Selbstdisziplin

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Selbstdisziplin oder Selbstbeherrschung bezeichnet ein stetiges und eigenkontrolliertes Verhalten, das einen Zustand aufrechterhält oder herbeiführt, indem es Anstrengungen aufwendet, die den Ablenkungen von einer Zielvorgabe entgegenwirken.

Mehrere Langzeitstudien der letzten Jahrzehnte ergaben, dass das in Tests und Untersuchungen ermittelte Maß der Fähigkeit zur Selbstdisziplin in der Kindheit ein sicheres Indiz war für vielfältigen Erfolg im späteren Erwachsenenleben. Die bislang eindrucksvollste Studie in dieser Hinsicht ist die Dunedin-Studie aus Neuseeland von 2011.

Kulturelle Ausprägungen[Bearbeiten]

England[Bearbeiten]

Die englische Variante der Selbstdisziplin, die es verbietet, sich sowohl Verletzlichkeit als auch überschwängliche Freude anmerken zu lassen, wird “keeping a stiff upper lip” („eine steife Oberlippe behalten“) genannt. Die stete Wahrung der Haltung ist bereits bei den Charakteren in Shakespeares Werk zu erkennen. In der Zeit des Empire erlebte die “Stiff upper lip” einen Höhepunkt und wurde von den Public Schools, nachdem sie sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reformiert hatten, gefördert. Seit den 1960er Jahren verblasst dieses Ideal zunehmend.

Frankreich[Bearbeiten]

Die französische Variante der Selbstdisziplin ist die Contenance, speziell in gehobenen Gesellschaftsschichten.

Selbstkontrolle in Kindheit bahnt Erfolg im späteren Leben[Bearbeiten]

In einer äußerst umfassenden Längsschnittstudie von 2011 wurde sichtbar, dass Fähigkeiten der Selbstkontrolle während der Kindheit, wie Selbstdisziplin, Gewissenhaftigkeit und Ausdauer, starken Einfluss hatten auf spätere Erfolge im Leben, wie Gesundheit, materiellen Wohlstand und Zufriedenheit, und zwar unabhängig von Intelligenz und sozialem Status. Gleichzeitig führten diese Eigenschaften im späteren Leben zu geringeren sozialen Kosten durch medizinische Behandlung, Sozialleistungen und Strafverfolgung.[1][2][3]

Für die Untersuchung konnte zurückgegriffen werden auf die enorme Datenmenge einer inzwischen weltberühmten Langzeitstudie in Neuseeland, der multidisziplinären Gesundheits- und Entwicklungsstudie Dunedin (The Dunedin Multidisciplinary Health and Development Study). Dieses noch laufende Projekt umfasst Daten von 1037 Personen, die vom 1. April 1972 bis zum 31. März 1973 geboren wurden und (bislang) im Alter von 3, 5, 7, 9, 11, 13, 15, 18, 21, 26, 32 und 38 Jahren ausführlich medizinisch untersucht und bezüglich ihrer Lebensumstände nicht nur durch Befragungen, sondern auch über weitere Informationskanäle genauestens erfasst wurden. Das Besondere dieser Längsschnittstudie ist nicht nur die große Zahl der Teilnehmer, sondern deren dauerhafte Motivation, weiter mit dabei zu sein. Bei der bisher letzten Untersuchung im Alter von 38 kamen 96 % der noch Lebenden (aus aller Welt) zurück. Damit betrug der Schwund nur ein Fünftel bis ein Zehntel des Üblichen, wodurch eine hohe Verlässlichkeit der Datenauswertung gegeben war.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Moffitt TE, Arseneault L, Belsky D, Dickson N, Hancox RJ, Harrington H, Houts R, Poulton R, Roberts BW, Ross S, Sears MR, Thomson WM, Caspi A: A gradient of childhood self-control predicts health, wealth, and public safety. Proc Natl Acad Sci U S A 108(7), 2011: 2693-2698, PMID 21262822
  2. Terrie E. Moffitt, Avshalom Caspi, Richie Poulton: Ein besseres Leben dank früher Selbstbeherrschung. Spektrum der Wissenschaft 12-2014, S. 40–47, Online
  3. Überblicksartikel auf der Website der Dunedin Studie: Children with more self-control turn into healthier and wealthier adults. 25. Januar 2011
  4. The Dunedin Multidisciplinary Health and Development Study, Website