Schrapnell

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Schrapnell aus dem Ersten Weltkrieg
Schrapnell
Animation des Schrapnells
ballistische Flugbahnen mit Zündzeitpunkten

Ein Schrapnell, auch Granatkartätsche genannt, ist eine Artilleriegranate, die mit Metallkugeln gefüllt ist. Diese werden kurz vor dem Ziel durch eine Treibladung nach vorn ausgestoßen und dem Ziel entgegengeschleudert.

Vorgänger des Schrapnells war die Kartätsche, bei der die Kugeln direkt und ohne Sprengladung verschossen wurden. Die wirksame Reichweite war jedoch auf ca. 600 m begrenzt.

Fälschlicherweise werden manchmal auch Splitter, die bei der Explosion gewöhnlicher Granaten oder Fliegerbomben entstehen, als Schrapnell bezeichnet.

Überblick[Bearbeiten]

Das Schrapnell wurde im Jahr 1803 von dem britischen Offizier Henry Shrapnel (1761–1842) erfunden. In unvollkommenerer Form war es allerdings schon den deutschen Stückmeistern des 16. Jahrhunderts bekannt. Es handelt sich bei einem Schrapnell um eiserne Hohlgeschosse, die mit 13 bis 17 g schweren Bleikugeln gefüllt sind. Diese sind, um bei der Rotation des Geschosses während des Flugs ihre Lage nicht zu verändern, durch Eingießen von Schwefel oder Kolophonium fixiert. Auf diese Weise sollen Störungen in der Regelmäßigkeit der Flugbahn vermieden werden. Es gab auch Schrapnellgranaten mit Mischladung, bei der die Kugeln in den Sprengstoff eingebettet waren (Einheitsgeschoss). Bei diesen Einheitsgeschossen wurde der Sprengstoff jedoch in Schrapnellstellung nicht gezündet und verbrannte lediglich.

Eine zentrale Höhlung in Kopf oder Boden der Granate enthält die Sprengladung (Kammerladung) bzw. Ausstoßladung aus Schwarzpulver, die durch den Zünder (Zeit- bzw. Pulver-Brennzünder) vor Erreichen des Ziels in der Luft gezündet wird. Befindet sich die Pulverladung am Boden des Geschosses, spricht man von einem Bodenkammerschrapnell. Wie bei einer kurzläufigen Schrotflinte werden die Kugeln nach vorne aus dem Geschosskörper ausgestoßen, durch die Rotation desselben werden sie jedoch gestreut. Dieser Streukegel trifft in einer langgezogenen Ellipse auf dem Boden auf. Durch die Ladung mit Schwarzpulver entsteht eine auffällige weiße Rauchwolke in der Luft, wodurch die Beobachtung des Sprengpunktes und die Korrektur der einzelnen Schüsse erleichtert wird. Die leeren, nach den Kugelwolken einschlagenden Schrapnellhülsen werden auch Hohlbläser genannt. Da Schrapnells vor Erreichen der Erdoberfläche zünden müssen, kommen nicht Aufschlagzünder, sondern Zeitzünder zum Einsatz.

Die Entfernung des Sprengpunktes vom Ziel beträgt etwa 50 m, um den Kugeln eine möglichst große lokale Ausbreitung zu ermöglichen. Der Abstand des Schrapnells vom Erdboden beträgt zu diesem Zeitpunkt, je nach Schussweite und -art, zwischen 3 und 10 m.

Eingesetzt wurden sie gegen Weichziele, also gegen berittene und unberittene Truppen und ungepanzerte Fahrzeuge. Die Wirkung gegen aufrechte, ungedeckte Ziele war verheerend, wenn die Lage des Sprengpunktes zum Ziel genau beobachtet werden konnte, damals bis etwa 5000 Meter. Während des Ersten Weltkrieges wurde das Schrapnell nach und nach durch die Sprenggranate ersetzt, nachdem aufgrund ebendieser Wirkung durch den Übergang zum Grabenkrieg kaum noch ungedeckte Ziele aufzufassen waren. In der Endphase des Ersten Weltkrieges wäre dies zwar wieder möglich gewesen, jedoch gab es kaum noch Artilleristen, die das aufwendige Verfahren beherrschten.

Das Prinzip des Schrapnells wird aktuell wieder in Form der AHEAD-Munition gegen Weichziele und als abstandsaktive Schutzmaßnahme bei der Nahabwehr von Flugkörpern wie Raketen eingesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Alfred Geibig: Spreng- und Streukörper, Schneid- und Trümmerprojektile. In: Die Macht des Feuers - ernstes Feuerwerk des 15. - 17. Jahrhunderts im Spiegel seiner sächlichen Überlieferung. Kunstsammlungen der Veste Coburg, Coburg 2012, ISBN 978-3-87472-089-2, S. 177–226 (Über frühe Projektile des 15. - 17. Jahrhunderts).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schrapnell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Schrapnell – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen