Opole

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Opole. Für weitere Bedeutungen siehe Oppeln (Begriffsklärung).
Opole
Wappen von Opole
Opole (Polen)
Opole
Opole
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Opole
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Fläche: 96,21 km²
Geographische Lage: 50° 40′ N, 17° 56′ O50.66666666666717.933333333333Koordinaten: 50° 40′ 0″ N, 17° 56′ 0″ O
Höhe: 176 m n.p.m
Einwohner: 120.031
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 45-059 bis 45-865
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OP
Wirtschaft und Verkehr
Straße: A4 Breslau-Krakau
DK45 ZabełkówZłoczew
DK46 KłodzkoSzczekociny
Nächster int. Flughafen: Katowice
Breslau
Einwohner: 120.031
(30. Jun. 2014)[1]
Gemeindenummer (GUS): 1661011
Verwaltung (Stand: 2012)
Stadtpräsident: Ryszard Zembaczyński
Adresse: Rynek
45-015 Opole
Webpräsenz: www.opole.pl
Die Stadt Opole mit Blick vom Piastenturm, der Pfennigbrücke, dem Platz Ignacego Daszyńskiego, dem Oppelner Ring, den Gründerzeitlichen Häusern an der ul. 1-Maja und einer Übersicht mit Oder und der Kathedrale zum Heiligen Kreuz.

Opole [ɔ'pɔlɛ] (deutsch Oppeln, schlesisch: Uppeln, schlonsakisch Uopole, tschechisch Opolí), inmitten der Region Oberschlesien an der Oder gelegen, ist die Hauptstadt der Woiwodschaft Opole im Südwesten Polens. Sie liegt zwischen Breslau und Katowice und ist Zentrum eines Gebiets der deutschen Minderheit sowie römisch-katholischer Bischofssitz. Sie beheimatet eine Universität, eine Technische Universität, eine Kunst- und Musikhochschule sowie wissenschaftliche Institute.

Opole ist die historische Hauptstadt Oberschlesiens.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Opole liegt auf 176 m n.p.m bei 50° 40′ nördlicher Breite und 17° 56′ östlicher Länge. Die Stadt liegt beidseitig der Oder auf dem Oppelner Buckel, einer Mikroregion in der Schlesischen Tiefebene, die im Norden durch die Südgroßpolnische Tiefebene und die Wieluner Hochebene, im Osten durch die Schlesische Hochebene mit dem Chelmer Massiv um den St. Annaberg sowie im Süden durch das Sudetenvorland und die Ostsudeten begrenzt wird.

Stadtteile[Bearbeiten]

Klima[Bearbeiten]

Der geographischen Lage entsprechend, liegt Opole in den warmgemäßigten Mittelbreiten mit einem kontinentalen Wärmehaushalt und einem semihumiden Wasserhaushalt. Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt 8,5 °C bei 160 bis 180 Regentagen.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im Oppelner Land sind bereits menschliche Spuren aus vielen tausenden Jahre vor der Ersterwähnung der Stadt aufzufinden. Funde, die unteranderem im Museum des Oppelner Schlesien zu betrachten sind, stammen aus der Jungsteinzeit, dem Neolithikum. In römischen Quellen wird vom Volk der Lugen gesprochen, welche im heutigen Oppelner Land zahlreiche Siedlungen besaßen. Bei archäologischen Ausgraben in Chorula oder in Tarnów Opolski wurden Urnenfriedhöfe solcher Siedlungen gefunden. Ebenfalls wurden zahlreiche römische Münzen entdeckt, wobei man davon ausgehen kann, dass diese Völker einen regen Handel mit anderen Völkern betrieben. Hier verlief die Bernsteinstraße, welche das Mittelmeer mit der Ostsee verband.[3]

Von der Ersterwähnung bis zur Erlangung der Neumarkter Rechte[Bearbeiten]

Die älteste Ansicht Oppelns von 1535, gesehen von Südosten

Die erste Erwähnung geht auf das Jahr 845 zurück. Dabei erwähnte der Bayerische Geograph die Existenz eines Stammesgebiets der Opolanen (Opolini) und dessen Wallburg an der Oder. Eine Siedlung dieses Stammes befand sich auf der nördlichen Spitze der Pascheke, welche unter dem Name Ostrówek bekannt ist. Das Gebiet war Ende des 9. Jahrhunderts wahrscheinlich ein Teil von Großmähren und kam nach dessen Zerfall um 907 in den Machtbereich des böhmischen Herrschergeschlechts der Přemysliden. Um 990 wurde Schlesien samt dem Gebiet von Oppeln von Mieszko I. dem polnischen Staat angeschlossen. 1039 eroberte Břetislav I. das Gebiet für elf Jahre zurück, wodurch Oppeln wieder an Böhmen fiel. 1050 eroberte Kasimir I. Schlesien erneut, wodurch es in den Machtbereich der Piasten zurückfiel. Der Tod von Bolesław III. Schiefmund im Jahr 1138 leitete in Polen die Periode der Teilfürstentümer ein, wobei Schlesien dem ältesten Sohn Władysław II. zugesprochen wurde. Nach dessen Tod wurde Schlesien 1163 in zwei Fürstentümer, 1179 dann in drei feudale Kleinstaaten aufgeteilt, darunter das Herzogtum Oppeln, Ottmachau und Neisse. Der erste Herzog wurde Fürst Jaroslaw, welcher zeitgleich ab 1198 Bischof von Breslau war.[4]

Der Merianplan von 1650 zeigt deutlich die Umrisse der Oppelner Stadtbefestigung
Das ehemalige Piastenschloss mit Piastenturm (Abriss 1928-1930)
Eine Aufnahme des Odertores aus dem Jahr 1880. Das Tor wurde erst 1889 abgerissen und befand sich an der heutigen Ul. Katedra. Rechts die Turmspitze der Alexiuskapelle.

