Schloss Zákupy

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Schloss Zákupy

Schloss Zákupy, (deutsch Schloss Reichstadt), liegt in der nordböhmischen Kleinstadt Zákupy im Okres Česká Lípa in Tschechien.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf altem Gemäuer einer ehemaligen Veste der Ritter Panczer von Smojn (Pancirove ze Smojna) und der Herren von Zakupsky von Wartenberg (Adelsgeschlecht) in Nordböhmen errichteten die Herren Berka von Dubá um 1559 eine Burg im Renaissancestil. Etwa 20 Jahre später, vermutlich noch unter den Herren von Duba brannte die Burg nieder und wurde 1612 verwüstet, gelangte 1632 an Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg und wurde 1634 im Dreißigjährigen Krieg von evangelisch-schwedischen Truppen zerstört. 1670–1683 ließ Herzog Julius Franz von Sachsen-Lauenburg durch den sächsischen Architekten und Bildhauer Jeremias Süssner sowie durch Giovanni Domenico Orsi und Giulio Broggio das Bauwerk im Barockstil erneuern, mit vier zweigeschossigen Flügeln um einen geräumigen Hof, einer Schlosskapelle im Stil des Barock, dessen Hauptfront ein frühbarockes Portal mit dem Wappenschild der Berka von Duba zeigt. Durch Heirat und Erbschaft gelangte das Schloss Reichstadt an verschiedene Eigentümer; unter diesen die Grafen von Pfalz-Neuburg aus dem Hause Wittelsbach, Ferdinand Maria (Bayern) und schließlich an die Familie des Erzherzog Ferdinand von Toskana aus dem Hause Habsburg-Lothringen.

Über Herzog Ferdinand d'Este kam das Schloss zu Beginn des 19. Jahrhunderts an die toskanische Nebenlinie des Hauses Habsburg und 1847 an die habsburgische Hauptlinie. 1848 wurde es einer der Wohnsitze des abgedankten österreichischen Kaisers Ferdinand V., der das Innere des Schlosses prunkvoll u. a. durch den Architekt J. Bělský, die Maler Josef Navrátil und Wilhelm Kandler, den Bildhauer Václav Levý und den Stuckateur J. Effenberger ausstattet ließ.

Nach dem Tod des Herzogs Julius Franz von Sachsen-Lauenburg 1689 wohnten seine Töchter, Franziska Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg und Anna Maria Franziska von Sachsen-Lauenburg auf Schloss Reichstadt bei ihrer Tante, einer Herzogin von Lobkowitz.

Im Jahr 1818 erhielt Napoleon Franz Bonaparte (1811-1831), Sohn des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte und dessen zweiter Ehefrau Marie-Louise von Österreich den Titel eines Herzog von Reichstadt. Er starb in jungen Jahren und hat das Schloss nie betreten. Nach glaubwürdigen Berichten stammt von ihm der melancholischer Satz, er würde der Welt nur ein Denkmal hinterlassen, das noch heute in der Schatzkammer der Wiener Hofburg bewahrte goldene Wiegenbett, worin er als Kronprinz von Frankreich und König von Rom gelegen – unter Füllhorn, Himmelsglobus und dem großen Majestätswappen der Bonaparte.

Am 8. Juli 1876 trafen sich auf Schloss Reichstadt der österreichische Kaiser Franz Joseph I. und der russische Zar Alexander II. und verhandelten über die österreichische Neutralität im bevorstehenden russisch-osmanischen Krieg.

In der Schlosskapelle heirateten am 1. Juli 1900 der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand d´Este und Gräfin Sophie Chotek von Chotkowa, die spätere Herzogin von Hohenberg (österreichisches Adelsgeschlecht).

Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) beherbergte Schloss Reichstadt ein Krankenhaus, wurde nach Ende des Krieges 1918 durch eine Bodenreform der Tschechoslowakei den damaligen Besitzern enteignet, wurde 1951 als Museum zugänglich, im Jahr 1977 renoviert und ist seit 1995 ein kultureller Mittelpunkt mit einem gepflegtem Park im Stil des Barock.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Bahlcke u. a.: Handbuch der historischen Stätten Böhmen und Mähren, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8, S. 516–517.
  • Franz Weller: Die kaiserlichen Burgen und Schlösser in Wort und Bild Aufgrund von Quellenwerken dargestellt Hofburg zu Wien über Augarten, Belvedere, Prater ...Gödöllő, Ischl ...bis über Miramar sind alle kaiserlichen Schlösser erklärt dagelegt. k.k. Hof-Buchdruckerei, Wien 1880, ISBN 0003221717.
  • Hans-Ulrich Engel: Burgen und Schlösser in Böhmen. Nach alten Vorlagen, Verlag Wolfgang Weidlich Frankfurt am Main 2. Auflage 1978 ISBN 3 8035 80137, Reichstadt Seite 91 bis 93, Abbildung Seite 215.
  • Oskar Wiener: Deutschböhmen im Bilde: Die Umgebung von Reichenberg (Liberec), Band 7, Haase Prag 1910.
  • Lillian Schacherl: Böhmen – Kulturbild einer Landschaft, Prestel Verlag München, 1966, Schloß Reichstadt Seite 217 bis 219.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Zákupy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.68733611111114.643925Koordinaten: 50° 41′ 14″ N, 14° 38′ 38″ O