Rötel

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Dieser Artikel behandelt die Mineralfarbe. Siehe auch: Röthel, Röteln.
Rötel (Hämatit), Fundort Irrgang (Bludná) in Böhmen

Rötel (auch „roter Ocker“) gehört zu den Mineralfarben und besteht aus einer weichen Mischung von Ton, Kreide und Hämatit (Fe2O3), einem Eisenoxidmineral. Der Hämatit verursacht dabei die tiefrote Farbe.

Der rote Farbstoff Rötel wurde zur Färbung der Verstorbenen und ihrer Gräber in der Bandkeramik- und in der Jamnaja- oder Ockergrabkultur verwendet. Daneben benutzte man die unterschiedlichsten Mineralien, nachgewiesen sind Ocker in Rixheim, Hämatit in Elsloo, Mangan in thüringischen Gräbern und eventuell Eisenhydroxid in Halle. Die Germanen benutzten Rötel, um Runen zu färben und ihnen damit für magische Zwecke Leben einzuhauchen. Die Griechen verwendeten Rötel als Farbe zum wasserfesten Anstrich von Schiffen. Die Römer verschönerten Häuser, Türpfosten und Deckenbalken mit Rötel.

Bei Ausgrabungen römischen vicus Wareswald bei Tholey wurde eine im 4. Jh. n. Chr. eingerichtete Rötelstiftmanufaktur entdeckt.[1] Der in der Nähe bis ins 20. Jh. abgebaute Rötel wurde von den Oberthaler Rötelkrämern in ganz Europa gehandelt.

Rötel wurde seit der Renaissance als Stift zum Zeichnen, vor allem für Skizzen und Entwürfe, verwendet, aber auch schon in der Höhle von Altamira bei Höhlenmalereien verarbeitet. Auch im Barock und Rokoko schätzten Künstler den rötlichen Farbstich. Die Rötelzeichnung ist nicht wischfest und muss fixiert werden. Heute ist sie weniger gebräuchlich.

Der Abbau von Rötel gehört zu den frühen Bergbauaktivitäten der Menschheit. So sind paläolithische Rötelgruben von der griechischen Insel Thasos, aus Polen, Tschechien und Ungarn bekannt.

Rötel eignet sich besonders für feine Strichzeichnungen, Porträts, Aktzeichnungen und figürliche Darstellungen. Das heute in der Kunst verwendete Rötel ist ein feinkörniges Mineralgemenge aus Tonblättchen (Schichtsilikaten), Quarz- und Feldspatkörnchen sowie Hämatit als Farbpigment. Im Handel wird Rötel in der Form von Vierkantstäbchen, als Mine für Klemmstifte und als Holzstift mit einem runden Kern aus Rötel angeboten.

Galerie[Bearbeiten]

Skizze, Schule von da Vinci, 1517


Literatur[Bearbeiten]

  • Chrysanthaki-Koukouli und Gerhard Weissgerber (1999): Prehistoric Ochre Mines on Thasos. Ergebnis Internationales Kolloquium Limenaria/Thasos (1995)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rötelzeichnungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eric Glansdorp, Römerzeitliche Rötelstift- und Rötelpulverproduktion im nördlichen Saarland. [Rötelstifte aus dem römischen vicus Wareswald bei Oberthal] In: E. u. E. Glansdorp (Hrsg.), Vor- und frühgeschichtliche Spuren im mittleren Primstal. Archäologische Ausstellungen im Heimatmuseum Neipel von 1997 bis 2012. Archäologische Funde im Saarland 2 (Tholey 2013) 253-271. ISBN 978-3-00-039212-2