Kladno

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Kladno. Für die gleichnamige Gemeinde im Okres Chrudim, siehe Kladno u Hlinska.
Kladno
Wappen von Kladno
Kladno (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Středočeský kraj
Bezirk: Kladno
Fläche: 3696 ha
Geographische Lage: 50° 9′ N, 14° 6′ O50.14305555555614.105277777778381Koordinaten: 50° 8′ 35″ N, 14° 6′ 19″ O
Höhe: 381 m n.m.
Einwohner: 68.519 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 272 01
Kfz-Kennzeichen: S
Verkehr
Bahnanschluss: Praha–Chomutov
Kralupy nad Vltavou–Kladno
Struktur
Status: Statutarstadt
Ortsteile: 6
Verwaltung
Bürgermeister: Dan Jiránek (Stand: 2006)
Adresse: nám. Starosty Pavla 44
272 52 Kladno
Gemeindenummer: 532053
Website: www.mestokladno.cz
Lageplan
Lage von Kladno im Bezirk Kladno
Karte

Kladno ist eine Industriestadt in der Mittelböhmischen Region in Tschechien. Sie liegt 25 km nordwestlich von Prag.

Geschichte[Bearbeiten]

Eisenwerke (um 1930)

Der Ort Kladno wurde zum ersten Mal 1318 erwähnt. 1561 erfolgte die Erhebung zur Stadt, mit der das Privileg zur Berechtigung von zwei Jahrmärkte und auch Wochenmärkten verbunden war. Das der Stadt verliehene Stadtwappen zeigt auf blauem Feld einen halben silbernen Adler und einen Luchs in natürlichen Farben.

Die Stadt blieb bis Anfang des 19. Jahrhunderts eher unbedeutend, erst die Entdeckung von Kohle um 1840 machte sie zu einem industriellen Zentrum. 1830 erfolgte die Inbetriebnahme der zweiten öffentlichen Pferdebahn auf dem europäischen Festland zwischen Weiche/Vejhybka bei Maßhaupt (heute Kladno-Výhybka), die 1863 von der Buschtěhrader Eisenbahn übernommen und durch eine Dampfeisenbahn ersetzt wurde. 1850 wurde die Kohlengrube Lucerna eröffnet, 1889 das Stahlwerk Poldihütte. Kladno wurde so zu einem der Zentren der Industrialisierung in Böhmen und hatte deshalb auch eine sehr aktive Arbeiterbewegung. 1918–1920 fanden hier viele Streiks und Demonstrationen statt.

Rathaus

Während der deutschen Besatzung war die Repression hier besonders stark, besonders bekannt wurde die Ermordung der Bevölkerung des nahegelegenen Dorfes Lidice (Liditz).

Nach 1945 sollte die Stadt zu einer kommunistischen Musterstadt ausgebaut werden und wurde daher zeitweise sehr gefördert, heute hat sie mit einer Reihe von Umweltproblemen zu kämpfen.

Ortsteile[Bearbeiten]

  • Dubí (Eichen)
  • Kladno - Stadt
  • Kročehlavy (Maßhaupt)
  • Rozdělov (Markscheid)
  • Švermov (1957 durch Zusammenlegung von Hnidousy (Nidaus) und Motyčín (Motitschin) gebildet)
  • Vrapice (Rapitz)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

FrankreichFrankreich Vitry-sur-Seine, Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Bellevue (Washington) und DeutschlandDeutschland Aachen.[2]

Bildung[Bearbeiten]

Kladno ist Standort der Fakultät für Biomediziningenieurwesen der Tschechischen Technischen Universität.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Häuser in Rozdělov aus der Zeit 1953–1957
  • Das Schloss war ursprünglich eine befestigte Anlage, von welcher das gotische Kellergewölbe erhalten blieb. In den 1560-er Jahren wurde eine dreiflügelige Anlage im Renaissancestil erbaut, welche 1738–1740 unter Bauleitung des Architekten Kilian Ignaz Dientzenhofer ihre jetzige barocke Gestalt erhielt. Im Westflügel befindet sich eine dem hl. Laurentius geweihte Kapelle mit Fresken von J. K. Kolář. Das Schloss beherbergt die Städtische Schlossgalerie und das Heimatmuseum Kladno sowie eine Zweigstelle der Städtischen Bücherei. Im Schlossgarten befindet sich ein Bärenzwinger.
  • Das Rathaus wurde 1897–1898 im Neorenaissancestil errichten. Der Giebel ist mit einem Triptychon geschmückt, das Figuren aus dem Bergbau- und Hüttenwesen zeigt. Es ist Sitz der Verwaltung der Statutarstadt Kladno.
  • Die Kirche Mariä Himmelfahrt (Kostel Nanebevzetí Panny Marie) entstand Ende des 19. Jahrhunderts an der Stelle einer gotischen Kirche aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde als dreischiffige Basilika im Stil der Neuromanik errichtet.
  • Die fast 30 m hohe Mariensäule wurde in den Jahren 1739–1741 nach einem Entwurf von Kilian Ignaz Dientzenhofer vom Bildhauer Karl Joseph Hiernle geschaffen. Früher befand sich an dieser Stelle der Pranger.
  • Der Brunnen mit einer Figur des hl. Johannes von Nepomuk wurde im Jahr 2003 erneuert. Das Original aus dem Jahr 1706 war 1819 zerstört worden; die Reste lagen dann bis zu einer Restaurierung im Jahr 1968 im Dekanatsgarten
  • Brauerei Kladno[3]
  • Poldi-Muzeum
  • Das Gästehaus der Poldi Hütte (Dům hostů Poldiny hutě, auch „Poldihaus“) an der Příční ulice von Josef Hoffmann, Architekt der Wiener Werkstätte, aus dem Jahre 1903
  • Kloster, erbaut nach Plänen von Carlo Lurago

Sport[Bearbeiten]

Kladno ist Heimat des Eishockeyclubs HC Geus Okna Kladno sowie des Fußballvereins SK Kladno.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Im Ort lebten und wirkten[Bearbeiten]

  • Rudolf Battěk, tschechischer Soziologe, Dissident und Politiker
  • Marie Majerová, tschechische Prosaistin, Journalistin, verbrachte ihre Jugend in Kladno, 1947 wurde ausgezeichnet als Nationalkünstlerin
  • Svatopluk Karásek, tschechischer evangelischer Pfarrer, Liedermacher und Abgeordneter, arbeitete in hiesigen Bergwerken
  • Miroslav Kárný, tschechischer Historiker und Holocaust-Forscher
  • Jiří Kolář, tschechischer Dichter und bildender Künstler
  • Ota Pavel, tschechischer Schriftsteller, Sportpublizist, Erzähler und Journalist, während des Krieges als „Mischling“ verfolgt, lebte hier in der Nähe und arbeitete zeitweise als Bergbauarbeiter
  • Karl Wittgenstein, österreichischer Unternehmer, gründete 1889 in Kladno das Stahlwerk Poldi
  • Karl Adalbert Lanna, böhmischer Industrieller
  • Jiří Dienstbier, Sohn des gleichnamigen Politikers Jiří Dienstbier und ebenfalls tschechischer Politiker.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kladno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. MěstoKladno.cz: Partnerská města Kladna
  3. http://www.pivovarkladno.cz/pivovar/budoucnost.html