Reitzenhain (Marienberg)

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50.56111111111113.219444444444779Koordinaten: 50° 33′ 40″ N, 13° 13′ 10″ O

Reitzenhain
Ortswappen
Höhe: 779 m
Einwohner: 289 (1. Jan. 2014)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1994
Eingemeindet nach: Hirtstein
Postleitzahl: 09496
Vorwahl: 037364
Reitzenhain (Sachsen)
Reitzenhain

Lage von Reitzenhain in Sachsen

Reitzenhain ist ein Ortsteil der sächsischen Stadt Marienberg im Erzgebirgskreis.

Blick auf Reitzenhain, gesehen vom Hirtstein
Rechts das Empfangsgebäude des Bahnhofs Reitzenhain

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt direkt an der deutsch-tschechischen Grenze in ca. 750 m ü. NN (Messpunkt am Bahnhofsgebäude: 778,223 m) an der Schwarzen Pockau auf dem Erzgebirgskamm. Südöstlich, am rechten Ufer des Grenzflusses befindet sich in Tschechien die Wüstung Pohraniční (Böhmisch Reizenhain).

Nachbarorte[Bearbeiten]

Kühnhaide
Steinbach Nachbargemeinden
Satzung

Name[Bearbeiten]

Der am Reitzenhainer Pass gelegene Gasthof (als Han bezeichnet) war sowohl von Leipzig als auch von Prag der Dreizehnte Han aus dem sich später die Ortsbezeichnung Reitzenhain entwickelt haben soll.[2] Zudem findet sich die Zahl „13“ im Ortswappen wieder.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wurde 1401 erstmals urkundlich als Reiczenstein erwähnt. Schon damals war Reitzenhain Grenzort zum benachbarten Böhmen. Im Jahr 1551 gehörte der Ort zur Parochie Großrückerswalde. 1607 kam Reitzenhain zur Parochie Kühnhaide, auch die Kinder gingen nach Kühnhaide zur Schule. Aufgrund der militärisch wichtigen Lage des Reitzenhainer Passes war er häufig durch Soldaten besetzt und gesperrt, so im Dreißigjährigen Krieg und im Siebenjährigen Krieg. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Straße zwischen Marienberg und Reitzenhain chausseemäßig ausgebaut. Am 23. August 1875 wurde die Bahnstrecke (Flöhatalbahn) von Chemnitz über Marienberg bis nach Komotau (Chomutov) eingeweiht. Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1879 gegründet. Ein Schulgebäude wurde 1882 eingeweiht. Ab 1891 begann der Torfabbau. Mit dem Anschluss des auf tschechischer Seite gelegenen Reizenhain erhält auch der Ortsteil Reißigmühle 1921 einen Anschluss ans Elektrizitätsnetz. Das Rathaus wurde 1924 eingeweiht. Am 1. Oktober 1937 wurde Kühnhaide nach Reitzenhain eingemeindet, erhielt jedoch am 1. April 1948 seine Eigenständigkeit zurück. Bei einem Bombenabwurf im Frühjahr 1945 wurde ein Gebäude zerstört und 14 Menschen getötet. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachen die wirtschaftlichen Verflechtungen mit Böhmen nach und nach zusammen, was den Niedergang des Ortes einleitete. Bis zum 31. Dezember 1993 war Reitzenhain eine eigenständige Gemeinde. Danach bildete der Ort gemeinsam mit Kühnhaide, Rübenau und Satzung die Gemeinde Hirtstein[3] mit Verwaltungssitz in Reitzenhain. Zum 1. Januar 2003 wurde Hirtstein nach Marienberg eingegliedert.[4] Hier lebte auch das Reitzenhainer Mannl, eigentlich Eugen Georg Schuffenhauer. Er war Gründer der Schuffenhauerschen Bewegung, einer sektenähnlichen Organisation, die im Erzgebirge Verbreitung fand.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[5][6]
1551/53 1 besessener Mann (Wirtshaus), 1 Hufe
1787 9 Häusler
1834 163
1871 269
1890 537
Jahr Einwohnerzahl
1910 791
1925 854
19391 1931
19461 1970
1950 913
Jahr Einwohnerzahl
1964 781
1990 659
2007 345
1 Reitzenhain mit Kühnhaide

Verkehr[Bearbeiten]

Am Grenzübergang nach Sebastiansberg in Tschechien endet die Bundesstraße 174 aus Chemnitz und führt als Nationalstraße 7 auf tschechischem Gebiet weiter nach Chomutov (Komotau). Früher war der Bahnhof Reitzenhain auch Grenzbahnhof an der sächsischen Bahnlinie Chemnitz–Flöha–Pockau–Marienberg–Reitzenhain und der Buschtěhrader Eisenbahn nach Chomutov.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der grenzüberschreitende Bahnverkehr nach Komotau (Chomutov) eingestellt, sodass der Bahnhof Reitzenhain seine Bedeutung verlor. Am 1. Oktober 1978 wurde der Personenverkehr und am 8. Januar 1994 der Güterverkehr zwischen Marienberg und Reitzenhain eingestellt, stillgelegt wurde dieser Abschnitt am 15. Dezember 1998.

Literatur[Bearbeiten]

  • Landratsamt Mittlerer Erzgebirgskreis, Hrsg.: Zur Geschichte der Städte und Gemeinden im Mittleren Erzgebirgskreis, Eine Zeittafel (Teile 1-3)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reitzenhain (Marienberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bergstadt Marienberg: Zahlen & Fakten, abgerufen am 16. Mai 2014
  2. Karl-Heinz Melzer: Wolkenstein–Jöhstadt–Preßnitztal. VEB Tourist Verlag, Berlin/ Leipzig, 1979, S. 61.
  3. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  5. vgl. Reitzenhain im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  6. Ortsteile der Stadt Marienberg auf marienberg.de, abgerufen am 21. Januar 2012