Božena Němcová

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Foto um 1850

Božena Němcová (* 4. Februar 1820 in Wien als Barbara Pankel; † 21. Januar 1862 in Prag) war eine tschechische Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Banknote „500 Kronen“ mit Božena Němcová
Unterschrift
Božena Němcová
Letztes Foto (um 1860)
Němcovás Grab auf Vyšehrad

Nach gängiger Lesart wurde sie in Wien als Barbara Betty Novotná geboren; ihre Eltern waren der aus Niederösterreich stammende Kutscher Johann Pankel und Theresie Novotná, ein tschechisches Dienstmädchen. Die Eltern heirateten erst im nachfolgenden Sommer in Böhmen. Als der Vater eine Anstellung als herrschaftlicher Kutscher beim Grafen Karl Rudolf von der Schulenburg und seiner Frau, der Herzogin Katharina Wilhelmine von Sagan, auf Schloss Náchod erhielt, zog die Familie nach Ratibořice bei Česká Skalice. Die Mutter arbeitete dort als Wäscherin in der zum Schloss Ratibořice gehörigen Alten Bleiche (Staré Bělidlo) (50° 25′ 30″ N, 16° 2′ 56″ O50.424916.049), wo Božena Němcová auch aufwuchs und dank der besonderen Unterstützung seitens der Herzogin eine gute Bildung erhielt.

Im Jahre 1837 heiratete sie als 17-Jährige auf Drängen der Mutter den um einiges älteren Finanzbeamten Josef Němec – einen tschechischen Patrioten. Allerdings erwies sich die Verbindung als nicht glücklich, dies ist nicht zuletzt auf die ständigen finanziellen Schwierigkeiten der Familie zurückzuführen. Auch war der Ehemann seiner Frau gegenüber gewalttätig.[1] Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, von denen der älteste Sohn starb. Ab 1842 erhielt Němec eine Anstellung in Prag, wo die Eheleute fortan ihren Wohnsitz nahmen. Dort lernte Němcová führende Mitglieder der tschechischen Nationalbewegung kennen, wie František Palacký und Václav Bolemír Nebeský. Unter ihrem Einfluss begann sie zu schreiben und nahm den tschechischen Vornamen Božena an.

In den Jahren 1842–1845 schrieb sie vor allem Märchen und Gedichte. Ihr erster veröffentlichter Text war 1843 das national gestimmte Gedicht “An die tschechischen Frauen” (Ženám Českým). Ab 1845 publizierte sie die “Reisebilder aus der Gegend von Taus” (Obrazy z okolí domažlického) sowie viele Erzählungen und verschiedene Folgen von Märchen und Sagen, die sie gesammelt und in die tschechische Literatur eingeführt hatte. Ihr berühmtestes Werk ist “Babička” (Großmutter), das 1855 erschien und Eindrücke aus Němcovás Kindheit in Böhmen unter der prägenden Obhut ihrer Großmutter beschreibt. Dieses Werk gilt heute als eines der wichtigsten in der tschechischen Nationalliteratur.

Wegen seiner Aktivitäten bei der gescheiterten Revolution des Jahres 1848 wurde Josef Němec in die Slowakei (damals zum Königreich Ungarn im Kaisertum Österreich gehörend) versetzt. Němcová verblieb mit den Kindern in Prag, besuchte ihren Mann jedoch mehrmals für längere Zeiträume. 1857 und 1858 sammelte sie Märchen (Slovenské pohátky) in slowakischer Sprache. Das war für eine Tschechin ungewöhnlich, da zu der Zeit Slowakisch von vielen ihrer Landsleute nicht als eigenständige Sprache betrachtet wurde.

Božena Němcová starb nach schwerer Krankheit 1862; sie wurde unter großer Anteilnahme auf dem Prager Ehrenfriedhof Vyšehrad beigesetzt. Dies ist unter anderem deshalb erwähnenswert, da sie ihre letzten Lebensjahre verlassen und verarmt in Prag lebte und keine der bedeutenden Persönlichkeiten, die ihrem Sarg nachgingen, sich in dieser Zeit ihrer annahm. Als Frau hatte sie sich um ein eigenständiges Leben bemüht, ein Versuch, sich den begrenzenden Konventionen ihres Jahrhunderts zu entziehen, und ein Ausdruck dafür, dass sie ihrer Zeit weit voraus war.

Vermutungen zu ihrer Herkunft[Bearbeiten]

Die später verbreiteten Gerüchte, nach denen nicht Johann Pankel, sondern ein adliger Herr der Vater von Božena Němcová gewesen sei, konnten nie bewiesen werden. Im Gespräch war der Arbeitgeber der Eltern, Graf Karl Rudolf. Dies wird aber für unwahrscheinlich gehalten, da Barbara keine Ähnlichkeiten mit ihrer offiziellen Mutter aufwies. Immer wieder wurde auch vermutet, dass Němcová ein Adoptivkind des Ehepaares Pankel und eigentlich eine illegitime Tochter der lebensfrohen Dienstherrin der Pankels oder deren jüngerer Schwester Dorothea war. Als potentielle Väter wurden der russische Zar Alexander I., Klemens Wenzel Fürst Metternich und andere hohe Herren des österreichischen Kaiserreichs gehandelt. Am plausibelsten scheint jedoch die Variante, nach der Dorothea von Sagan die Mutter von Božena Němcová und Graf Karl Clam-Martinic ihr Vater gewesen seien. Die beiden sollen sich am Wiener Kongress und später auch in Paris getroffen und bis März 1816 eine leidenschaftliche Affaire gehabt haben. Nach einer aktuellen Quelle brachte Dorothea im September 1816 ein aus dieser Verbindung entstandenes Kind in Frankreich, im Kurort Bourbon-l´Archambault, zur Welt und ließ es unter dem Namen Marie-Henriette Dessalles in die Matrik eintragen.[2] Das Kind wäre dann später (etwa im Jahr 1820), möglicherweise durch die Vermittlung der Schwester von Dorothea, Herzogin Katharina Wilhelmine von Sagan, von Johann Pankel und Theresie Novotná als ihre Tochter Barbara angenommen und anerkannt worden.

Werke[Bearbeiten]

Babička[Bearbeiten]

Berühmt geworden ist Božena Němcová mit dem 1855 erschienenen Roman Babička (Die Großmutter), mit dem sie der tschechischen Sprache zum Durchbruch verholfen hat. Das Werk ist in bisher über 350 Auflagen in tschechischer Sprache und in zahlreichen Übersetzungen erschienen. Es ist wohl das populärste Prosawerk der tschechischen Literatur. Der Roman trägt starke autobiographische Züge. Im Mittelpunkt steht die gütige Babička, die zu einer national-romantischen Identifikationsfigur wurde. Erzählt wird das idyllische Landleben im Aupatal, im Babiččino údolí (Großmuttertal), mit dem Dorf und Schloss Ratibořice. Auch die Schlossherrin Wilhelmine von Sagan wird idealisierend als verständnisvolle Fürstin (paní kněžna) charakterisiert.

In der Zeit, als Božena Němcová an der Babička schrieb, hatte sie physische, psychische und finanzielle Probleme. Die romantischen und idealisierenden Beschreibungen der Romanfiguren sowie der Landschaft können als Flucht vor der eigenen, bitteren Realität gedeutet werden - als ein idealisierender Blick Němcovás zurück in die behütete Kindheit. Der Roman wurde mehrmals erfolgreich verfilmt.

aktuelle Ausgaben
  • Die Großmutter (Babička), mit Illustrationen von Karel Hruška (Übersetzt nach der ursprünglichen Ausgabe aus dem Jahre 1855 mit den Berichtigungen der B. Němcová in der Ausgabe des Jahres 1862 von Kamill Eben), Vitalis, Mitterfels 2009, ISBN 978-3-89919-095-3.
  • Grossmutter. Bilder aus dem ländlichen Leben (Übersetzt von Josef Mühlberger). dtv 13453, München 2006, ISBN 978-3-423-13453-8 (mit einem Nachwort zu Leben und Wirken der Autorin sowie Anmerkungen zum Film Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern).

Kávová společnost[Bearbeiten]

Der kurze Text erschien erstmals 1855 und ist ein satirisches Abbild der Gesellschaft mit vielen autobiographischen Elementen. Der Titel bedeutet auf Deutsch wörtlich Kaffee-Gesellschaft, sinngemäß Kaffeekränzchen. Bemerkenswert ist die Vielzahl deutscher Ausdrücke – sowohl dialektaler als auch hochsprachlicher – im Werk, die einerseits zur Charakterisierung der Figuren dienen und andererseits die damalige sprachliche Situation im Kaisertum Österreich widerspiegeln. Inhalt des Textes ist ein Treffen von sieben Damen der Gesellschaft einer Kleinstadt zum Kaffee, bei dem heftig geklatscht und getratscht wird – vor allem über eine Dame, deren Verhalten die Damen aufs Heftigste kritisieren. Diese Person hat starke Ähnlichkeit mit Božena Němcová, auch sie erlebte während ihres Aufenthaltes in Nymburk derlei Gerede und Ausgrenzung.

  • Kávová Společnost. In: M. Meřman, F. Váhala, B. Havránek (Hrsg.): Básně a jiné práce. Spisy Boženy Němcové. Sv.11, Praha, SNKLHU, 1957, S. 177–185

Weitere Werke[Bearbeiten]

  • Mich zwingt nichts als Liebe
  • Aus einer kleinen Stadt
  • Der Herr Lehrer (Pan učitel)
  • Tschechische Märchen
  • Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern

Märchensammlung[Bearbeiten]

Aus den Sammlungen Das goldene Spinnrad, Der König der Zeit und aus Märchen

Verfilmungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

  • Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern. Kino-Spielfilm, Deutschland, Tschechien, 2004, 109 Min., Buch und Regie: Dagmar Knöpfel, Produktion: Avista Film, BR, arte, Kinostart: 17. November 2005, Darsteller: Corinna Harfouch als Božena Němcová, Bolek Polívka als Josef Nemec, Inhaltsangabe von filmstarts.de, Presseheft

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jan Patera: Bozena Nemcova unter den Rock zu schauen Radio Prag, 29. Januar 2006
  2. Angabe des Biographen von Charles Maurice de Talleyrand, Johannes Willms, ohne Nennung der späteren Identität des Kindes; siehe Johannes Willms: "Talleyrand: Virtuose der Macht", C.H. Beck, München 2011, S. 226.
  3. Diese letztgenannten Märchen von Božena Němcová: Das goldene Spinnrad; übersetzt von Günther Jarosch; Paul List-Verlag Leipzig, o.A.; ca. 1960.
  4. Die letztgenannten Märchen in Božena Němcová: Der König der Zeit – Slowakische Märchen aus dem Slowakischen übersetzt von Peter Hrivinák; Bratislava 1978; S. 80–86
  5. Die letztgenannten Märchen in Karel Jaromír Erben und Božena Němcová: Märchen; illustriert von Josef Lada übersetzt von Günther Jarosch und Valtr Kraus; Albatros-Verlag, Prag 2001; ISBN 80-00-00930-7
  6. [1];[2];[3];[4];[5]Verschiedene Szenen aus der Verfilmung von Babička mit Libuše Šafránková

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Božena Němcová – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien