Richard Glazar

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Richard Glazar (* 29. November 1920 in Prag als Richard Goldschmid; † 20. Dezember 1997 ebenda) war ein tschechischer Überlebender des Vernichtungslagers Treblinka.

Leben[Bearbeiten]

Richard Glazar lebte bis zum Einmarsch der Deutschen bei seiner jüdisch-böhmischen Familie in Prag. Sein Vater war Offizier der k.u.k. Armee.

Bis Mitte 1942 gelang es Glazar, sich in einem Dorf zu verstecken. Im September 1942 verschleppten ihn die Besatzer ins KZ Theresienstadt. Schon im Oktober wurde er ins Vernichtungslager nach Treblinka deportiert. Beim Aufstand von Treblinka am 2. August 1943 gelang es vielen Häftlingen, unter ihnen Glazar, zu flüchten. Während die meisten Flüchtlinge aber in der Nähe des Lagers aufgegriffen und getötet wurden, glückte Glazar die Flucht. Mit seinem Mithäftling Karel Unger schlug er sich durch Polen nach Deutschland durch. In der Heinrich Lanz AG in Mannheim überlebte er mit falschen Papieren als Fremdarbeiter die letzten zwei Kriegsjahre.

Nach dem Krieg studierte Glazar in Prag mit dem Abschluss als Wirtschaftsingenieur. Er wurde erneut verfolgt. Diesmal von Stalinisten: Er galt als „politisch unzuverlässiges Element“ und flüchtete nach dem Scheitern des Prager Frühlings 1969 in die Schweiz.

1963 und 1971 sagte er in den Düsseldorfer Prozessen als einer von 54 Überlebenden des Aufstandes in Treblinka gegen die angeklagten Täter aus. Glazar bestach in seinen Aussagen durch sein phänomenales Gedächtnis, äußerste Klarheit und ein ungewöhnliches Differenzierungsvermögen, das ihm höchste Anerkennung als Zeuge durch die Richter eintrug. Viele seiner Aussagen fanden Eingang in die Urteilstexte. In einem langen Gespräch mit Claude Lanzmann für dessen Dokumentarfilm Shoah (1974–1985) berichtete Glazar sehr detailliert über seine Erlebnisse im Vernichtungslager Treblinka. In seinen letzten Lebensjahren hielt er zahlreiche Vorträge an Hochschulen und Kultureinrichtungen über sein Schicksal als Überlebender von Treblinka. Ebenso veranstaltete er mit Schulklassen Lesungen und Diskussionsrunden, um sein Erlebtes zu vermitteln.

Sein unmittelbar nach Kriegsende verfasster Erlebnisbericht Die Falle mit dem grünen Zaun ist nicht nur ein bewegendes Buch, sondern auch für Historiker eine wichtige Quelle zu einem Vernichtungslager.

Am 20. Dezember 1997 nahm sich Richard Glazar nach dem Tod seiner Frau durch einen Sturz aus dem Fenster des Prager jüdischen Seniorenheimes das Leben.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Falle mit dem grünen Zaun. Überleben in Treblinka, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1992, mit einem Vorwort von Wolfgang Benz; Neuausgabe: Unrast-Verlag 2008, ISBN 978-3-89771-819-7.

Weblinks[Bearbeiten]