Schwarzer Regen (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Schwarzer Regen
Originaltitel Kuroi ame
Produktionsland Japan
Originalsprache Japanisch
Erscheinungsjahr 1989
Länge 118 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Shōhei Imamura
Drehbuch Shōhei Imamura
Toshirō Ishido
Produktion Hisao Iino
Musik Tōru Takemitsu
Kamera Takashi Kawamata
Schnitt Hajime Okayasu
Besetzung

Schwarzer Regen (jap. 黒い雨, Kuroi ame) ist ein japanischer Schwarzweißfilm aus dem Jahr 1989, der auf dem gleichnamigen Roman von Masuji Ibuse basiert. Regie führte Shōhei Imamura, der gemeinsam mit Toshirō Ishido auch das Drehbuch schrieb. Die Hauptrolle spielte Yoshiko Tanaka.

Der Film thematisiert die Nachwirkungen des Atombombenabwurfs auf Hiroshima.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Handlung

Als die Atombombe auf Hiroshima fällt, ist die zwanzigjährige Yasuko gerade auf dem Weg zu ihrem Onkel Shigematsu, der in der Stadt ein Haus besitzt. Yasuko gerät zwar nicht direkt in die Explosion der Bombe, wird aber vom „Schwarzen Regen“ getroffen, der radioaktiv verstrahlt ist. Einige Rückblenden erzählen, wie Yasuko mit ihrem Onkel und ihrer Tante durch die zerstörte Stadt irrt, um sich in Sicherheit zu bringen.

Der Hauptteil des Filmes spielt aber fünf Jahre später. Yasuko soll heiraten, findet aber keinen Ehemann, weil man befürchtet, dass sie strahlenkrank ist und keine gesunden Kinder zur Welt bringen wird. Deshalb lässt ihr Onkel Shigematsu für Yasuko ein Gesundheitszeugnis ausstellen und schreibt außerdem sein Tagebuch vom August 1945 ab, um zu beweisen, dass seine Nichte zum Zeitpunkt der Explosion nicht in der Stadt gewesen ist. Nach einiger Zeit wirbt der Sohn eines Fabrikbesitzers um Yasuko, er hat aber keine wirklichen Absichten, sie zu heiraten, sondern möchte mit diesem Manöver nur erreichen, dass eine andere Familie seiner Heirat mit einer anderen Frau zustimmt. Yasuko erzählt ihrem vermeintlichen Bräutigam, dass sie in Hiroshima gewesen ist und möglicherweise an der Strahlenkrankheit leidet. Zur gleichen Zeit werden drei Männer aus dem Dorf, die im August 1945 in Hiroshima waren, krank und sterben innerhalb von einem Monat. Diese Todesfälle erschüttern Yasukos Onkel Shigematsu, der nun befürchtet, ebenfalls sterben zu müssen, weshalb er Yasuko unbedingt verheiraten möchte.

Währenddessen lernt Yasuko den Nachbarjungen Yuichi kennen, der sich im Krieg mit einer Handgranate vor die amerikanischen Panzer werfen musste und seitdem unter einer Geisteskrankheit leidet. Yuichi ist aber künstlerisch begabt und formt Plastiken aus Stein. Während die übrigen Dorfbewohner Yuichi verspotten, da er als verrückt gilt, empfindet Yasuko tiefe Geborgenheit in seiner Nähe, da sie mit ihm über ihre Erlebnisse in Hiroshima offen sprechen kann und kein Geheimnis daraus machen muss. Yuichis Muttet bittet Shigematsu um die Erlaubnis, dass ihr Sohn Yasuko heiraten darf, doch jetzt bricht tatsächlich bei Yasuko die Strahlenkrankheit aus. Sie zerfällt körperlich und wird sehr krank. Der Film endet damit, dass sie ins Krankenhaus gebracht wird und nur sehr wenig Hoffnung besteht, dass sie die Krankheit überleben wird. Gleichzeitig ist ihr Onkel, obwohl nur wenige Wochen vergangen sind, aus Kummer um Jahre gealtert und hat graue Haare bekommen.

[Bearbeiten] Veröffentlichungen

Der Film feierte seine Premiere im Mai 1989 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes und kam am 13. Mai 1989 in die japanischen Kinos.

[Bearbeiten] Rezeption

Kritiker nahmen Schwarzer Regen überwiegend positiv auf und lobten vor allem Imamuras Fähigkeit, mit Schwarzweißbildern umzugehen.

Der renommierte US-amerikanische Kritiker Roger Ebert meinte in der Chicago Sun-Times, Imamura drehe in „schön strukturiertem Schwarz und Weiß, um die Geschichte der Überlebenden der Hiroshima-Atombombe zu erzählen, die durch den Fallout zu Schaden gekommen sind.“ ([…] in beautifully textured black and white to tell the story of survivors of the Hiroshima atomic bomb who were contaminated by the fallout.)[1]

Die Zeitschrift Cinema schrieb über den Film: „In eindrucksvollen, preisgekrönten Schwarzweiß-Bildern erzählt Regisseur Imamura über den atomaren Wahnsinn.“[2]

[Bearbeiten] Auszeichnungen

Der Film gewann auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1989 den Großen Technik-Preis und den Preis der ökumenischen Jury und war für die Goldene Palme nominiert. Auf dem Asia-Pacific Film Festival wurde das Drehbuch des Films ausgezeichnet. Bei der Verleihung der Independent Spirit Awards 1991 war der Film als Bester ausländischer Film nominiert, musste sich aber dem Film Sweetie der Australierin Jane Campion geschlagen geben. In derselben Kategorie wurde der Film bei den spanischen Sant Jordi Awards ausgezeichnet.

Bei japanischen Filmpreisen war Schwarzer Regen sehr erfolgreich. Den Japanese Academy Award gewann der Film in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Hauptdarstellerin (Yoshiko Tanaka), Beste Nebendarstellerin (Etsuko Ichihara), Beste Kamera, Beste Musik, Bestes Licht und Bester Schnitt. Zudem war der Film in den Kategorien Bestes Szenenbild und Bester Ton nominiert. Yoshiko Tanaka gewann neben dem Japanese Academy Award auch den Blue Ribbon Award, den Hochi Film Award und den Kinema Junpo Award. Den Kinema Junpo Award erhielt der Film auch in den Kategorien Bester Film und Beste Regie.

[Bearbeiten] Stil

Der Film besteht aus parallel verlaufenden Handlungssträngen: Die Folgen des Atombombenabwurfs werden als eingestreute Rückblenden erzählt, während die eigentliche Handlung im August 1950 spielt. Das zentrale Thema des Filmes ist die Verurteilung des Krieges, welche durch die drastische und teilweise unerträgliche Darstellung des Atombombenabwurfes in den Rückblenden erreicht wird. Aber auch der Hauptteil des Filmes beinhaltet eine deutliche Warnung vor dem Krieg, der immer wieder in den Gesprächen der Figuren vorkommt, die über den (sinnlosen) Einsatz der Atombombe diskutieren, und in den Radio-Nachrichten, welche im Film zu hören sind (Koreakrieg und Vorbereitung eines neuen Atombombenabwurfes gegen China). Die Liebeshandlung scheitert ebenfalls am Krieg, denn Yasukos Liebe zu Yuichi hat keine Zukunft, obwohl die beiden jungen Menschen füreinander bestimmt sind, da Yasuko an der Strahlenkrankheit leidet. Stattdessen gibt es ein erschütterndes Ende, weil Yasuko vermutlich sterben wird. Die Botschaft des Filmes wird von Shinematse formuliert und lautet: "Es darf nie wieder Krieg geben."

Der Film verwendet Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die dem Film eine sehr düstere Farbe geben und gut zu der tragischen Handlung passen. Dasselbe gilt für die Filmmusik von Toru Takemitsu, welche aus einer eigentlich schönen Melodie besteht, die aber von scharfen Dissonanzen zerrissen wird. Der Film enthält besonders im zweiten Teil einige kraftvolle Sequenzen, die vor allem an die Gefühle der Zuschauer appellieren und diese zum Schluss hin in eine starke Erregung versetzen, es ist im Grunde genommen eine zunächst hoffnungsvolle Liebesgeschichte, welche aber durch Yasukos möglichen Tod völlig vernichtet und ins Gegenteil umgekehrt wird. Gleichzeitig zeigt der Film viele Bestandteile der japanischen Kultur, beispielsweise die traditionelle Lebensweise auf dem Land, die Teezeremonie und den gepflegt-höflichen Umgang der Menschen miteinander, die sich in vielen Situationen verbeugen oder sich gegenseitig um Entschuldigung bitten, eine uns fremde Lebensweise, die man so in Europa nicht kennt.

Dazu kommen besondere filmische Mittel, die mit der Handlung des Filmes korrespondieren, wie beispielsweise, dass der Film im Sommer einsetzt (Zikadengesang im Hintergrund), aber mit weißen verblühten Pflanzen im Herbst endet, wobei die späte Jahreszeit ein Hinweis darauf ist, dass Yasuko sterben könnte. Ein weiteres wichtiges Motiv ist ein Karpfenteich, an dem ein Teil der Handlung spielt. Shigematus und seine Freunde beauftragen einen Fischhändler, im Teich junge Karpfen auszusetzen, damit sie dort gemeinsam angeln können. Während die Karpfen aber größer und älter werden, sterben Shigematsus Freunde an der Strahlenkrankheit. Als dann am Ende des Filmes nur noch Shigematsu und Yasuko gemeinsam am Teich sitzen, sieht diese immer wieder einen großen Karpfen aus dem Wasser springen. Es handelt sich jedoch um eine Halluzination und man erkennt, dass Yasuko blind geworden ist und die Strahlenkrankheit weit vorangeschritten sein muss.

Einige Motive des Filmes sind klug konstruiert und fallen erst auf, wenn man den Film mehrmals sieht. Beispielsweise glaubt Shigematsu, im Unterschied zu vielen anderen Japanern, nicht an übersinnliche Kräfte und bezeichnet die Versuche seiner Frau, Yasuko mit Hilfe eines Mediums zu heilen, das angeblich mit den Ahnen im Jenseits sprechen kann, als puren Aberglauben. Jedoch erschüttert ihn der Tod seiner Freunde und Yasukos Leiden so sehr, dass er am Ende des Filmes dann doch nach glücksbringenden Omen am Himmel sucht: "Kein unglücksverheißender Nebelstreifen am Horizont. Wenn jetzt ein Regenbogen erscheit, wird Yasuko wieder gesund." Diese Hoffnung ist aber vergeblich, der Himmer ist wolkenlos und blau.

Der Drehbuchschreiber geht mit der Romanvorlage sehr frei um und erfindet große Teile der Liebesgeschichte selbst, während Ibuse, der Autor des Romans, Yasukos Geschichte nur in wenigen Details erzählt. Die Figur des Yuishi stammt aus einem anderen Werk von Ibuse, wird aber auf geniale Weise mit der Handlung des Romans "Schwarzer Regen" zu einer neuen Geschichte verbunden, die sehr stimmig ist und die Zuschauer sehr berührt. Der Film ist insgesamt sehr gelungen und lohnend.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. http://rogerebert.suntimes.com/apps/pbcs.dll/article?AID=/19900924/REVIEWS/9240301/1023
  2. http://www.cinema.de/film_aktuell/filmdetail/film/?typ=inhalt&film_id=30224
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