Im Jahre 1201 nahm Mieszko I. von Oppeln das südschlesische Herzogtum in Besitz und gründete die Dynastie der Oppeln-Ratiborer Piasten. Als Seniorherzog von Polen (1210–11) wird er Mieszko IV. genannt. Sein Sohn Kasimir I. (1178–1230) verlagerte die Hauptstadt des Fürstentums von Ratibor nach Oppeln. Zu dieser Zeit war die Stadt eine Kastellanei. Zwischen 1211 und 1217 wurde durch den Herzog Kasimir I., wahrscheinlich nach flämischem Recht, eine Stadt als Kaufmannsansiedlung am Oderübergang gegründet. Dadurch gilt er in den Geschichtsbüchern als Gründer der Stadt Opole. 1228 ließ er in einer Urkunde festlagen, dass die Stadt und die Burg mit einer Mauer aus Ziegelstein zu befestigen sei[5]. Zu dieser Zeit kamen viele Menschen, vor allem aus Westeuropa in die neugegründete Stadt, darunter Deutsche, Flamen und Wallonen. Auf dem Ostrówek ließ der Herzog ebenfalls ein Schloss bauen, das in den 1920er Jahren abgerissene Piastenschloss. Kasimir I. förderte den Handel und den Handwerk in der Stadt[6]. 1222 wird die Kreuzkirche zum ersten Mal erwähnt und kurze Zeit später zum Kollegiatstift erweitert. 1295 wurde sie Pfarrkirche der Stadt, womit sie die Aldalbertkirche ablöste.

1241 wurde Oppeln von einem Heer der Goldenen Horde angegriffen. Im weiteren Verlauf des 13. Jahrhunderts wurde der Enkel Kasimirs I. 1246 Herzog des Fürstentums. Er bemühte sich um eine bessere Entwicklung der Stadt, besiedelte neue Gebiete im Reich und gründete neue Städte. Nach dessen Tod wurde das Fürstentum Oppeln unter seinen Söhnen aufgeteilt. Das fürstliche Oppeln ging an Bolko I. Dieser errichtete die steinerne Wehrmauer um die Stadt, ließ die niedergebrannte Franziskanerkirche wieder aufbauen, erweiterte die Kathedrale zum Heiligen Kreuz und vollendete den Bau des Schlosses. Die Stadtbefestigung bestand aus fünf Toren mit Tortürmen. Im Süden befand sich das Beuthener Tor (auch Groschowizer Tor genannt), im Osten das Goslawitzer Tor, im Norden das Nikolaitor (dieses war aber zugemauert und konnte nicht passiert werden) und im Westen zur Oder hin das Oder- und Schlosstor. Des Weiteren existierten noch weitere drei Wehrtürme. An der Kathedrale befand sich der Barborkaturm, im Osten an der Bergelkirche der Flettnerturm und der Wilkturm am Tuchmarkt.[7]

Im Jahr 1327 verlieh der Oppelner Herzog Bolko II. der Stadt das Neumarkter Recht. Im gleichen Jahr huldigte Bolko II. von Oppeln, sowie weitere schlesische Herzöge dem böhmischen König Johann von Luxemburg, womit sein Herzogtum samt Oppeln bis 1532 dem böhmischen Machtbereich untergeordnet war. 1410 wurde der Stadt das Magdeburger Recht verliehen[8]. Bolko III. regierte gemeinsam mit seinem Bruder Wladislaus II.. Dieser war Anwärter auf den polnischen Thron und bekleidete nebenbei hohe Funktionen im Reich. Johann I., Sohn Bolkos III., regierte von 1382 bis 1421 das Fürstentum. Er errichtete die ersten gemauerten Gebäude in der Stadt sowie das Hospital und die Alexiuskapelle.[9]

Vom Ende der Oppelner Piasten-Dynastie bis 1900[Bearbeiten]

Plan von Oppeln aus dem 18. Jh.
Darstellung von Oppeln in einem alten Stich von 1734
Stadtplan von Oppeln aus dem Jahr 1818
Gründerzeitliche Wohnhäuser an der ul. 1-maja

