Tholey

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Tholey (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Tholey
Tholey
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Tholey hervorgehoben
49.4838888888897.0375393Koordinaten: 49° 29′ N, 7° 2′ O
Basisdaten
Bundesland: Saarland
Landkreis: St. Wendel
Höhe: 393 m ü. NHN
Fläche: 57,56 km²
Einwohner: 12.264 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 213 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 66630–66636
Vorwahlen: 06853, 06888
Kfz-Kennzeichen: WND
Gemeindeschlüssel: 10 0 46 118
Gemeindegliederung: 9 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Im Kloster 1
66636 Tholey
Webpräsenz: www.tholey.de
Bürgermeister: Hermann Josef Schmidt (CDU)
Lage der Gemeinde Tholey im Landkreis St. Wendel
Nonnweiler Nohfelden Freisen Tholey Oberthal (Saar) Marpingen Namborn St. Wendel Rheinland-Pfalz Landkreis Merzig-Wadern Landkreis Saarlouis Landkreis NeunkirchenKarte
Über dieses Bild
Tholey, Panorama-Aufnahme vom Schaumberg

Tholey ([tolaɪ], Saarländisch Tole [2]) ist eine Gemeinde im Landkreis St. Wendel.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die Fremdenverkehrsgemeinde liegt etwa 30 km nördlich der Landeshauptstadt Saarbrücken im nördlichen Saarland.

Ortsteile[Bearbeiten]

Die Gemeinde Tholey besteht aus folgenden Ortsteilen:

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Tholeys Nachbargemeinden sind - im Uhrzeigersinn und im Norden beginnend - Nonnweiler, Nohfelden, Oberthal und Marpingen (alle im Landkreis St. Wendel), Eppelborn (Landkreis Neunkirchen), Lebach und Schmelz (beide im Landkreis Saarlouis) sowie Wadern (Landkreis Merzig-Wadern).

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm
Der Jahresniederschlag beträgt 1001 mm. Der Niederschlag liegt im oberen Drittel der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. Über 85 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der April; am meisten regnet es im Dezember. Im niederschlagsreichsten Monat fällt ca. 1,7-mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im oberen Drittel. In 67 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Erste Spuren einer Besiedlung auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Tholey gehen auf die Kelten zurück (siehe auch Iovantucarus). Vielfache Funde belegen eine ausgedehnte Besiedlung durch die Römer. So wurden etwa 2002 im Rahmen einer Notgrabung neue Erkenntnisse zum Siedlungskomplex "Schweichhaus" gewonnen.[3] Im Mittelalter waren weite Teile des heutigen Saarlandes der Abtei Tholey tributpflichtig. Zum Schutze der Abtei wurde auf dem Schaumberg eine Burg errichtet. Grundherrschaften waren Lothringen und Kurtrier.

Tholey liegt am Rande des Schaumberges, des „herausragenden“ Berges im Saarland und des Hunsrückrandes. Keltisch *dol(wo)bedeutet „herausragend“, auch enthalten im Namen des benachbarten Dollberges und im Namen der Loreley (ursprünglich Dorley), verwandt mit dem deutschen toll, doll. „Ley“ ist keltisch und germanisch und bedeutet „Felsen“. Tholey ist somit „das Dorf am herausragenden Felsen“. In Anbetracht der nahen keltisch/römischen Siedlung Vicus Wareswald wird auch die Herleitung des Namens Tholey und Theley von dem lateinischen Wort für Ziegel, „tegula“ öfters in Betracht gezogen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Rahmen der saarländischen Gebiets- und Verwaltungsreform wurden die bis dahin eigenständigen neun Gemeinden Bergweiler, Hasborn-Dautweiler, Lindscheid, Neipel, Scheuern, Sotzweiler, Theley, Tholey und Überroth-Niederhofen zur jetzigen Gemeinde Tholey zusammengeschlossen.[4][5]

Kirchengeschichte[Bearbeiten]

Der Legende nach war der Heilige Wendelin um 610 der Gründer und erste Abt der Benediktinerabtei. 1794 wurde das Kloster nach Zerstörung durch die Franzosen aufgehoben. Seit 1949 befindet sich im Ort wieder ein Benediktinerkloster der Beuroner Kongregation.

