Pfalz-Neuburg

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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Pfalz-Neuburg
Wappen
Wappen fehlt
Herrschaftsform Fürstentum
Herrscher/Regierung Herzog, Pfalzgraf
Heutige Region/en DE-BY
Reichskreis bayerisch
Hauptstädte/Residenzen Neuburg an der Donau, Nebenresidenz Lauingen
Dynastien 1505-1808 Herzöge und Pfalzgrafen von Pfalz-Neuburg
Konfession/Religionen römisch-katholisch, kurzzeitig protestantisch
Sprache/n Deutsch
Fläche 2750 km²
Einwohner ca. 100.000
Aufgegangen in Königreich Bayern
Neuburg mit Schloss und Donau

Das Fürstentum Pfalz-Neuburg war ein 1505 entstandenes Territorium des Heiligen Römischen Reiches und staatsrechtlich eigentlich ein Fürstentum. Genealogisch war Pfalz-Neuburg die Bezeichnung mehrerer unterschiedener Linien der pfälzischen Wittelsbacher.

Residenzstadt des Fürstentums war Neuburg an der Donau, Nebenresidenz Lauingen. Gegliedert war es in die Landesteile Oberland, Pfalz-Sulzbach, Nordgau und Franken (um Allersberg zwischen Nürnberg und Eichstätt). Das stark zergliederte Territorium umfasste 2750 km² und hatte ca. 100.000 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten]

Grenzstein des Herzogtums Pfalz-Neuburg an der Grenze zu den ehemaligen Herrschaftsbereichen der Grafschaft Oettingen und des Fürstentums Thurn und Taxis (in der Nähe von Amerdingen)

Das Fürstentum Neuburg entstand 1505 als Folge des Landshuter Erbfolgekrieges durch den Kölner Schiedsspruch Kaiser Maximilians I. und des Ingolstädter Vertrags von 1509. Es hatte bis 1808 Bestand. Durch die kaiserliche Entscheidung wurden Teile des Erbes von Georg dem Reichen mit jährlichen Einkünften von 24.000 Gulden aus bayerischen Gebieten, hauptsächlich nördlich der Donau, für die beiden Söhne des Wittelsbacher Pfalzgrafen Ruprecht von der Pfalz, Ottheinrich und Philipp geschaffen. Da Ottheinrich und Philipp noch minderjährig waren, wurde als Vormund zunächst ihr Großvater Kurfürst Philipp eingesetzt, ab 1508 Pfalzgraf Friedrich II.. Bald nach dem Ende der Regentschaft 1522, trat Philipp in kaiserliche Dienste und überließ die Herrschaft seinem Bruder. 1535 kehrte er jedoch zurück und erzwang eine Teilung des Fürstentums. Während Ottheinrich den südlichen Landesteil um Neuburg erhielt, regierte Philipp den nördlichen Landesteil um Schwandorf, Burglengenfeld und Sulzbach. 1541 verzichtete der verschuldete Philipp endgültig zugunsten seines Bruders auf die Herrschaft.

Der nun allein herrschende Ottheinrich trat im folgenden Jahr zum Luthertum über. Seine aufwendige Lebensführung führte 1544 zum Staatsbankrott, woraufhin die Landstände unter Vorsitz von Hans Krafft von Vestenberg auf Schloss Fronberg (Schwandorf) die Regierung des Landes übernahmen. Im Schmalkaldischen Krieg besetzten Truppen Kaiser Karls V. das Land, da Ottheinrich im (begründeten) Verdacht stand, den Schmalkaldischen Bund im Krieg gegen den Kaiser zu unterstützen. Der geächtete Fürst ging ins Exil, während das Land von kaiserlichen Statthaltern verwaltet wurde. Nach dem Fürstenaufstand 1552 konnte Ottheinrich nach Neuburg zurückkehren.

Nachdem Ottheinrich 1556 pfälzischer Kurfürst geworden war, trat er sein altes Fürstentum, die sogenannte Junge Pfalz, 1557 im Heidelberger Vertrag an Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken ab. Nach dessen Tod 1569 fiel Neuburg an seinen ältesten Sohn Philipp Ludwig, der damit die jüngere Linie Pfalz-(Zweibrücken-)Neuburg begründete. Pfalz-Sulzbach wurde jedoch zuerst unter Philipp Ludwigs Bruder (bis 1604) und unter seinem Sohn (ab 1614) abgetrennt.

