Roger Ebert

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Roger Ebert (1970)
Roger Ebert (Mitte) mit seiner Frau Chaz Hammelsmith Ebert (links) und Nancy Kwan (rechts) beim Hawaii International Film Festival, 2010

Roger Joseph Ebert (* 18. Juni 1942 in Urbana, Illinois; † 4. April 2013 in Chicago, Illinois) war ein US-amerikanischer Filmkritiker und 1975 der erste Pulitzer-Preis-Gewinner für Filmkritiken.[1] Ebert schrieb für die Chicago Sun-Times und galt als bedeutendster Filmkritiker der USA.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Roger Ebert wuchs als Sohn von Walter H. Ebert und Annabel Ebert in Urbana, Illinois auf. Seine Vorfahren auf väterlicher Seite waren Immigranten aus Deutschland, von mütterlicher Seite her stammen sie aus den Niederlanden und Irland. Als Schüler an der Urbana High School begann er sich für Journalismus zu interessieren und schrieb erste Sportartikel für die The News-Gazette in Champaign, Illinois. Mit Artikeln in Science-Fiction-Fanmagazinen, so in Richard A. Lupoffs Xero, begann er eine eigene Schriftstellerkarriere und wurde gegen Ende seiner Schulzeit Mitherausgeber der Zeitung seiner Highschool, dem The Echo. In einer Simulation von Radiobeiträgen gewann Ebert 1958 den Preis der Illinois High School Association State Speech Championship. Außer an der University of Illinois studierte Ebert kurz an der University of Chicago und an der Universität Kapstadt. Seine Doktorarbeit blieb, aufgrund der Doppelbelastung, unbeendet. Ebert schrieb seit Mitte der 1960er Jahre Filmkritiken. Von 1982 bis 1999 moderierte er zusammen mit seinem Kollegen Gene Siskel von der Chicago Tribune die Fernsehsendung Siskel & Ebert, in der beide Kritiker gemeinsam Filme bewerteten. Siskel verstarb 1999. Sein Nachfolger wurde im September 1999 Richard Roeper von der Chicago Sun-Times. Die Sendung hieß Ebert & Roeper und lief bis August 2008.

Roger Ebert war ein Freund von Russ Meyer und schrieb das Drehbuch für dessen Filme Blumen ohne Duft (Beyond the Valley of the Dolls, 1970), Drüber, drunter und drauf (Up!, 1976, unter dem Pseudonym Reinhold Timme) und Im tiefen Tal der Superhexen (Beneath the Valley of the Ultra-Vixens, 1979, unter dem Pseudonym R. Hyde).

Jedes Jahr gab Ebert ein Buch mit den Filmkritiken des Vorjahres heraus. Darüber hinaus hat er ein Buch über Filmklischees sowie jeweils ein Buch mit den besten und den schlechtesten Filmen der Vergangenheit herausgegeben. Er veranstaltete zudem das jährliche Roger Ebert’s Overlooked Film Festival in Champaign.

Seit dem 18. Juli 1992 war Ebert mit der Anwältin Charlie „Chaz“ Hammel-Smith verheiratet. Anfang 2002 erkrankte er an papillärem Schilddrüsenkrebs und verlor im Jahr 2006 im Laufe der Behandlung die Fähigkeit, zu sprechen, zu essen und zu trinken und wurde seither über eine Magensonde ernährt. Am 23. Juni 2005 erhielt er als erster Filmkritiker überhaupt einen eigenen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame bei der Adresse 6834 Hollywood Blvd.[2] Roger Ebert starb am 4. April 2013 im Alter von 70 Jahren an seiner Krebserkrankung.[3]

Ansichten zur Filmindustrie[Bearbeiten]

Eberts Lieblingsfilm war Orson WellesCitizen Kane und der Kontrast dazu sei Rob Reiners North, den er hasste. Er verfasste jeweils eine Liste der seiner Meinung nach besten und schlechtesten Filme aller Zeiten. Sein Geschmack zog sich durch anspruchsvolles wie auch populäres Kino und vor allem alte, aber auch neuere Filme.

