San-Pédro

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San Pédro
San Pédro (Elfenbeinküste)
San Pédro
San Pédro
Koordinaten 4° 45′ N, 6° 38′ W4.7513888888889-6.6386111111111Koordinaten: 4° 45′ N, 6° 38′ W
Basisdaten
Staat Elfenbeinküste
Einwohner 131.800 (1998)
Lage von San Pédro
Lage von San Pédro

San Pédro ist eine Stadt (131.800 Einwohner 1998) im Südwesten der Elfenbeinküste und liegt am Golf von Guinea etwa 80 Kilometer von Sassandra entfernt. Sie hat den zweitgrößten Hafen des Landes und ist Hauptort der Region Bas-Sassandra und des Département de San Pédro. Westlich der Stadt befindet sich der Nationalpark Taï, ein Weltkulturerbe der UNESCO.

Geschichte[Bearbeiten]

San Pédro wurde vor ca. 500 Jahren vom portugiesischen Forscher Soeriré da Costa entdeckt. Bis zum Ausbau der Stadt Mitte der 1960er Jahre war San Pédro ein kleines Fischerdorf mit gerade mal 100 Einwohnern.

Die Stadt wurde im Zuge der Regierungskrise 2010/2011 am 30. bzw. 31. März 2011 von Einheiten der Forces républicaines de Côte d’Ivoire (FRCI) erobert.[1] Daraufhin sackte der Weltmarktpreis für Kakao schlagartig um 10 Prozent ab.[2]

Am 20. April 2011 wurden aus der Innenstadt von San Pédro Kämpfe gemeldet. Dabei soll eine FRCI-Einheit versucht haben, eine andere vom Plündern abzuhalten. Als schwere Waffen eingesetzt wurden, griff die Operation der Vereinten Nationen an der Elfenbeinküste (ONUCI) schließlich ein und beendete die Kämpfe.[3]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Wohnviertel der einheimischen Oberschicht und der Franzosen am Strand westlich vom Hafen
Jahr 1965 1975 1988 1998 2007
Einwohner ~100 31.606 70.601 131.800 219.043

Religion[Bearbeiten]

San Pédro ist Sitz des Bistums San Pedro-en-Côte d’Ivoire.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Quartier Litiro

Es gibt mehrere geographisch und sozial getrennte Stadtviertel. Geschäftszentrum ist das Quartier Litiro knapp zwei Kilometer nördlich des Hafens mit Hotels, Restaurants und Nachtleben. Zwischen Seen und San Pédro Fluss dehnt sich ein Industriegebiet aus. Fünf Kilometer an der Straße nach Daloa liegt das einfache Wohnviertel Le Village mit Handwerksbetrieben, etwas westlich davon befindet sich der Hauptmarkt. In dessen Nähe erstreckt sich ein weitläufiges Arbeiterwohngebiet aus Holzbaracken.

Deutlich im Gegensatz dazu steht an der Küstenstraße ein Kilometer westlich vom Hafen das französische Wohngebiet mit gepflegter Gastronomie entlang der Badestrände. Die Hügel in der Umgebung der Stadt sind bewaldet.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Nach dem Ausbau in den 60er Jahren ist die Fischerei ein wichtiger Industriezweig. Der Fischereihafen wurde von japanischen Investoren in den 1970er Jahren komplett ausgebaut. Die Holzproduktion und Verarbeitung ist aber immer noch der größte Arbeitgeber. Aber auch die Landwirtschaft mit Produkten wie Kakao-, Kaffeebohnen, Gummi, Baumwolle und Palmöl sind weitere Arbeitsplatzgeber. Seit 1995 dürfen keine rohen Holzstämme mehr exportiert werden. Durch dieses Gesetz („gefälltes Holz aus der Elfenbeinküste darf nur innerhalb des Landes weiterbearbeitet werden“) wurde die Holzverarbeitung in San Pédro ausgebaut. Weitere große Investitionen werden zurzeit in den Ausbau der Kakaoplantagen getätigt.

Hafen[Bearbeiten]

Tropenholzverladung im Hafen (1990)
Hafen von San Pédro (1990)

Der Hafen liegt in einer Lagune; zu dessen Schutz vor Versandung wurde der Fluss Hé ou Yé ou San Pédro umgeleitet. In den Jahren 1968 bis 1971 wurde der Hafen durch ein französisch-deutsches Konsortium gebaut. Das Ziel war es damals, die Exporte von Holz aus dem Südwesten schneller auf das Wasser bringen zu können. Insbesondere Edelhölzer wie Mahagoni werden auch noch heute zu über 80 Prozent nach Europa exportiert. Neben den Hauptexportgütern Fisch und Holz werden auch noch Kakao (50 Prozent der Landesproduktion), Kaffee, Baumwolle sowie weitere landwirtschaftliche Erzeugnisse exportiert. Importiert wird hauptsächlich Weizen und Reis. In näherer Zukunft wird der Hafen ausgebaut, wenn die geplante Eisenbahnstrecke nach Man fertiggestellt wird. Dann sollen die Mineralien (Mangan, Nickel und andere) aus Man über den Hafen von San Pédro exportiert werden.

Flughafen[Bearbeiten]

San Pédro hat einen eigenen kleinen internationalen Flughafen (DISP/SPY).

Tourismus[Bearbeiten]

Atlantikstrand westlich von San Pédro

Die Stadt ist bekannt für ihre natürlichen schönen Strände an denen man sich das ganze Jahr, dank des milden äquatorialen Klimas, aufhalten kann. Immer mehr Hotels entstehen in San Pédro.

Sport[Bearbeiten]

San Pédro hat eine Fußballmannschaft (SéWé de San Pedro), die in der Fédération Ivoirienne de Football (1. Liga) spielt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: San-Pédro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dominic Johnson: Gbagbos Regime bricht zusammen. In: die tageszeitung. Abgerufen am 5. April 2011 (deutsch).
  2. Neue Kämpfe in der Elfenbeinküste. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 7. März 2011, abgerufen am 30. März 2011 (deutsch).
  3. Kämpfe unter den Siegern in Côte d'Ivoire. In: Neue Zürcher Zeitung. 21. April 2011, abgerufen am 28. April 2011 (deutsch).