Den Pfalzgrafen von Neuburg fielen im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit 1609/1614 die niederrheinischen Länder Jülich und Berg zu, 1685 auch die Kurpfalz. Unter Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm wurde Neuburg 1616/1617 wieder katholisch. 1742 starb die Hauptlinie der Neuburger Pfalzgrafen aus, der Zweig Sulzbach des Hauses Neuburg trat die Nachfolge an. 1777 beerbten diese auch die bayerischen Wittelsbacher, so dass unter der Linie Pfalz-Sulzbach die großen wittelsbachischen Länder zu Kurpfalz-Bayern vereinigt wurden.

Als die lehensrechtlichen Beschränkungen infolge der Souveränität Bayerns weggefallen waren, hob König Maximilian I. bzw. sein erster Minister, Graf Montgelas, die Fürstentümer Neuburg und Sulzbach 1808 auf. Die zugehörigen Gebiete wurden dem jeweils nächstgelegenen Kreis (Regierungsbezirk) zugeordnet. Dies war für Neuburg ab 1808 der Oberdonaukreis, der seit 1819 etwa dem heutigen Bezirk Schwaben entsprach und seit 1837 auch so genannt wurde. Die Gebiete um Sulzbach wurden der Oberpfalz angeschlossen.

Liste der Herzöge und Pfalzgrafen von Pfalz-Neuburg[Bearbeiten]

Ältere Neuburger Linie (1505–1557)
1505–1522: Regentschaft für die minderjährigen Fürsten
1522–1523: gemeinsame Regierung der Brüder
1523–1535: alleinige Regierung Ottheinrichs
1535–1541: Landesteilung:
  • Ottheinrich regiert südlichen Landesteil (Neuburg)
  • Philipp regiert nördlichen Landesteils (Schwandorf, Sulzbach)
  • Ottheinrich, 1541–1557 alleiniger Fürst
1544–1546 Verwaltung durch die Landstände unter Vorsitz von Hans Krafft von Vestenberg
1546–1552 kaiserliche Besatzung und Verwaltung nach dem Schmalkaldischen Krieg
Linie Pfalz-Zweibrücken (1557–1569)
Jüngere Neuburger Linie (Pfalz-Zweibrücken-Neuburg) (1569–1742)
Linie Pfalz-Sulzbach (1742–1799)
Linie Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler-Zweibrücken (1799–1808)

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Cramer-Fürtig: Landesherr und Landstände im Fürstentum Pfalz-Neuburg. Staatsbildung und Ständeorganisation in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, Beck, München 1995, ISBN 3-406-10686-2 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, Bd. 100; zugleich Diss., Regensburg 1992).
  • Helmut Eikam: Landstandschaft und Landschaftskommissariat im Fürstentum Pfalz-Neuburg. Ein Beitrag zu den Rechtsformen und Institutionen des neuzeitlichen Ständestaates, Diss., Mainz 1978.
  • Stephan Lippold: Von Kaisers Gnaden. 500 Jahre Fürstentum Pfalz-Neuburg, Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg 2005, ISBN 3-937974-03-2.
  • Karl Mayr: Pfalz-Neuburg und das Königreich Neapel im 17. und 18. Jahrhundert, München 1939.
  • Horst H. Stierhof (Red.): 475 Jahre Fürstentum Pfalz-Neuburg, Wittelsbacher Ausgleichsfonds, München 1980.
  • Alfred Tausendpfund: Die Manufaktur im Fürstentum Neuburg. Studien zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der großbetrieblichen Entwicklung im Zeitalter des Merkantilismus, Stadtarchiv Nürnberg, Nürnberg 1975, ISBN 3-87432-034-0 (Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte, Bd. 16; zugleich Diss., Erlangen/Nürnberg 1975).
  • Siegrid Westphal: Frau und lutherische Konfessionalisierung. Eine Untersuchung zum Fürstentum Pfalz-Neuburg 1542–1614, Lang, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-631-46246-8.

Weblinks[Bearbeiten]