Der letzte Piast von Oppeln war Johann II., auch bekannt unter dem Namen Johann der Gute. Er widmete der Stadt das heutige Wappen und verfasste die ersten Bergbaugesetze. Ab 1514 war Oppeln eines der größten Zentren der schlesischen Tuchwebereien. Zu dieser Zeit wurde Oppeln immer mehr zu einem wichtigen Handelszentrum. Selbst Zollgebühren durfte die Stadt bereits einführen. 1528 schlossen Johann der Gute und Ferdinand I. von Habsburg, König von Böhmen und Ungarn einen Vertrag, wonach das Herzogtum samt der Stadt Oppeln nach dessen Tod, an die böhmische Krone fallen solle. Mit dem Tod Johann des Guten am 27. März 1532 fiel das Herzogturm an die Habsburger. Zwischen 1532 und 1666 wurde die Stadt und das Herzogtum mehrmals an die Gläubiger der Habsburger verpfändet. So kam Oppeln auch zwischen 1645 bis 1666 an die polnischen Wasa-Könige, da die Habsburger auch bei den polnischen Machthabern Schulden besaßen. Das häufige Wechseln der Besitzer hemmte die Entwicklung der Stadt und des Herzogtums.[10]

Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde auch Oppeln zu großen Teilen zerstört, darunter auch das Piastenschloss. Historiker schätzen, dass in diesen Jahren allein in Schlesien knapp 200.000 Menschen umkamen. Im Jahr 1615 zerstörte ein Stadtbrand die gesamten Häuser innerhalb der Stadtmauern. 1655 tagte der polnische König Johann II. Kasimir in der Stadt. Hier schrieb er den Appell an sein Volk, zur Bekämpfung der Schweden. Im Jahr 1679 grassierte die Pest in Oppeln und forderte mehr als 900 Todesopfer. 1739 wütete ein Großbrand in der Stadt und zerstörte knapp Zweidrittel der Stadt. Von knapp 210 Häusern fielen 135 den Flammen zum Opfer.[11] Im Jahr 1742, nach dem von Österreich verlorenen Ersten Schlesischen Krieg, fiel der Großteil Schlesiens samt Oppeln an Preußen. Durch die Preußen wurde die planmäßige Germanisierung der Stadt begonnen. Die preußische Verwaltung wurde etabliert mitsamt preußischen Beamten. Dabei nahmen neben einem neuen Post- und Steueramt auch eine Salz- und Baubehörde ihre Arbeit auf. Weiterhin wurde 1747 die erste Garnison in Oppeln stationiert. Damit sich Oppeln schneller entwickeln konnte, bekam jeder, der ein Haus bauen wollte, eine Unterstützung von 50 bis 80 Talern. Weiterhin wurden Fabriken und Manufakturen gefördert und es entstanden erste Hüttensiedlungen im Oppelner Umland. Ebenfalls wurde an allen Ämtern und Schulen die deutsche Sprache eingeführt.[12]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Oppeln zu einem wichtigen Verwaltungs- und Industriezentrum. Mit der Neustrukturierung der Kreisgliederungen in Preußen 1816, wurde der Sitz des Oberschlesischen Regierungsbezirks von Brieg nach Oppeln verlegt. Diese Funktion hatte Oppeln bis 1945 inne. Dadurch wuchs die Einwohnerzahl, und die Bautätigkeit der Stadt nahm zu. 1816 lebten 4050 Menschen in der Stadt. 1822 begann man mit dem Abriss der Stadtbefestigung. Im gleichen Jahr erhielt das Rathaus einen Neubau. 1824 entstand die Kolonie "Wilhelmstal" auf der Paschekeinsel. Zur gleichen Zeit wurde neuer Wohnraum für neu hingezogene Beamten erbaut. Zu Beginn der 1830er Jahre wurde die Alte Regierung am heutigen Plac Wolności (damals Regierungsplatz) erbaut. 1839 wurde die Hebammenschule an der Bergelkirche errichtet. 1840 wurde die noch heute stehende Alte Synagoge am Mühlgraben gebaut. Kurze Zeit später, im Jahr 1843, eröffnete die Oberschlesische Eisenbahn den Bahnverkehr zwischen Oppeln und Breslau sowie 1846 die Anbindung an das Industriegebiet rund um Kattowitz und Zabrze.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Oppeln zu einem wichtigen Zentrum der Zementindustrie. Mit der Eröffnung der ersten „Portland Zementwerke", gegründet durch den schlesischen Industriellen Friedrich Wilhelm Grundmann, begann das Zeitalter der Zementindustrie im Oppelner Land. Bereits einige Jahre später existierten weitere acht Zementfabriken. 1863 wurde das städtische Gaswerk eingerichtet und 1886 der Hafen am Mühlgraben eröffnet[13]. 1890 lebten knapp 19.000 Menschen in der Stadt. 1891 wurde die Insel Pacheke eingemeindet. 1897 weihte Leo Baeck die auf der Paschekeinsel erbaute Neue Synagoge ein. Im gleichen Jahr wurden die neue Kaserne und die Mädchenschule eröffnet. Des Weiteren wurde mit dem Bau des Wasserleitungsnetzes begonnen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Kirchtürme der Kathedrale, der Bergelkirche sowie der Franziskanerkirche ausgebaut[14]. Zu dieser Zeit lebten überwogen Deutsche in der Stadt, Polen und Juden bildeten hingegen eine Minderheit. Dreiviertel der städtischen Bevölkerung gehörten dem römisch-katholischen Glauben an, knapp zwanzig Prozent dem protestantischen und fünf Prozent dem jüdischen[15].

