Schloss Ratibořice

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Schloss Ratibořice [ˈracɪbor̩ɪt͡sɛ] (deutsch: Ratiborschitz) liegt an der Aupa nahe Česká Skalice. Es gehört zum Okres Náchod in Tschechien.

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss Ratibořice Ostseite
Schloss Ratibořice

Dorf und Kastell Ratibořice wurden erstmals 1388 als Besitz des Vaněk von Žampach erwähnt. 1464 gehörten sie zur Herrschaft Rýzmburk, jedoch soll 1534 das Kastell verlassen gewesen sein. 1582 erwarb es Jaroslav Smiřický von Smiřice und inkorporierte es in seine Herrschaft Náchod, mit der es bis in die Neuzeit verbunden blieb.

Lorenzo Piccolomini ließ 1708 durch den Baumeister Andreas Tetílek aus Hohenmauth an der Stelle eines älteren Herrschaftshauses ein Barocklustschloss im italienischen Stil errichten, an das im 18. Jahrhundert ein länglicher Flügel für Bedienstete angebaut wurde. 1810–1812 wurde das Schloss als Sommerresidenz für Herzogin Katharina Wilhelmine von Sagan im Empirestil umgebaut.

Im Juni 1813 fand im Schloss eine Begegnung zwischen dem österreichischen Kanzler Metternich und dem russischen Zar Alexander I. statt. Zusammen mit anderen hochrangigen Persönlichkeiten führten sie hier Vorgespräche für die anschließenden Verhandlungen auf Schloss Opočno über das weitere Vorgehen der Allianz gegen Napoleon I.

Nach Wilhelmines Tod verkaufte ihre Schwester Pauline von Hohenzollern das Schloss Ratibořice zusammen mit der Herrschaft Náchod an Octavio von Lippe-Biesterfeld, der es 1842 an Fürst Georg Wilhelm aus dem regierenden Haus Schaumburg-Lippe verkaufte, in dessen Familie es bis zur Enteignung 1945 verblieb. Im Jahre 1864 wurde hier Charlotte von Schaumburg-Lippe (1864-1946) geboren, von 1891 bis 1918 die letzte Königin von Württemberg.

Die bekannte tschechische Schriftstellerin Božena Němcová verbrachte ihre Kindheit in Ratibořice. Durch ihren autobiographischen Roman „Babička“ wurde das Dorf mit dem Schloss und seiner Umgebung berühmt. Auch die Schlossherrin Wilhelmine von Sagan spielt in dem Roman eine wichtige Rolle.

In der Nähe befinden sich das malerische Tal Babiččino údolí (Großmuttertal) und das Staré Bělidlo (Alte Bleiche) (50° 25′ 16″ N, 16° 3′ 22″ O50.42115116.056039).

Literatur[Bearbeiten]

  • Erhard Gorys: Tschechische Republik. Kultur, Landschaft und Geschichte in Böhmen und Mähren (= DuMont-Dokumente. DuMont-Kunst-Reiseführer). DuMont, Köln 1994, ISBN 3-7701-2844-3.
  • Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard, Miloslav Polívka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Böhmen und Mähren (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 329). Kröner, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8, S. 509–510.
  • Milan Záliš: Tři sta let od zahájení výstavby zámku v Ratibořicích. 1702–2002. In: Rodným Krajem. Heft 26, 2003, S. 9–11.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Ratibořice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.41488888888916.052555555556Koordinaten: 50° 24′ 53,6″ N, 16° 3′ 9,2″ O