellen und Volltexte