20. Jahrhundert bis heute[Bearbeiten]

Warten auf die Ergebnisse der Volksabstimmung 1921

Zwischen 1902 und 1913 wurde der Handelshafen an der Oder in Zakrzów erbaut. 1909 wurde der Ostbahnhof eröffnet, 1910 kaufte die Stadt die Bolko-Insel und 1911 wurde das 1945 entfernte Bismarckdenkmal auf dem Bahnhofsplatz enthüllt.[16] Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde aufgrund der Beschlüsse des Friedensvertrags von Versailles eine Volksabstimmung in Oberschlesien durchgeführt, um die politische Zugehörigkeit des Gebiets zu bestimmen. Bei der Volksabstimmung am 20. März 1921 stimmten 20.816 Wahlberechtigte (94,7 % der abgegebenen Stimmen) für einen Verbleib beim Deutschen Reich, 1.098 für Polen (5,0 %). Ungültig waren 70 Stimmen (0,3 %). Die Wahlbeteiligung betrug 95,9 %. Bis zur Abtretung Ostoberschlesiens an Polen im Jahre 1922 gehörte auch das Oberschlesische Industrierevier (die heutige Woiwodschaft Schlesien) rund um Katowice zum Oppelner Regierungsbezirk, während von 1939 bis 1945 dieser Bereich durch einen eigenen Regierungspräsidenten in Kattowitz verwaltet wurde. Neben Deutsch als Verkehrssprache gebrauchten viele Oppelner bereits vor 1945 einen slawischen Dialekt, das Oberschlesische, das auch Wasserpolnisch genannt wird.

Die Synagoge an der Hafenstraße während des Brandes am 9. November 1938
Der eingestürzte Rathausturm 1934
Kriegszerstörungen 1945, Ring

Zwischen 1928 und 1931 wurde das am Ostrówek befindliche Piastenschloss abgerissen und durch das neue Regierungsgebäude ersetzt. Erhalten blieb lediglich der Piastenturm. Beim Abriss des Schlosses entdeckte man Fundamente einer alten slawischen Ansiedlung. 1934 kam es bei Umbauten am Rathaus zum Einsturz des Rathausturmes. Dieser wurde aber zwei Jahre später wieder aufgebaut. 1936 wurden die Dörfer Szczepanowice und Półwieś eingemeindet. Bei der Reichskristallnacht am 9. November 1938 wurde die Synagoge an der Hafenstraße (heute ul. Piastwoska) zerstört und abgerissen. Ebenfalls wurden jüdische Geschäfte zerstört und Juden schikaniert und vertrieben.[17]

Im Jahr 1944 erklärte man Oppeln zu einer Festung. Leitender General war Friedrich-Albrecht Graf von Pfeil.[18] Der Krieg erreichte Oppeln vier Monate vor Kriegsende. Anfang 1945 wurde die deutsche Bevölkerung mit Zügen nach Breslau evakuiert. Man versuchte vergeblich, die Stadt zu befestigen, doch es fehlte an Material und Arbeitskräften. Dadurch sah auch General Graf von Pfeil, dass es sinnlos war, die Stadt zu halten, und ließ die letzten verbliebenen Truppen aus der Stadt schaffen. Beim Rückzug wurden alle Brücken im Stadtgebiet gesprengt. General Graf von Pfeil selbst beging am 23. Januar 1945 Selbstmord und überließ die Stadt fast kampflos dem einmarschierenden Gegner. Am 23./24. Januar 1945 wurden die Stadtteile östlich der Oder eingenommen. Doch erst am 15. März 1945 konnte das restliche Stadtgebiet durch die Einheiten der 1. Ukrainischen Front der Roten Armee erobert werden. Am 24. März 1945 übergaben die Sowjets formell die Macht an die polnische Administration. Die Stadt zählte an dem Tag nur noch 170 Einwohner; etwa 60 % der Stadt waren zerstört. Bereits im April trafen die ersten Repatrianten aus den polnischen Ostgebieten sowie ein Teil der deutschen Zivilbevölkerung (vor allem aus den Vororten) ein. Da viele Deutsche neben Deutsch den oberschlesischen Dialekt sprachen, führte dieser Umstand dazu, dass die polnische Verwaltung nach 1945 anders als in Niederschlesien keine flächendeckende Zwangsaussiedlung durchführte, sondern vielen Bewohnern die Möglichkeit gab, als sogenannte Autochthone ein Bleiberecht zu erhalten. Da auch manche Deutschsprachige diesen Weg nutzten, blieb in Oppeln und Umgebung eine deutsch-polnische bzw. oberschlesische Minderheit zurück, die nicht vertrieben wurde.[19] Die umliegenden Zementfabriken in Oppeln wurden ebenfalls im Krieg stark zerstört. Die Zementfabrik Odra verlor beispielsweise ihren gesamten Maschinenpark. Als erstes Werk konnte die Zementfabrik Groschowitz ihren Betrieb wieder aufnehmen. 1947 folgte das Zementwerk Königlich Neudorf/Bolko. Das Zementwerk Odra nahm seinen Betrieb erst 1951 wieder auf.[20]

