Rosengård

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Gebäudekomplex Chinesische Mauer in Rosengård

Rosengård ist ein Teil des Stadtbezirks Ost (Stadsområde Öster) der südschwedischen Stadt Malmö. Die Großwohnsiedlung wurde in den 1960er und 1970er-Jahren im Zuge des Millionenprogramms der schwedischen Regierung beplant und gebaut. Heute ist Rosengård durch starke soziale Segregation und einen hohen Einwohneranteil an Migranten gekennzeichnet. "Rosengård" hat eine Fläche von 332 ha[1] und 23.563 Einwohner (31. Dezember 2012).[2]

Lage[Bearbeiten]

Rosengårds Bezirksteile (delområden)
Rückseite der Chinesischen Mauer

Der frühere Stadtteil Rosengård wurde im Juli 2013 mit dem Stadtteil Husie zum Stadtbezirk Öster zusammengeschlossen.[3]

Rosengård besteht aus sieben Bezirksteilen (delområden): Apelgården, Herrgården, Kryddgården, Törnrosen, Örtagården, Persborg und Västra Kattarp, östlich des Malmöer Zentrums im Stadtbezirk Söder. Hinzu kommen Östra Kyrkogården, Emilstorp und Rosengård centrum. Es grenzt im Uhrzeigersinn an den Stadtbezirk Norr, die frühere Stadtteil Husie, sowie die Stadtbezirke Söder und Innerstaden.

Demographie[Bearbeiten]

Jahr Einwohner[4]
1961 5.250
1971 23.112
1981 18.006
1991 17.190
2001 21.027
2004 21.526
2012 23.563[2]

Einwanderer nach Herkunft[Bearbeiten]

86 % der Einwohner haben einen Migrationshintergrund.

Land (2004)[4] Erste Generation Zweite Generation[5] Entspricht
Jugoslawien 2,987 1,244 4,231
Irak 2,482 753 3,235
Bosnien und Herzegowina 1,400 254 1,654
Libanon 1,310 1,386 2,696
Polen 520 142 662
Insgesamt 12,681 5,355 18,036
Anteil 59 % 25 % 84 %

Soziale Probleme[Bearbeiten]

62 % sind arbeitslos.

Die Rosengård-Studie 2009[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 wurde eine stark kritisierte Studie über Rosengård präsentiert.[6] Laut der Studie erfassen die offiziell in Rosengård registrierten Menschen nur die Hälfte der tatsächlichen Einwohner und es soll eine zunehmende Radikalisierung in den vergangenen fünf Jahren gegeben haben: „Eine kleine Zahl von Extremisten bekommt immer mehr Macht über immer mehr Menschen“, sagte der Konfliktforscher Magnus Ranstorp, einer der Autoren des Rapports. „Frauen, die früher nie Schleier trugen, werden dazu gezwungen, patriarchalische Machtstrukturen werden zementiert.“ In 1 bis 3 der etwa 15 Kellermoscheen wurden laut der Studie „Gewalt verherrlichende Botschaften“ verbreitet, und 13- oder 14-jährige Mädchen aus islamischen Familien wurden während des Urlaubs in der Heimat der Eltern zwangsverheiratet. Die Zurückgekehrten lebten laut der Studie als Hausfrau und außer Haus bewegten sie sich nur mit Schleier verhüllt, selten aus freiem Willen sondern aus Angst vor einigen „Gesinnungspolizisten“, d.h. Gruppen männlicher Jugendlicher, die diejenigen drangsalieren die sich ihrer Meinung nach „unislamisch“ verhalten. Zudem sollen die Zuhörer in einigen der Kellermoscheen und islamischen Freischulen von radikalen Predigern aufgefordert worden sein, die schwedische Gesellschaft zu meiden und demokratische Grundregeln zu missachten. Von öffentlichen Schulen verlangten einige Eltern, dass Jungen und Mädchen nicht in der gleichen Schulbank saßen und während die Jungen am Sportunterricht teilhatten sollten Mädchen nähen lernen. Die Studie wurde aber nur mit Informationen von 30 indirekten Quellen geschrieben, ohne eigene Observationen in Rosengård, und wurde stark kritisiert.[7]

Krawalle 2008[Bearbeiten]

Zwischen dem 18. und 20. Dezember 2008 kam es im Bezirksteil Herrgården zu schweren Krawallen zwischen überwiegend Jugendlichen und der Polizei. Vorangegangen war die geplante Räumung einer besetztgehaltenen Kellermoschee. Mehrere PKW gerieten in Brand, es kam auch zu Bombendrohungen gegen eine Tankstelle. Jugendliche zwangen selbst Rettungskräfte durch Steinwürfe und Feuerwerkskörper zum Rückzug, und mehrere Personen wurden im Zusammenhang mit den Unruhen festgenommen.[8] Nach offiziellen Angaben standen vor allem autonome Kräfte hinter den Unruhen und eine Vereinigung der Autonomen bekannte sich auch dazu.[9][10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Zlatan Ibrahimović (*1981), weltweit bekannter Fußballer, wuchs in Rosengård auf; er beschreibt seine Jugend in Rosengård in seiner Autobiographie.[11]
  • Yksel Osmanovski (*1977), ehemaliger Fußballspieler in Schweden und Italien, auch Frankreich, wuchs in Rosengård auf.
  • Daniel Cirera (*1976), Sänger und Komponist, wuchs die ersten elf Jahre in Rosengård auf.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Områdesfakta Rosengård. (PDF; 34 kB) Malmö stad, 2008
  2. a b Befolkning i stadsområden, stadsdelar och delområden i Malmö 2012-12-31. (schwedisch; MS Excel; 90 kB) Malmö stad, abgerufen am 5. Juli 2013
  3. Därför skapar vi stadsområden (schwedisch) Auf der Webseite der Gemeinde Malmö, abgerufen am 4. Juli 2013
  4. a b Områdesfakta Rosengård (PDF; 43 kB)
  5. Bezieht sich nur auf in Schweden geborene Kinder mit beiden Elternteilen aus den entsprechenden Ländern
  6. Magnus Ranstorp, Josefine Dos Santos. Hot mot demokrati och värdegrund - en lägesbild från Malmö (PDF; 193 kB). Försvarshögskolan, 28. Januar 2009.
  7. Mattias Gardell: Oseriös larmrapport om Rosengård. Svenska Dagbladet 6. Februar 2009
  8. Polisen attackerad i Rosengård, Helsingborgs Dagblad, 19. Dezember 2008
  9. 18 omhändertogs Sydsvenskan, 18. Dezember 2008
  10. AFA Julia Malmö: Rosengård - Kravallerna fortsätter, motkraft.net, 19. Dezember 2008
  11. Zlatan Ibrahimović und David Lagercrantz: Jag är Zlatan, Albert Bonniers, 2011 (schwedisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rosengård – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien


55.58611111111113.044444444444Koordinaten: 55° 35′ N, 13° 3′ O