Sadegh Laridschani

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Sadegh Laridschani (* 1960 in Nadschaf im Irak) ist ein schiitischer Geistlicher mit dem Titel Hodschatoleslam, seit 2001 Mitglied des Wächterrats[1] und ist seit dem 15. August 2009 neuer Chef der Justiz des Iran.[2] Er ist Nachfolger von Mahmud Hashemi Shahrudi, dessen Amtszeit von Revolutionsführer Ayatollah Ali Chamene'i nicht mehr verlängert wurde. Zeitgleich mit der Ernennung von Laridschani nach den umstrittenen Wahlen 2009 im Iran wurde der von Argentinien wegen Mordes gesuchte und bei Interpol [3] zur Verhaftung ausgeschriebene Ahmad Vahidi Verteidigungsminister.

Auseinandersetzung mit Abdolkarim Soroush[Bearbeiten]

Im Jahre 1992 verfasste Sadegh Laridschani ein Buch zur Widerlegung von Abdolkarim Soroush. In dieser Widerlegung mit dem Titel "Religiöse Erkenntnis" (Maʿrefat-e dīnī) wies er vor allem Soroushs Theorie von der Wandelbarkeit der religiösen Erkenntnis zurück. Laridschani hat sich allerdings immer für eine argumentative Auseinandersetzung mit Soroush ausgesprochen. Als Soroush im Oktober 1995 in einer Teheraner Universität verprügelt wurde, forderte er öffentlich, dass Soroushs Ideen diskutiert werden müssten, aber nicht pauschal abgelehnt werden dürften.[4]

Systematische Rechtsbeugung[Bearbeiten]

Laridschani trägt Mitverantwortung für eine rechtsbeugende Willkürjustiz, die - unter Verstoß der Iranischen Verfassung, die Religionsfreiheit vorsieht - Mitglieder des Bahai-Glaubens unter vorgeschobenen Gründen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt[5].

Obwohl im Justizsystem des Islamischen Republik Irans häufig minimale Standards fehlen[6] und auch massiv gegen islamisches Recht verstoßen wird, welches die Todesstrafe nur nach umfangreicher Beweissicherung zulässt, ist für Sadegh Laridschani die westliche Kulturinvasion vergleichbar mit einer militärischen Invasion. Er erklärte, er habe sich viele Jahre darauf vorbereitet, der kulturellen Invasion entgegenzutreten[7].

Familie[Bearbeiten]

Sadegh Laridschani ist Sohn des Ajatollahs Hashem Amoli und der jüngere Bruder des iranischen Parlamentspräsidenten Ali Laridschani, die weiteren Brüder sind: Mohammad-Javad Laridschani, Direktor des Instituts für theoretische Physik und Mathematik in Teheran, Bagher Laridschani, Direktor der Tehran University of Medical Sciences und Fazel Laridschani, iranischer Kulturattaché in Ottawa. „Die Familie Laridschani mit vier einflussreichen Brüdern verkörpert wie keine andere die Intellektuellen der Islamischen Republik.“[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Larijani to succeed Shahroudi as Judiciary chief Press TV vom 12. August 2009
  2. Chamenei ernennt neuen Chef des Justizsystems Focus online vom 15. August 2009
  3. Interpol: Wanted: Vahidi, Ahmad
  4. Vgl. Katajun Amirpur: Die Entpolitisierung des Islam. ʿAbdolkarīm Sorūšs Denken und Wirkung in der Islamischen Republik Iran. Ergon, Würzburg, 2003. S. 168-173.
  5. Zeitschrift Stern, 9. August 2010: Iran verurteilt Bahai zu langen Haftstrafen
  6. Der Spiegel: Homosexualität unter Strafe. Iran will 18-Jährigen trotz falscher Vorwürfe hinrichten
  7. Sadegh Laridschani gilt als Hardliner Die Zeit online vom 16. August 2009
  8. Risse und Gräben faz.net vom 5. August 2009