Die Nordseite des Ringes in den 1970er Jahren
Wohnhäuser aus den 1970er Jahren im Oppelner Stadtteil Zaodrze an der ul. Niemodlinska

Ab 1947 begann man mit dem Wiederaufbau der Stadt. Die Häuser und Fassaden in der Altstadt wurden teilweise originalgetreu rekonstruiert oder durch modernen Wohnungsbau ersetzt. Die Häuser am Ring beispielsweise erhielten teilweise ihre alte Fassade wieder oder wurden durch eine neue historisierende Fassade, meist im barocken Stil, wiederaufgebaut. Weiterhin wurde einige ausgebrannte Gebäude, wie die Alte Regierung am Plac Wolnósci, abgetragen, um Platz für Grünanlagen zu schaffen. In den ersten Jahren nach dem Krieg entstanden schnell neue Wohnhäuser. Bereits 1950 lebten in der Stadt knapp 38.000 Menschen, wobei die meisten aus den ehemaligen Ostgebieten Polens stammten.[21] Mit der Gründung der Woiwodschaft Opole im Jahre 1950 wurde die Stadt gleichzeitig die Hauptstadt des gleichnamigen Landes. 1955 wurde der Ort Nowa Wieś Królewska eingemeindet, sowie 1961 der Ort Kolonia Gosławicka[22] und 1965 Groszowice. 1974 folgte der Ort Gosławice und 1975 wurden die Ortschaften Wójtowa Wieś, Wróblin, Malina, Grotowice und Bierkowice eingemeindet. In den 1960er und 1970er Jahren gehörte Oppeln zu den am stärksten staubverseuchten Städten in Polen. Die zulässigen Normen wurden dabei von den zahlreichen Zementfabriken im Stadtgebiet überstiegen. Erst ab den 1980er Jahren wurde durch die Installation von Entstaubungsanlagen versucht, dem Verstaubungsgrad entgegenzuwirken.

Zwischen 1957 und 1963 wurde das Festival „Die Tage von Opole“ abgehalten, wobei im gesamten Stadtgebiet Konzerte, Tanzabende, Theatervorstellungen, Ausstellungen und Leistungsschauen der Oppelner Industrie abgehalten wurden. Mit der Erhebung der Stadt zur „Metropole des polnischen Schlagers“ verlor dieses Fest an Bedeutung und wurde 1963 durch das Landesfestival des Polnischen Liedes ersetzt. Das erste Festival fand vom 19. bis zum 23. Juni 1963 im neu erbauten Amphitheater statt. Mit den Jahren gewann dieses Schlagerfestival immer mehr an Popularität und zählt heute zu den wichtigsten musikalischen Veranstaltungen in ganz Polen.[23]. 1972 wurde das Bistum Opole von Papst Paul VI. ausgerufen. 1975 wurde das Jan-Kochanowski-Theater eröffnet. Am 16. Februar 1990 kam es zur Anerkennung der deutschen Minderheit in Polen, welche vor allem im Gebiet Oppelner Schlesien beheimatet ist. 1994 wurde die Universität Opole gegründet.[24] 1997 wurde Opole von der Jahrhundertflut an der Oder heimgesucht. Am 8. Juli wurde der Alarmzustand ausgerufen und das Hochwasser erreichte am 10. Juli seinen Höchststand von 777 cm. Vor allem die Vorstädte wie Zaodrze, Wójtowa Wieś oder Szczepanowice wurden überflutet, aber auch die Inseln Pascheke sowie die Bolko-Insel mit dem Zoo. Viele denkmalgeschützte Gebäude wie das Eishaus am Schlossteich, die Pfennigbrücke oder das Amphitheater wurden überschwemmt. Im Zoo ertranken viele der Tiere, da man sie nicht rechtzeitig retten konnte. 2004 verlieh die Universität Opole die Ehrendoktorwürde an Papst Johannes Paul II..

Etymologie des Stadtnamens[Bearbeiten]

Der Name Oppeln oder auch Opole stammt von einem Territorialverband der Westslawen ab, die mit opole ein Gebiet bezeichneten, in dem ein Zusammenschluss von mehreren Siedlungen mit einem zentralen Ort bestand. Der Stadtname entwickelte sich von der slawischen Form Opule bzw. Opole im 12. Jahrhundert zu Opole, Oppol und Opul im 13. Jahrhundert. Aus den lateinischen Versionen Oppelia, Oppolia und Opulia im Mittelalter entstanden die eingedeutschten Bezeichnungen Opel, Oppel und Oppeln.

