Siestrzechowice

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Siestrzechowice
Siestrzechowice führt kein Wappen
Siestrzechowice (Polen)
Siestrzechowice
Siestrzechowice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Oppeln
Landkreis: Nysa
Gmina: Nysa
Geographische Lage: 50° 26′ N, 17° 16′ O50.43222222222217.273888888889Koordinaten: 50° 25′ 56″ N, 17° 16′ 26″ O
Einwohner: 257 (30. Juni 2012[1])
Postleitzahl: 48-351
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: ONY
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Breslau

Siestrzechowice [ɕɛst.ʃɛχɔˈvʲiʦɛ] (deutsch Grunau) ist ein Dorf in der Stadt- und Landgemeinde Nysa (Neisse) im Powiat Nyski der Woiwodschaft Oppeln.

Geografie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt rund 75 Kilometer südlich von Breslau und 5 Kilometer südwestlich des Kreis- und Gemeindesitzes Nysa, direkt am Südufer des Jezioro Nyskie (Neisser Stausee), in den nordöstlich des Dorfes die Biała Głuchołaska (Biele) einmündet.

Geschichte[Bearbeiten]

Siestrzechowice wurde 1284 als Grunow und 1310[2] sowie 1375 als Grunaw erwähnt[3]. Es gehörte damals zum Fürstentum Neisse, das der Breslauer Bischof Preczlaw von Pogarell 1342 als ein Lehen der Krone Böhmen unterstellte, die 1526 an die Habsburger gelangte. Die Bevölkerung des Ortes blieb auch nach der Reformation fast gänzlich katholisch und war nach Köppernig eingepfarrt.

1592 übertrug der Breslauer Fürstbischof Andreas von Jerin das Gut Grunau seinem Neffen, dem Neisser bischöflichen Hofrichter Andreas von Jerin und seiner Frau Barbara Meczker. Daraufhin kam 1593 noch das Vorwerk des Kaspar Rost (Roßhof) in den Besitz der Jerin.[2] Von 1593 bis 1594 ließ er hier ein Renaissance-Schloss (Schloss Grunau) errichten. Bis 1730 blieb der Grunau – nun Ritterdorf – im Besitz derer von Jerin und kam dann an die Familie Strachwitz, die Grunau 1743 dem fürstbischöflichen Oberhospital zu Neisse überließ.[4]

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Grunau mit dem größten Teil des Fürstentums Neisse an Preußen. Nach der Neuorganisation der Provinz Schlesien gehörte die Landgemeinde Grunau ab 1816 zum Landkreis Neisse im Regierungsbezirk Oppeln. 1819 erhielt das Dorf eine Schule. Der 1874 gebildete Amtsbezirk Grunau umfasste die Landgemeinden Blumenthal, Grunau und Klein Briesen sowie die Gutsbezirke Blumenthal, Grunau, Klein Briesen und Klein Briesen, Forst und Colonie Heidenau[5].

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 wurde Grunau Teil Polens und die verbliebene deutsche Bevölkerung vertrieben. Vorübergehend wurde Grunau in Izdebka umbenannt, bis 1947 der heutige Ortsname Siestrzechowice eingeführt wurde.[1] 1971 wurde die Nysa Kłodzka (Glatzer Neiße) im 22 km² großen Neisser Stausee aufgestaut. Während Siestrzechowice sich nun am Ufer dieses neuen Sees befand, fielen andere Orte, wie die ehemalige Grunauer Kolonie Roßhof (Rościsław) dem Stausee zum Opfer. 2009 wurde das Dorf kanalisiert.[1]

Siestrzechowice gehört heute der Stadt- und Landgemeinde Nysa an.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen von Grunau (inkl. Gutsbezirk):[6]

Jahr Einwohner
1845 543
1855 542
1861 565
1910 446
Jahr Einwohner
1933 428
1939 403
2010 256[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Dieser Holzstich von Theodor Blätterbauer aus dem 19. Jahrhundert zeigt das Schloss noch mit Turm
  • Das Schloss Grunau ließ Bischof Andreas von Jerin 1593–1594 für seinen Neffen, den Neisser Hofrichter Andreas von Jerin in Renaissanceformen errichten. Es birgt einen farbenprächtigen Freskenzyklus von 86 Wappen von Adligen des Fürstentums Neisse.
  • Die Nepomuk-Statue im Dorf wurde laut Inschrift 1726 aufgestellt.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Siestrzechowice ist nach wie vor landwirtschaftlich geprägt. 1978 befanden sich neben einer Staatsgut (PGR) 44 Bauernhöfe im Dorf. Ihre Zahl sank auf 22 im Jahre 1988, als noch 53 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig waren. Der Niedergang der Landwirtschaft setzte sich nach der Wende fort, so dass heute noch drei Höfe in der Landwirtschaft tätig sind. Eine hohe Arbeitslosigkeit und Abwanderung aus dem Dorf sind die Folgen. Die schlechte wirtschaftliche Lage hatte erhebliche Auswirkungen auf das Ortsbild. Zahlreiche Scheunen blieben ungenutzt und wurden in der Folge abgerissen, einige Gebäude sind in einem verwahrlosten Zustand, vor allem das Renaissanceschloss, das eines der bedeutendsten Bauwerke der Gegend darstellt, aber zunehmend verfällt.[1]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Siestrzechowice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c d Vgl. bip.nysa.pl (PDF; 7,4 MB)
  2. a b Vgl. Bernhard W. Scholz: Das geistliche Fürstentum Neisse: Eine ländliche Elite unter der Herrschaft des Bischofs (1300-1650). 2011
  3. Vgl. Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845
  4. Vgl. kudyba.pl; abger. am 17. Juli 2008
  5. Amtsbezirk
  6. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1844: [1] - 1855, 1861: [2] - 1910: [3] - 1933, 1939: [4]
  7. Główny Urząd Statystyczny, Portret miejscowości statystycznych w gminie Nysa (powiat nyski, województwo opolskie) w 2010 r. Online-Abfrage
  8. Vgl. [5]