Rzeczpospolita

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Dieser Artikel behandelt den geschichtlichen Begriff. Für die polnische Tageszeitung, siehe Rzeczpospolita (Zeitung), die mit diesem Namen bezeichneten polnischen Republiken werden unter Polnische Republik geklärt.

Rzeczpospolita [ʒɛt͡ʃpɔsˈpɔlita]?/i ist an den lateinische Begriff res publica (Republik) angelehnt. Im Gegensatz zur lateinischen Bedeutung 'öffentliche Sache' bedeutet jedoch der polnische Begriff wörtlich 'gemeinsame Sache'.

Das polnische Wort ist ins Litauische phonetisch unverändert eingegangen, wird aber Žečpospolita geschrieben und beschreibt in erster Linie die gemeinsame Adelsrepublik von 1569 bis 1795.

Rzeczpospolita nach ihrer Gründung 1569
  • Erste Rzeczpospolita (I RP), auch die "Adelsrepublik" genannt, bezeichnet die Union Polen-Litauen von 1569 bis 1795. Sie war eine parlamentarische Wahlmonarchie unter der Beteiligung des Adelsstandes an allen wichtigen politischen Entscheidungen.

Der Anteil vom Adel (Szlachta) an der Gesamtbevölkerung betrug je nach Jahrhundert zwischen 8 und 12 %. Alle Adeligen hatten unabhängig vom Besitz und Rang die gleichen Bürgerrechte und politischen Rechte (Immunität am Leib, Leben und Besitz) und unterlagen aufgrund ihrer Verpflichtung zum Militärdienst einem gesenkten Steuersatz. Damit waren über 10 % der Bewohner an der politischen Willensbildung beteiligt, was für die Verhältnisse der frühen Neuzeit außerordentlich viel ist.

Als Gründungsjahr der I Rzeczpospolita gilt 1569, als Polen und Litauen, bis dahin in Personalunion regiert, sich in der im Vertrag von Lublin zu einer Realunion (Republik der polnischen Krone und des Großfürstentums Litauen) zusammenschlossen. Der neue Staat übernahm die Verfassung Nihil Novi vom 1505. Amtssprache der Republik war Latein, um die Gleichberechtigung beider Staaten zu gewährleisten und da man bewusst an die Tradition der römischen Republik anknüpfen wollte.

Im späten 17. und 18. Jh. wurde im Parlament (Sejm) das Prinzip der Einstimmigkeit, lat. Liberum veto etabliert, was dieses Gremium oftmals beschlussunfähig machte und letztendlich den Niedergang der Rzeczpospolita beschleunigte. Zusätzlich bildeten sich seit dem frühen 18. Jahrhundert innerhalb des polnischen Großadels rivalisierende Allianzen (so genannte Konföderationen), die untereinander kompromisslos um die Macht rangen und sich zu diesem Zweck auch mit Nachbarstaaten verbündeten.

1791 gab sich die I. Rzeczpospolita die erste Verfassung Europas, in der u. a. das Liberum Veto abgeschafft und viele Reformen beschlossen wurden. Die kamen jedoch zu spät. Fremde Einmischung und Expansionspolitik Russlands und Preußens führten letztendlich dazu, dass das Land 1795 aufgelöst wurde.

1918, nach dem Ersten Weltkrieg, in dem sich die Teilungsmächte gegenüber standen, konnten Polen und Litauen ihre Unabhängigkeit wiedererlangen. Sie bildeten jedoch keine Union mehr. Im Gegensatz zu Litauen knüpfte Polen an die alte Staatstradition an.

Die Volksrepublik Polen (poln. Polska Rzeczpospolita Ludowa, PRL) - 1945–1989 wird aufgrund sowjetischer Fremdbestimmung in der Zählung ausgeklammert.

Republiken anderer Nationen werden im Polnischen als „republika“ bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Norman Davies: Im Herzen Europas. Geschichte Polens. C.H. Beck, München 2006
  • Rudolf Jaworski / Christian Lübke / Michael G. Müller: Eine kleine Geschichte Polens. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2000
  • Jerzy Lukowski: The partitions of Poland 1772, 1793, 1795. Longman, London 1999
  • Hans Roos: Polen von 1668 bis 1795, in: Theodor Schieder / Fritz Wagner (Hrsg.): Handbuch der Europäischen Geschichte. Bd. 4: Europa im Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung. Klett-Cotta, Stuttgart 1968