Außerdem existieren folgende Legenden und Sagen:

  • Der Stadtname geht nach der Chronik der Kollegiatskirche zum Heiligen Kreuz auf eine Siedlung namens Apollonia zurück, die durch den Ritter Apollonius gegründet wurde. Der Name entwickelte sich erst zu Opolonia, dann zu Opolia und schließlich zu Opole.
  • Der Stadtname ist nach der Chronik der Dominikaner eine Ableitung der in der Gegend in großer Zahl wachsenden Pappeln. Aus dem lateinischen Wort populus entstanden die Namen Popolia und Opolia, woraus sich schließlich die Namen Opol, Opul und Opole bildeten.
  • Der Stadtname geht nach einer Volksüberlieferung auf einen Ausspruch des Prinzen Leszek, Sohn des Krakus, zurück, der sich um 768 in der Gegend bei der Jagd verirrte. Nach tagelangem Umherirren im Walddickicht erblickte der Prinz eine weiträumige Lichtung und rief daraufhin Oh, pole! (Oh, ein Feld!). Er gründete nahe dieser Stelle eine Siedlung namens Opole.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der letzten Volkszählung von 2002 bekannten sich von den damals 129.946 Einwohnern 89,9 % zur polnischen Nationalität, 3.279 Personen (2,5 %) bezeichneten sich als Deutsche, 921 (0,7 %) als Schlesier. Darüber hinaus wurde eine kleine Gruppe Roma (178 Personen) registriert.[25]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahlen
1533 ¹ 1.420
1691 1.191
1700 1.150
1746 1.161
1750 2.450
1787 2.802
1800 3.073
1816 4.050
1819 4.896
1825 5.987
1834 6.496
Jahr Einwohnerzahlen
1850 8.280
1858 ² 8.877
1875 12.694
1890 19.000
1905 30.112
1910 ³ 33.907
1924 43.000
1932 45.532
1936 50.561
17. Mai 1939 50.540
24. März 1945 170
Jahr Einwohnerzahlen
Juli 1945 13.000
1946 40.000
1950 50.300
1956 56.400
1960 63.500
1965 70.000
1971 87.800
1973 92.600
31. Dezember 1989 127.653
Zensus 1992 129.552
Zensus 2002 129.946
31. Dezember 2004 128.864

¹ erste Einwohnerzählung der Stadt

² davon 8320 Deutsche (93,7 %) und 557 Polen (6,3 %)

³ davon 80 % deutsch sprechend, 16 % polnisch sprechend und 4 % deutsch und polnisch sprechend

Deutsche Minderheit[Bearbeiten]

Seit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung leben in der Oppelner Kernstadt nur noch wenige Deutsche. Der niedrige prozentuale Anteil dieser Bevölkerungsgruppe an der Gesamtbevölkerung von 2,5 % täuscht allerdings darüber hinweg, dass die deutsche Minderheit fast ausschließlich in den ländlich geprägten Stadtteilen ansässig ist und dort auch in Ortsgruppen organisiert ist. Es bestehen im Oppelner Stadtgebiet sieben Ortsgruppen (DFK): Goslawitz, Groschowitz, Grudschütz, Malino, Königlich Neudorf, Frauendorf und Vogtsdorf.

Aufgrund der vielen deutschen Bildungs- und Kulturinstitutionen, die seit der politischen Wende von Opole aus agieren, kann heute dennoch von Opole als der Hauptstadt der deutschen Minderheit gesprochen werden. So haben der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), die Dachorganisation der deutschen Minderheit in Polen, sowie die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD) ihren Hauptsitz in Opole. Das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit betreibt in Opole eine Zweigstelle. Auf der Oderinsel findet sich das Konsulat der Bundesrepublik Deutschland. Für die Völkerverständigung setzt sich seit 2000 auch die deutsch-polnische Eichendorff-Zentralbibliothek ein.

Mit dem Verein Deutscher Hochschüler in Polen zu Oppeln erhielt die Hochschulstadt Opole 2003 auch eine überkonfessionelle deutsche Studentenverbindung.

Politik[Bearbeiten]

Flagge der Stadt Oppeln mit Wappen
Richtungsschilder der Oppelner Partnerstädte

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt Opole ist gespalten; rechts in Blau ein halber, goldener Adler am Spalt, links in Blau ein halbes goldenes Kleeblattkreuz. Der Schild ist mit einer Mauerkrone mit fünf Zinnen bekrönt.

Diese heraldischen Farben sind zugleich die Stadtfarben und finden sich in der Flagge der Stadt Opole wieder. Diese besteht aus zwei Querstreifen mit der Farbe Gold oben und der Farbe Blau unten.

Ein Siegel aus dem 13. Jahrhundert enthält die älteste bekannte Darstellung des Oppelner Stadtwappens. Es entstand als Verbindung des Wappens der Oppelner Piasten und der Reliquie des Heiligen Kreuzes, nach der die Domkirche zum Heiligen Kreuz benannt ist. Die Position des halben Adlers und Kreuzes wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach; so existieren auch Abbildungen des Wappens, auf denen der halbe Adler links bzw. das halbe Kleeblattkreuz rechts steht. Heute wird das traditionelle Wappen der Oppelner Piasten in moderner Gestaltung als Wappen der Woiwodschaft Opole verwendet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Opole unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften:

Die Städte Carrara, Grasse, Ingolstadt und Opole schlossen im Jahr 2000 einen vierseitigen Partnerschaftsvertrag. Alle diese Städte sind also auch untereinander verschwistert.