Jüdische Geschichte[Bearbeiten]

In Tholey bestand eine jüdische Gemeinde vom 18. Jahrhundert bis um 1940. Eine erste jüdische Familie wurde 1729 genannt. 1843 lebten 88 jüdische Personen in Tholey (9 % der Gesamteinwohnerschaft von 952 Personen), 1895 waren es 91. Eine Synagoge wurde am 4. Dezember 1863 durch Bezirksrabbiner Kahn aus Trier eingeweiht. Seit 1876 bestand eine jüdische Konfessionsschule. 1925 gehörten noch 50, 1935 41 Personen der jüdischen Gemeinde an. Unter der zunehmenden Entrechtung in der NS-Zeit und auf Grund des wirtschaftlichen Boykotts zogen viele in andere Städte oder wanderten aus. Nach den Deportationen wurden mindestens 20 der in Tholey geborenen oder dort längere Zeit ansässigen jüdischen Einwohner ermordet. Die Synagoge wurde 1937 verkauft und später abgebrochen. Auf ihren Grundmauern an der Trierer Straße wurde ein Wohnhaus errichtet.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[6]
Wahlbeteiligung: 68,4 % (2004: 64,9 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
58,7 %
23,6 %
8,9 %
4,8 %
4,0 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-9,8 %p
-3,7 %p
+8,9 %p
+4,8 %p
-0,2 %p

Der Gemeinderat mit 33 Sitzen setzt sich nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 wie folgt zusammen:

  58,7 %   20 Sitze
  23,6 %   8 Sitze
  8,9 %   3 Sitze
  4,8 %   1 Sitz
  4,0 %   1 Sitz

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1974–1983: Anton Schäfer, CDU
  • 1983–2003: Hans-Dieter Frisch, CDU
  • 2003–heute: Hermann-Josef Schmidt, CDU
Altes Wappen (bis 1974)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Landmarken[Bearbeiten]

Schaumbergturm nach Renovierung
  • Schaumbergturm: höchster Aussichtsturm im Saarland, Weltkrieg II-Gedenkstätte, Wettermessstation, Sendeanlagen

Museen[Bearbeiten]

  • Im Heimatmuseum Neipel wird die Geologie und Vor- und Frühgeschichte des Ortes und seiner Umgebung dokumentiert. Im Museum finden auch Sonderausstellungen statt.[7]
  • Das Kulturhistorische Museum Theulegium ist in fünf Themengruppen aufgeteilt: Geologie, Vor- und Frühgeschichte, Abtei St. Mauritius Tholey, Amt Schaumburg und Zeitgeschichte im Kellermuseum.[8]

Skulptur[Bearbeiten]

Nordwestlich des Ortsteils Sotzweiler befindet sich das Wortsegel, eine etwa 13 Meter hohe Stahlskulptur des aus dem Ort stammenden Künstlers Heinrich Popp.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bereits in römischer Zeit führte eine Straße von Metz über Tholey nach Mainz.

Tholey war ehemals über die Bahnstrecke St. Wendel-Tholey an das Bahnnetz angeschlossen.

Die Gemeinde ist heute durch die Bundesautobahn 1 (Oldenburg in HolsteinSaarbrücken) gut an das überregionale Straßennetz angebunden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

In Tholey geboren[Bearbeiten]

Mit Tholey verbunden[Bearbeiten]

Erwähnenswertes[Bearbeiten]

Das Vulkangestein Tholeiit ist nach Tholey benannt. Allerdings hat sich dessen Definition gewandelt, so dass das bei Tholey befindliche Vulkangestein nach heutiger Definition kein Tholeiit ist.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tholey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Saarland.de – Fläche und Bevölkerung – Stand: 31.12.2012 (Basis Zensus 2011) (PDF; 0,02 MB) (Hilfe dazu)
  2. Geoplatt (Version vom 13. November 2007 im Internet Archive)
  3.  Edith und Eric Glansdorp: Vor- und frühgeschichtliche Spuren im mittleren Primstal - Archäologische Ausstellungen im Heimatmuseum Neipel von 1997 bis 2012. Archäologie Büro & Verlag Glansdorp, Tholey 2013, ISBN 978-3-00-039212-2.
  4. Neugliederungsgesetz – NGG vom 19. Dezember 1973, § 37, veröffentlicht im Amtsblatt des Saarlandes 1973, Nr. 48, S. 857 (PDF Seite 29; 499 kB)
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 810.
  6. Die Landeswahlleiterin – Endgültiges Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2009
  7. Heimatmuseum Neipel
  8. Museum Theulegium
  9. Heinrich Habel u. Lothar Altmann: Die Bayerische Staatskanzlei, 10. Auflage, Regensburg 2013, S. 34-39.