Ebert war ein ausgesprochener Gegner der Motion Picture Association of America. Er kritisierte wiederholt die von ihr vergebenen Altersempfehlungen bezüglich der Filme, die für Kinder als geeignet eingestuft wurden.[4]

Außerdem beklagte Ebert regelmäßig, dass Kinos außerhalb von Großstädten ebenfalls nur typische Hollywood-Filme zeigten, statt das lokale Interesse zu berücksichtigen. Dies mache es für die meisten amerikanischen Kinobesucher nahezu unmöglich, hochqualitative Independentfilme oder ausländische Filme zu sehen.[5]

Roger Ebert war ein Befürworter des Maxivision-48-Verfahrens, bei dem der Film mit 48 statt der üblichen 24 Bilder pro Sekunde abgetastet wird. Er war gegen die Praxis, in den Kinos die Intensität der Glühbirnen der Projektoren zu senken, um die Betriebsdauer zu verlängern. Laut Ebert habe dies nur einen kleinen Effekt und erschwere außerdem, den Film zu sehen.[6]

Ebert war skeptisch gegenüber der kürzlichen Rückkehr der 3D-Effekte in Filmen; diese empfand er als unrealistisch und verwirrend.[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Außer sieben Nominierungen für den Emmy in der Kategorie Outstanding Informational Series erhielt Ebert folgende Auszeichnungen:

  • 1975: Pulitzer-Preis/Kritik für seine Film-Kritiken des Jahres 1974
  • 2001: Video Premiere Award für den besten Audiokommentar zu Citizen Kane (1941)
  • 2003: Special Achievement Award der American Society of Cinematographers
  • 2004: Lifetime Achievement Award des Savannah Film and Video Festival für entertainment journalism
  • 2005: CINE Lifetime Achievement Award

Schriften[Bearbeiten]

  • Scorsese by Ebert. ISBN 978-0-226-18202-5.
  • Awake in the Dark: The Best of Roger Ebert. ISBN 0-226-18200-2. – Eine Sammlung von Interviews, Essays etc. aus seinen 40 Jahren als Filmkritiker.
  • Ebert’s “Bigger” Little Movie Glossary. ISBN 0-8362-8289-2. – ein Buch über Filmklischees.
  • The Great Movies. ISBN 0-7679-1038-9. – mehrere Abhandlungen über großartige Filme.
  • The Great Movies II. ISBN 0-7679-1950-5. – mehrere Abhandlungen über großartige Filme.
  • I Hated, Hated, Hated This Movie. ISBN 0-7407-0672-1. – Eine Sammlung von Kritiken über schlecht bewertete Filme.
  • Roger Ebert’s Book of Film. ISBN 0-393-04000-3. – über ein Jahrhundert des Schreibens über Filme.
  • Questions for the Movie Answer Man. ISBN 0-8362-2894-4. – Antworten zu eingeschickten Fragen seiner Leser.
  • Behind the Phantom’s Mask. ISBN 0-8362-8021-0. – Roman.
  • An Illini Century. – Die Geschichte der ersten 100 Jahre University of Illinois.
  • The Perfect London Walk. ISBN 0-8362-7929-8. – Ein Führer durch Eberts ausländische Lieblingsstadt.
  • Your Movie Sucks. ISBN 0-7407-6366-0. – Eine Sammlung von Kritiken über schlecht bewertete Filme.
  • Roger Ebert’s Four-Star Reviews 1967–2007. ISBN 0-7407-7179-5. – Eine Sammlung von Kritiken über gut bewertete Filme.
  • Life Itself: A Memoir. Grand Central Publishing, New York City, ISBN 0-446-58497-5. – Autobiographie.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Roger Ebert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Info auf pulitzer.org
  2. Zeit online Film 5. April 2013 Amerikas bekanntester Filmkritiker Roger Ebert ist tot (dpa, cw), abgerufen am 7. April 2013
  3. Neil Steinberg: Roger Ebert dies at 70 after battle with cancer. In: Chicago Sun-Times, 4. April 2013 (englisch).
  4. Roger Ebert: Getting Real About Movie Ratings In: The Wall Street Journal, 10.Dezember 2010 (englisch).
  5. Roger Ebert: They got it right In: Chicago Sun-Times, 29.Januar 2004 (englisch).
  6. Roger Ebert: Movie Answer Man column In: Rogerebert.suntimes.com, 17.Oktober 2009 (englisch).
  7. Roger Ebert: D-minus for 3-D In: Chicago Sun-Times, 16.August 2008 (englisch).