Schloss Žacléř

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Schloss Žacléř

Das Schloss Žacléř (deutsch: Schloss Schatzlar) in der gleichnamigen Ortschaft Žacléř gehört zum Okres Trutnov in der Region Hradec Králové in Tschechien.

Geschichte[Bearbeiten]

An der Stelle des jetzigen Schlosses oberhalb der Stadt Žacléř stand zunächst die Feste Schatzlar, deren Name später auf das unterhalb der Burg liegende Städtchen „Bornflos“/„Bernstadt“ überging. Die Feste soll 1136 unter Herzog Soběslav I. als Schutzburg erbaut und um 1250 befestigt worden sein[1]. Sie diente vermutlich der Bewachung des Trautenauer Steigs, einem Abschnitt des alten Handelsweges von Prag über Königgrätz und Trautenau nach Schlesien.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg 1334, als sie vom damaligen böhmischen König Johann von Luxemburg und dessen Sohn, dem Markgrafen und späteren böhmischen König Karl IV., dem Berthold von Leipa verpfändet wurde. Ab 1346 war die Burg ein Lehen des Glatzer Burggrafen Albrecht von Krenowitz, der sie 1353 an die Ritter Konrad und Ulrich von Wolffersdorf abtreten musste. Nach 1361 übertrug Kaiser Karl IV. die Burg Schatzlar zusammen mit dem Trautenauer Lehen und der Stadt Königinhof dem Herzog Bolko II. und seiner Ehefrau Agnes. Nach Bolkos Tod 1368 übte Herzogin Agnes die Herrschaftsrechte aus. Als Burggraf fungierte 1368 Hans von Seidlitz, dem ein Jahr später der Jägermeister der Herzogin, Hinko von Seidlitz, folgte. Nach dem Tod der Herzogin Agnes 1392 fiel die Burg als erledigtes Lehen an König Wenzel IV., der sie vermutlich dem Peter von Seidlitz zur Verwaltung übergab.

Während der Hussitenkriege diente die Burg Schatzlar den katholischen Schlesiern als Stützpunkt zur Abwehr der Hussiten. 1430 wurde sie von den Hussiten erobert. Nach 1436 wurde sie häufig verpfändet, u. a. 1440 an den nordböhmischen Ritter und späteren Landeshauptmann der Grafschaft Glatz, Hans von Warnsdorf, der von Schatzlar aus wiederholt bewaffnete Raubzüge gegen die schlesischen Städte unternahm. Obwohl es den Schlesiern gelang, einige Burgen zu erwerben und sie danach zu zerstören, blieb die Burg Schatzlar verschont. Mit der Auflage, die Burg jederzeit betreten zu können, übergaben die Schlesier die Burg Schatzlar 1447 den Brüdern Hans, Kunz und Ulrich Liebenthaler. Ihnen folgten die Brüder Georg und Christoph Zedwitz[2], die Schatzlar an den späteren König Georg von Podiebrad verkauften. Er übergab die Burg 1448 abermals dem Hans von Warnsdorf, von dem sie an die Herren von Schönburg (Schumburg) gelangte. Wegen Überschuldung musste Hermann von Schönburg die Burg Schatzlar 1521 an die Brüder Johann und Wilhelm Kruschina von Lichtenburg abtreten, behielt jedoch weiterhin das Wohnrecht auf der Burg. Nachdem er der Landesschädigung beschuldigt worden war, brannte 1523 eine Strafexpedition unter dem böhmischen Landeshauptmann Karl von Münsterberg die Burg Schatzlar nieder. 1534 verschrieb König Ferdinand I. Burg und Herrschaft Schatzlar dem Grafen Johann von Hardegg als Abschlagzahlung auf die Grafschaft Glatz, die er an die Krone Böhmen abgetreten hatte. Hardegg übergab seinen Anspruch noch im selben Jahre dem königlichen Oberberghauptmann Christoph von Gendorf, dem seit 1533 auch die Herrschaft Hohenelbe gehörte. Er errichtete an der Stelle der zerstörten Burg ein Renaissance-Schloss. Nach weiteren Besitzerwechseln gelangten Burg und Herrschaft Schatzlar 1636 an die Wiener Jesuiten. Sie ließen das im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Schloss Anfang des 18. Jahrhunderts erneuern. Während des Bayerischen Erbfolgekriegs wurde das Schloss 1779 von der preußischen Armee beschossen und brannte teilweise ab. Im 19. Jahrhundert wurde es wieder instand gesetzt. Gegenwärtig ist das Schloss nicht zugänglich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard, Miloslav Polívka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Böhmen und Mähren (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 329). Kröner, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8, S. 544–545.
  • Friedrich Bernau: Herrschaft Schatzlar. In: Karl Prätorius (Hrsg.): Schatzlar. Eine sudetendeutsche Stadt im böhmischen Riesengebirge und die Bezirksgemeinden. Wenzel, Marburg/Lahn 1993, S. 95–105.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Prätorius: Vergleichende Zeittafel Böhmen–Trautenau–Schatzlar. In: Schatzlar und seine Bezirksgemeinden. Marburg/Lahn 1993, S. 619
  2. nicht klar, ob Zedwitz oder Seidlitz, da unterschiedliche Angaben bzw. Schreibweisen in den Quellen

50.64984115.903869Koordinaten: 50° 38′ 59″ N, 15° 54′ 14″ O