Rauchschwalbe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rauchschwalbe
Rauchschwalbe (Hirundo rustica)

Rauchschwalbe (Hirundo rustica)

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Familie: Schwalben (Hirundinidae)
Gattung: Hirundo
Art: Rauchschwalbe
Wissenschaftlicher Name
Hirundo rustica
Linnaeus, 1758
Jagende Rauchschwalbe
Gesang einer Rauchschwalbe
Fünf Rauchschwalbeneier
Fünf Nestlinge
Fütterung
Fünf junge Rauchschwalben (circa 1 Woche alt) im Nest, das über einer Verteilerdose im Stall gebaut wurde.
Die fünf jungen Rauchschwalben sind nun circa 2 Wochen alt
Rauchschwalbenkinder auf einer Dampfleitung

Die Rauchschwalbe (Hirundo rustica) ist eine Vogelart aus der Familie der Schwalben (Hirundinidae). Sie ist ein Zugvogel.

Beschreibung[Bearbeiten]

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Die Rauchschwalbe ist etwa 19 bis 22 Zentimeter lang, davon entfallen zwei bis sieben Zentimeter auf die Schwanzspieße. Das Gewicht während der Brutzeit beträgt bei Männchen zwischen 16,1 und 21,4 Gramm, Weibchen wiegen zwischen 16 und 23,7 Gramm. Die Flügelspannbreite beträgt 32 bis 34,5 cm.

Die Rauchschwalbe ist sehr schlank mit charakteristischem tief gegabeltem und langem Schwanz. Der Rücken ist metallisch glänzend blau-schwarz. Die Unterseite ist rahmweiß. Charakteristisch ist auch die kastanienbraune Farbe an der Kehle, die ganz schwarz umrahmt ist, sowie an Stirn und Kinn. Auf den Steuerfedern (Schwanzfedern) befinden sich weiße Flecken, die bei gespreiztem Schwanz zu erkennen sind.

Flugbild und Fluggeschwindigkeit[Bearbeiten]

Der Flug der Rauchschwalbe ist verglichen mit dem der Mehlschwalbe reißender. Eine Rauchschwalbe fliegt mit 10-20 m/s bei 4-10 Flügelschlägen pro Sekunde. Die Flügelschlagfrequenz beträgt bei der Rauchschwalbe durchschnittlich 4,4 Schläge pro Sekunde und ist damit langsamer als bei der Mehlschwalbe mit 5,3 Schlägen pro Sekunde.[1] Grundsätzlich jagt die Rauchschwalbe in tieferen Luftschichten als die Mehlschwalbe. Rauchschwalben erjagen den größten Teil ihrer Beute in einer Flughöhe von sieben bis acht Metern.[2][3]

Stimme[Bearbeiten]

Der Ruf ist ein hohes „wid wid“. Der Gesang wird im Flug und auch von Warten vorgetragen und ist ein rasch fließendes, melodisches Gezwitscher aus vielen obertonreichen und einigen schnarrenden Elementen.

Lebensraum[Bearbeiten]

Die Art lebt in der offenen Kulturlandschaft, wo es Bauernhöfe, Wiesen und Teiche gibt. Die Tiere verbringen den Sommer zwischen April und September oder Anfang Oktober in ihren Brutgebieten. Diese liegen in ganz Europa, Nordwestafrika, den gemäßigten Gebieten Asiens und in Nordamerika bis hinauf zu einer Höhe von etwa 1000 Meter und bis zum Polarkreis. Die europäischen Rauchschwalben überwintern in Mittel- und Südafrika. Asiatische Winterquartiere gibt es in Indien und im Iran.

Ernährung[Bearbeiten]

Rauchschwalben jagen Fluginsekten aller Art. Dabei richten sie sich nach dem lokalen Angebot und suchen die Regionen in der Luft aus, die dem Wetter entsprechend das günstigste Angebot bieten. Wenn sie mit Mehlschwalben zusammen jagen, dann im Luftraum unter diesen.