Außerdem ist die Woiwodschaft Opole seit dem 23. Februar 1996 mit dem deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz partnerschaftlich verbunden. Seit dem 2. Mai 1997 besteht eine Städtefreundschaft mit Bonn (Nordrhein-Westfalen).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Oppelner Mühlgraben
Das Rathaus am Ring.
Eishaus mit Schlossteich

Alexiuskapelle[Bearbeiten]

Die Alexiuskapelle ist eine katholische Kapelle in der Innenstadt von Opole. Sie befindet sich in direkter Nachbarschaft zur Kathedrale zum Heiligen Kreuz in der Hospitalstraße (poln. ul. Szpitalna). Die Kapelle wurde 1421 vom Oppelner Fürsten Johann I. erbaut und diente Jahrhunderte als Krankenhauskapelle.

Bergelkirche[Bearbeiten]

Die Bergelkirche (eigentlich: Kirche zur Schmerzhaften Muttergottes) befindet sich auf dem höchsten Berg in Opole und ist die älteste Kirche der Stadt. Der Legende nach predigte der Hl. Adalbert auf diesem Berg zwischen den Jahren 984 und 995 und taufte die Menschen in der ganzen Gegend. Deswegen bauten die Menschen eine Holzkirche und weihten sie der Gottesmutter Maria, später dann dem Hl. Adalbert. Anfang des 13. Jahrhunderts entstand eine gemauerte Kirche mit einem Kloster, das heute von der Universität Opole benutzt wird. Die Fassade stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und die geräumige Treppe aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts.

Franziskanerkirche[Bearbeiten]

Die Franziskanerkirche aus dem 14. Jahrhundert war bis Ende des Zweiten Weltkrieges Stadtpfarrkirche der evangelischen Gemeinde in Opole. Unter Felix von Dobschütz, 1914–1933 Erster Pastor und Superintendent, wurde die Kirche in den 1920er Jahren restauriert.

Kathedrale zum Heiligen Kreuz[Bearbeiten]

Die gotische Kathedrale zum Heiligen Kreuz ist die größte Kirche von Opole. Sie wurde 1934 zur Basilica minor erhoben und fungiert seit der Errichtung der Diözese Opole im Jahr 1972 als ihre Kathedrale. Die Geschichte der Domkirche zum Heiligen Kreuz reicht bis zur Errichtung einer ersten Holzkirche im Jahr 1002 zurück. Eine dreischiffige, gemauerte Backsteinbasilika mit niedrigem Südturm entstand ab 1254. Mit dem Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 1295 erhielt die bereits seit 1232 bestehende Stiftskirche die Pfarrrechte. Durch weitreichende Veränderungen im Innenraum der Kirche verwandelte sich das Aussehen mehrmals. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die barocke Ausstattung durch eine gotische ersetzt, die bis heute erhalten ist. Das Äußere der Kirche erhielt erst 1899–1900 sein heutiges Gesicht, nachdem die beiden 73 Meter hohen neugotischen Türme vollendet wurden.

Kirche des heiligen Sebastian[Bearbeiten]

Die Kirche des heiligen Sebastian ist eine zwischen 1680 und 1696 im barocken Stil erbaute Kirche im Herzen der Stadt. Sie ist dem hl. Sebastian geweiht, welcher der Schutzpatron der Pestkranken ist.

Mühlgraben[Bearbeiten]

Der Mühlgraben (polnisch Młynówka) ist ein Nebenarm der Oder in Opole. Zwischen der Oder und dem Mühlgraben befindet sich die Insel Pascheke. Ursprünglich stellte der Mühlgraben den Hauptstrom der Oder bei Opole dar.

Pfennigbrücke[Bearbeiten]

Die Pfennigbrücke (auch Groschenbrücke oder Grüne Brücke) ist eine Fußgängerbrücke über den Mühlgraben, der von der Insel Pasieka zur Altstadt führt. Erbaut wurde sie im Jahre 1903. Da früher auf der Brücke eine Pfennig- bzw. eine Groschenmaut erhoben wurde, erfolgte ihre Taufe auf diesen Namen.

Piastenturm[Bearbeiten]

Der 51 m hohe Piastenturm ist heute das letzte Relikt des ehemaligen Oppelner Schlosses, welches vermutlich ab 1217 entstand. Nach dem Aussterben der Oppelner Piasten 1532 verfiel das Schloss zunehmend. Erst im 19. Jahrhundert wurde es wieder bezogen und fungierte ab 1860 als Regierungs- und Verwaltungsgebäude. Jedoch wurde 1928 der Abriss beschlossen, der 1931 vollzogen wurde. Anstelle des Schlosses entstand von 1932 bis 1936 ein modernes Regierungsgebäude, das heute Sitz der Woiwodschaftsverwaltung ist. Lediglich der Piastenturm blieb bestehen. Dieser nahm als Bergfried neben der Wehrfunktion auch eine Beobachtungsfunktion ein. Außerdem befand sich im Inneren ein Verlies.

