Rheinisches Landesmuseum Bonn

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Das Rheinische Landesmuseum Bonn (derzeitige Eigenbenennung LVR-LandesMuseum Bonn. Rheinisches Landesmuseum für Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte) des Landschaftsverbandes Rheinland gehört zu den ältesten Museen Deutschlands und stellt das zentrale archäologische, kunst- und kulturhistorische Museum zur Geschichte der Rheinlande dar.

Frontansicht des Rheinischen Landesmuseums Bonn

Geschichte[Bearbeiten]

Am 4. Januar 1820 wurde der Vorläufer des Museums als „Antiquitäten-Museum“ durch Erlass des preußischen Staatskanzlers Karl August von Hardenberg gegründet. Die Gründung des eigentlichen „Provinzialmuseums“ fand 1874 unter anderem durch Ernst aus'm Weerth und Hermann Schaaffhausen statt.

1877 wurde als Schwestermuseum für den moselländischen Teil der Rheinlande das Rheinisches Landesmuseum Trier gegründet.

Von 1997 bis 2003 wurde das Museum umgebaut und die Sammlungen neu aufgestellt. Im Jahr 2003 wurde das Museum nach umfangreicher Neukonzeption als „Themenmuseum“ wiedereröffnet.

Mitte 2010 wurde der „Steinzeitbereich“ neu gestaltet. Er ist unter anderem dem seit 1877 im Museum verwahrten Fossil Neandertal 1 gewidmet, dem Typusexemplar des Neandertalers. Im Juni 2014 wurde die neue Dauerausstellung "Kelten im Rheinland" eröffnet. Sie präsentiert u.a. die einmaligen Funde aus dem Grab der Fürstin von Waldalgesheim, der Fürstin von Wallerfangen und des Fürsten von Weiskirchen, den Goldschatz von Hambach-Niederzier, ein Modell einer eburonischen Siedlung, das Wagengrab von Bell und die Pfalzfelder Säule.

Weitere "Highlights" in der Dauerausstellung des Museums sind: die späteiszeitlichen Oberkasseler Menschen 12.000 Jahre v. Chr., der jungsteinzeitliche Brunnen von Kückhoven (5089 v. Chr.), der 3500 Jahre alte Fritzdorfer Becher, der Kenotaph des in der Varusschlacht 9 n. Chr. gefallenen römischen Centurio Marcus Caelius, ein einmaliger, schiefer römischer Reiterhelm und ein römischer Silberbecher aus Xanten-Lüttingen mit einer Hochzeitsdarstellung, die fränkische Grabstele von Niederdollendorf, die sogenannten Gustorfer Chorschranken und die Pietà Röttgen aus dem 14. Jahrhundert.

Direktoren

Museumsgebäude[Bearbeiten]

Ein eigenes Gebäude entstand von 1889 bis 1892 an der Colmantstraße nach Plänen des Landesbaurats Clemens Guinbert, die Bauleitung hatte der Bonner Regierungsbaumeister Karl Thoma inne[1]. Die Eröffnung des Neubaus erfolgte am 12. Juli 1893.[2][3][4] 1907/08 wurde er durch den Regierungsbaumeister Heinrich Roettgen (1863–1932) um einen zweigeschossigen Dreiflügelbau zur Bachstraße hin erweitert und angrenzend ein Dienstgebäude des Landeskonservators (Bachstraße 9) errichtet. 1934/35 erfuhr die Oberlichthalle des Erweiterungsbaus eine Umgestaltung.[5] Im Zweiten Weltkrieg wurde der „Gründungsbau“ an der Colmantstraße im Zuge des alliierten Luftkriegs bei dem verheerendsten der Bombenangriffe auf Bonn am 18. Oktober 1944 zerstört, während der Erweiterungsbau an der Bachstraße wiederhergestellt werden konnte. Von 1964 bis 1967 entstand als Ersatz für das zerstörte Gebäude auf Grundlage eines Architektenwettbewerbs an der Colmantstraße ein viergeschossiger Neubau nach Entwurf und Planung von Rainer Schell in Wiesbaden, zugleich wurde der ältere Erweiterungsbau an der Bachstraße purifiziert[5] und im Inneren dem Neubau angeglichen.[6]

Die bauliche Erweiterung und Umbau des Museums von 1997 bis 2003 erfolgten nach den Entwürfen der Architektengruppe Stuttgart um Architekt Knut Lohrer. Das Gebäude wurde an aktuelle museologische und ökologische Standards angepasst. Die zunächst für drei Jahre konzipierte Bauzeit hatte sich verdoppelt und die auf umgerechnet 45 Millionen Euro kalkulierten Kosten stiegen auf ca. 80 Millionen Euro.[7]

Dauerausstellung[Bearbeiten]

Die Dauerausstellung des Museums ist nach folgenden Themen gruppiert: Geheimnissen auf der Spur, Von den Göttern zu Gott, Szene Rheinland, Vom Überleben zum schöner Leben, Macht und Mächte, Das Rheinland und die Welt und Von der Ur- zur Stadtlandschaft. Dabei werden – unabhängig vom chronologischen Zusammenhang – Meisterwerke der Kunst neben einfachen Gebrauchsgegenständen präsentiert und sakrale Werke in der Nachbarschaft von Alltagsgeräten. Das Museum ist zudem im Besitz einer Grafik und Fotosammlung sowie eines Münzkabinetts. Im »Steinzeitbereich« wird neben dem Originalskelett des Neandertalers eine der besten vorgeschichtlichen Sammlungen Europas präsentiert. Die Zusammenstellung der Exponate zeigt die Evolution des Menschen von der Entwicklung des aufrechten Gangs über die Sesshaftwerdung bis zu den Kelten auf dem Sprung zur Hochkultur.

Ausstellungsstücke[Bearbeiten]

Zu den Ausstellungsstücken gehört auch das Merowinger-Kreuz von Moselkern, eine Basaltstele mit Christus am Kreuz vom Ende des 7. Jahrhunderts (Inv.Nr. 27679).

Fördervereine[Bearbeiten]

Wilhelm-Dorow-Gesellschaft[Bearbeiten]

Der Verein der Freunde und Förderer des Rheinischen Landesmuseums, die Wilhelm-Dorow-Gesellschaft, trägt den Namen des bedeutenden Archäologen und preußischen Hofrates Wilhelm Dorow. Auf Anordnung des Preußischen Staatskanzlers Karl August Fürst von Hardenberg wurde Dorow als erster Leiter des neugegründeten Museums ernannt.

Förderkreis Jugend im Museum[Bearbeiten]

Der Förderkreis Jugend im Museum e. V. bietet seit nunmehr über 30 Jahren "Ferien im Museum" für Kinder an. An Wochenenden werden darüber hinaus besondere Workshop-Angebote gemacht.

Kino[Bearbeiten]

Das Rheinische Landesmuseum bietet mittlerweile auch ein mit neuester Technik ausgestattetes Kino, welches vor allem wegen seiner guten Akustik sehr gelobt wird.

Dort werden hauptsächlich Filme in Originalsprache mit deutschen Untertiteln gezeigt. Im Rahmen der Ciné Fête zeigt das Rheinische Landesmuseum ein Mal im Jahr berühmte französische Filme in Sondervorstellungen für Schulklassen.

Literatur[Bearbeiten]

zur Museumsgeschichte
  • Rheinisches Landesmuseum Bonn. 150 Jahre Sammlungen. 1820–1970. (= Kunst und Altertum am Rhein Bd. 38). Rheinland-Verlag, Düsseldorf 1971, ISBN 3-7927-0140-5.
  • Bettina Bouresh: Die Neuordnung des Rheinischen Landesmuseums Bonn, 1930–1939. Zur nationalsozialistischen Kulturpolitik der Rheinprovinz. (= Kunst und Altertum am Rhein Bd. 141). Rheinland-Verlag, Köln 1996, ISBN 3-7927-1604-6.
zum Museumsgebäude
  • Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01150-5, S. 34.
  •  Ursel und Jürgen Zänker: Bauen im Bonner Raum 49–69. Versuch einer Bestandsaufnahme. In: Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Kunst und Altertum am Rhein. Führer des Rheinischen Landesmuseums Bonn. Nr. 21, Rheinland-Verlag, Düsseldorf 1969, S. 174–175.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rheinisches Landesmuseum Bonn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landeskonservator Rheinland (Hrsg.): Die Bonner Südstadt, Arbeitsheft 6, Zweite, veränderte Auflage, Rheinland-Verlag, Köln 1976, ISBN 3-7927-0265-7, S. 21.
  2. Bettina Bouresh: Die Neuordnung des Rheinischen Landesmuseums Bonn, 1930–1939: zur nationalsozialistischen Kulturpolitik der Rheinprovinz, Rheinland Verlag, 1996, ISBN 9783792716045, S. 168.
  3. Geschichte des Museums, Rheinisches Landesmuseum
  4. Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Bonn. L. Schwann, Düsseldorf 1905, S. 187 (=Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 5, Abt. 3, S. 483). (Unveränderter Nachdruck Verlag Schwann, Düsseldorf 1981, ISBN 3-590-32113-X) (Internet Archive)
  5. a b Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn.
  6. Ursel und Jürgen Zänker: Bauen im Bonner Raum 49–69. Versuch einer Bestandsaufnahme. In: Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Kunst und Altertum am Rhein. Führer des Rheinischen Landesmuseums Bonn
  7. General-Anzeiger Bonn vom 21. November 2012, S. 17 [1].

50.7319444444447.0925Koordinaten: 50° 43′ 55″ N, 7° 5′ 33″ O