Vermehrung[Bearbeiten]

Paarungsspiel[Bearbeiten]

Die Männchen der nordamerikanischen Rauchschwalbe werben mit ihren rötlich, kastanienbraunen Federn an der Kehle um die Gunst eines Weibchens. Je intensiver ihre Federfarben dort leuchten, umso größer ist ihr Paarungserfolg bei den Weibchen. Nach dem Paarungsspiel ergeben sich im Grunde dauerhafte Paarbindungen.

Paarbildung[Bearbeiten]

Unabhängig von der prinzipiellen Paarbildung paaren sich die Weibchen gelegentlich auch mit anderen Männchen und es ist durch DNA-Untersuchungen bewiesen, dass sich in den Gelegen immer auch Eier befinden, die von einem anderen Männchen als dem festen Partner befruchtet worden sind.

Hinsichtlich des Paarungsspiels und der Paarbildung bei nordamerikanischen Rauchschwalben hat die amerikanische Biologin Rebecca Safran von der Cornell University in Ithaca, New York, (USA) nachgewiesen, dass trotz einer dauerhaften Paarbindung die Männchen ihre Partnerinnen stets aufs Neue beeindrucken müssen. Vor jeder Brutsaison scheinen die Weibchen die Qualitäten ihres Partners neu zu bewerten. Macht ihr bisheriges Männchen im Vergleich zu einem anderen dabei keine gute Figur, legen sie ihrem Gatten gegebenenfalls wesentlich mehr „Kuckuckseier“ ins Nest. Das bedeutet, dass die Weibchen der nordamerikanischen Rauchschwalben ständig ihre Männchen sehr genau beobachten, rasch auf Veränderungen im Erscheinungsbild ihrer Partner reagieren und für diese das Paarungsspiel letztlich niemals beendet ist. [4]

Brut[Bearbeiten]

Zum Brüten und für die Aufzucht der Jungen baut die Rauchschwalbe offene, schalenförmige Nester aus Schlammklümpchen und Stroh auf einen Mauervorsprung oder Balken an der Wand in Ställen oder Scheunen und anderen offenen Innenräumen. In früheren Jahrhunderten flogen sie vielfach durch die Öffnungen im Giebel ein und aus, durch die auch der Rauch des Herdfeuers abzog. So erhielten sie den Namen Rauchschwalben. Da sie exzellente Flieger sind, reicht ihnen zum Verlassen des Gebäudes ein Fenster in Kippstellung. Die Nester werden immer wieder benutzt. Dort legt das Weibchen zwei- bis dreimal im Jahr vier bis fünf weiße, braunrot gefleckte Eier, die es 14 bis 17 Tage bebrütet. Beide Eltern füttern nach dem Schlüpfen noch 20 bis 22 Tage und die Jungen verlassen in diesem Alter auch erstmals das Nest. Interessant ist, dass die älteren Jungen beim Füttern der zweiten Brut helfen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Rauchschwalbe war 1979 Vogel des Jahres in Deutschland[5] und 2004 Vogel des Jahres in der Schweiz.[6]

Die Rauchschwalbe ist der Nationalvogel Estlands.

Die Rauchschwalbe ist Teil des Firmenemblems der chinesischen Fluggesellschaft China Eastern Airlines.

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold von Vietinghoff-Riesch: Die Rauchschwalbe. Duncker & Humblot, Berlin 1955
  • Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 2: Passeriformes – Sperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-648-0

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Felix Liechti, Bruderer, Lukas: Wingbeat frequency of barn swallows and house martins: a comparison between free flight and wind tunnel experiments. In: The Company of Biologists (Hrsg.): The Journal of Experimental Biology. 205, 2002, S. 2461–2467.
  2. Turner, S. 166
  3. Turner, S. 227
  4. Safran, R.J., C.R. Neuman, K.J. McGraw, and I.J. Lovette: Dynamic paternity allocation as a function of male plumage color in barn swallows, in: Science, 309:2210-2212, 2005
  5. Vogel des Jahres (Deutschland): 1979
  6. Vogel des Jahres(Schweiz): 2004

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rauchschwalbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien