Sainte Marie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Insel in Madagaskar. Siehe auch: Schacht Sainte Marie, Sault Sainte Marie bzw. Sainte-Marie.
Sainte Marie
(Nosy Boraha)
Strand von La Criquean der Westküste
Strand von La Crique
an der Westküste
Gewässer Indischer Ozean
Geographische Lage 16° 50′ S, 49° 55′ O-16.83333333333349.916666666667112Koordinaten: 16° 50′ S, 49° 55′ O
Sainte Marie(Nosy Boraha) (Madagaskar)
Sainte Marie(Nosy Boraha)
Länge 49,2 km
Breite 7 km
Fläche 200 km²
Höchste Erhebung Davolo
112 m
Einwohner 16.325 (2001)
82 Einw./km²
Hauptort Ambodifotatra
Lage der Insel vor der Ostküste Madagaskars
Lage der Insel vor der Ostküste Madagaskars

Sainte Marie (Nosy Boraha) ist eine 49,2 Kilometer lange und zwei bis sieben Kilometer breite Insel mit 16.000 Einwohnern, wenige Kilometer von der madagassischen Ostküste entfernt. Sie gehört zur Provinz Toamasina. Die Hauptstadt der Insel ist Ambodifotatra.

Erreichbarkeit[Bearbeiten]

Sainte Marie kann mit dem Flugzeug oder mit dem Schiff erreicht werden. Air Madagascar fliegt praktisch täglich von der Hauptstadt Antananarivo meist mit einem Zwischenhalt in der Provinzhauptstadt Toamasina nach Sainte Marie zum Flughafen in der Nähe von Ankarena und zurück. Man kann aber auch mit dem Buschtaxi nach Soanierana Ivongo fahren, um von dort mit dem Boot überzusetzen. Letzteres ist billiger aber langwieriger und von der Witterung abhängig.

Geschichte[Bearbeiten]

Der madagassische Name Nosy Boraha bedeutet Insel des Ibrahim und ist ein Hinweis auf eine frühe arabische Besiedlung.

Piratenfriedhof auf Sainte Marie
Französische Briefmarke von 1892 für die Kolonie Sainte Marie de Madagascar

Im Verlaufe des 17. und 18. Jahrhundert war die Insel Stützpunkt von bekannten Piraten wie William Kidd, Henry Every, Thomas Tew, John Bowen, und La Buse. (Siehe auch: Geschichte der Piraterie) Sie lebten auf île aux Forbans, einer kleinen Insel in der Bucht von Ambodifotatra. Überreste ihrer Piratenschiffe liegen noch heute in wenige Meter Tiefe in der Bucht. Ein kleiner Piratenfriedhof in der Nähe von Ambodifotara zeugt von dieser bewegten Vergangenheit der Insel. Die europäischen Piraten haben aber auch ihre Spuren durch ihre Nachkommen hinterlassen - blaue oder grüne Augen bei einigen Inselbewohnern lassen zumindest die Vermutung zu.

Der französische Pirat „La Bigorne“ brachte zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine Gruppe französischer Siedler auf die Insel und heiratete eine Betsimisaraka-Prinzessin. Der gemeinsame Sohn trat die Insel 1750 nach dem Tode seines Vaters an Frankreich ab. Zwei Jahre später wurden die Siedler jedoch von Betsimisaraka ermordet und die kleine Kolonie verfiel.[1] Frankreich errichtete 1818 eine Strafkolonie auf Sainte Marie, die jedoch nur wenige Jahre bestand hatte. Erst nach dem ersten Franco-Hova Krieg von 1883 wurde Sainte Marie erneut von Frankreich in Besitz genommen und zunächst als selbständige Kolonie verwaltet. Nachdem Frankreich im zweiten Franco-Hova Krieg 1895 ganz Madagaskar erobert und zwei Jahre darauf zur Kolonie gemacht hatte, wurde Sainte Marie wieder ein Teil Madagaskars.

Tourismus[Bearbeiten]

Der Tourismus spielt auf Sainte Marie eine immer wichtigere Rolle. Einsame kleine Buchten mit goldenen Sandstränden laden zum Baden und Tauchen ein. Zum Tauchen besonders geeignet ist die Lagune von Sainte Marie, da sie durch ein Korallenriff gut vor Haien geschützt ist.

Von Juli bis September können sich vor der Westküste tummelnde Buckelwale beobachtet werden. Die imposanten Säugetiere, welche von der Antarktis hierher ziehen, finden im Kanal zwischen Sainte Marie und Madagaskar hervorragende Bedingungen, um ihre Jungen großzuziehen.

Traditionen[Bearbeiten]

Viele madagassische Traditionen des Festlandes findet man auch auf Sainte Marie. So auch die Umwendung der Toten, bei der im Abstand von mehreren Jahren der Körper von Verstorbenen aus dem Familiengrab genommen und von der gesamten Familie feierlich durch das Dorf getragen wird. Auch sind einige Orte mit Fadys (Tabus) belegt. Aus Respekt gegenüber den Inselbewohnern sollten Besucher vor einer Erkundung sich stets darüber erkundigen und gegebenenfalls einen einheimischen Führer mitnehmen.[2]

Delalande-Seidenkuckuck[Bearbeiten]

Die Île Sainte-Marie war bis 1827 Heimat des Delalande-Seidenkuckucks. In verschiedenen Museen auf der Welt befinden sich noch insgesamt 13 ausgestopfte Bälge des Vogels, unter anderem in Stuttgart.

Klimatabelle[Bearbeiten]

Ambodifotatra
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
397
 
29
24
 
 
445
 
29
24
 
 
508
 
29
24
 
 
498
 
28
23
 
 
354
 
26
22
 
 
341
 
25
20
 
 
309
 
24
20
 
 
227
 
24
20
 
 
117
 
25
20
 
 
94
 
26
21
 
 
129
 
28
23
 
 
367
 
29
23
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Ambodifotatra
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 29,4 29,2 28,5 27,6 26,0 24,6 23,8 23,8 24,6 26,0 27,7 28,7 Ø 26,6
Min. Temperatur (°C) 24,1 24,0 23,7 23,0 21,9 20,3 19,6 19,5 20,0 21,1 22,5 23,4 Ø 21,9
Niederschlag (mm) 397 445 508 498 354 341 309 227 117 94 129 367 Σ 3.786
Sonnenstunden (h/d) 5,5 7,0 4,7 6,5 6,5 5,3 5,5 6,2 7,8 8,4 8,0 8,2 Ø 6,6
Regentage (d) 19 19 22 22 22 23 25 21 16 13 12 17 Σ 231
Luftfeuchtigkeit (%) 81 86 85 85 83 83 81 79 79 78 80 82 Ø 81,8
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
29,4
24,1
29,2
24,0
28,5
23,7
27,6
23,0
26,0
21,9
24,6
20,3
23,8
19,6
23,8
19,5
24,6
20,0
26,0
21,1
27,7
22,5
28,7
23,4
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
397
445
508
498
354
341
309
227
117
94
129
367
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Literatur[Bearbeiten]

  • Maisie & Wolfgang Därr: Madagaskar & Komoren. Reise Know-How, Bielefeld 2001, S. 439-447. ISBN 3-89416-816-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. G. Pitcher & P.C. Wright: Madagascar & Comoros. Lonely Planet, S.176-178. ISBN 1-74104-100-7
  2. Därr, S. 185 und S. 440.