Rathaus[Bearbeiten]

Das Oppelner Rathaus, gelegen in der Mitte des Rings, ist im Stil des florentinischen Palazzo Vecchio gehalten und wird von dem 62,40 m hohen Rathausturm dominiert. Ursprünglich wurde der Rathausturm 1864 errichtet, nachdem im Vorjahr der bisherige Rathausturm aus baulichen Gründen abgetragen werden musste. Doch stürzte der Rathausturm am 15. Juli 1934 infolge von Bauarbeiten, die zu einer Schwächung der Statik führten, ein. Bei diesem letzten großen Umbau wurden ab 1933 Kramläden entfernt, die über Jahrhunderte am Rathaus angebaut waren. Der Wiederaufbau war bereits 1936 abgeschlossen. Die heutige Gebäudeform geht auf einen Umbau zwischen 1818 und 1821 zurück. In den Umbau flossen diverse Stilelemente Karl Friedrich Schinkels ein. Ursprünglich befand sich an der Stelle des Rathauses ein hölzernes Kaufhaus, das erstmals 1308 Erwähnung fand. Es folgten mehrere Umbauten und die Umfunktionierung zum Rathaus. Im 15. Jahrhundert wurde ein Ziegelbau errichtet, der im 16. Jahrhundert um eine Turmuhr und eine Glocke erweitert wurde. Die Glocke trug das Stiftungsjahr 1566, das Stadtwappen und war mit der Inschrift Concordia mater rei publice versehen. Im Untergeschoss des Rathauses befand sich das städtische Gefängnis, während sich im Gebäude selbst der als Fürstensaal bezeichnete Festsaal mit einem Kreuzrippengewölbe befand. Seit dem 16. Jahrhundert befand sich im Oppelner Rathaus auch ein Ratskeller, der als Schweidnitzer Keller aufgrund des ausgeschenkten Bieres aus Schweidnitz bezeichnet wurde.

Ring[Bearbeiten]

Wie in vielen schlesischen Städten bildet auch in Opole ein Ring den zentralen Platz der Stadt. Die Bebauung besteht aus 32 barocken Bürgerhäusern, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges größtenteils zerstört wurden. Bis 1955 erfolgte der Wiederaufbau, bei dem das originale Erscheinungsbild, das teilweise durch Modernisierungen und Umbauten im 19. und 20. Jahrhundert verloren ging, wiederhergestellt wurde.

Schlossteich und Eishaus[Bearbeiten]

Der Teich stammt aus dem ehemaligen Burggraben, der das Piastenschloss umgab. 1909 wurde auf Anregung des Schlittschuhvereins das Eishaus erbaut, welches im Bergstil entstand. In dem Haus befanden sich der Vereinssaal sowie ein Café. Heute befindet sich hier das Restaurant "Piramida". Im Winter durfte die Oppelner Bevölkerung auf dem See eislaufen, im Sommer mit Booten rausfahren. 1934 fand hier die Eiskunstlaufmeisterschaft statt, wobei Maxie Herber als Gewinnerin hervorging.

Straßen und Plätze[Bearbeiten]

Kultur[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Jan-Kochanowski-Theater
Museum des Oppelner Schlesiens

Ein nach dem polnischen Dichter und Poeten Jan Kochanowski benanntes dramatisches Theater existiert seit 1975. Das Theatergebäude besitzt insgesamt drei Säle mit 560, 193 und 80 Plätzen. Es steht in der Nachfolge eines 1945 gegründeten Theaters, das ab 1949 als Bühne des Oppelner Landes firmierte. Vor Ende des Zweiten Weltkrieges besaß Opole bereits ein Stadttheater im Rathaus.

Museen[Bearbeiten]

Mit dem „Museum des Oppelner Dorfes“ (poln. Muzeum Wsi Opolskiej) besitzt Opole seit 1961 ein Freilichtmuseum, welches in einem Park diverse hölzerne Gebäude aus dem ländlichen Umfeld des Oppelner Landes zeigt. Die Gebäude sind allesamt restauriert und mit originalen Gegenständen bestückt.

Das Museum des Oppelner Schlesiens (Muzeum Śląska Opolskiego) ist in einem ehemaligen Jesuitenkolleg eingerichtet, welches wiederum aus zwei ehemaligen Bürgerhäusern entstand, die 1670 bzw. 1667 in den Besitz der Jesuiten übergingen. Nach dem Jesuitenverbot von 1773 wurde das Gebäude säkularisiert. Anschließend diente das Gebäude als Wohnhaus, Regierungsgebäude und Krankenhaus. Nach einer Restaurierung zog 1932 erstmals ein Museum in das Gebäude. Heute zeigt das Museum in einer großen archäologischen Abteilung sowie einer historischen und einer volkskundlichen Abteilung die Geschichte der Stadt Opole und des Oppelner Landes. Darüber hinaus ist auch eine Galerie der polnischen Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts angesiedelt.

Weitere wichtige Museen bilden das Zentrale Museum der Kriegsgefangenen in Lamdorf-Oppeln (Centralne Muzeum Jenców Wojennych w Lambinowicach-Opolu), die Galerie für Gegenwartskunst (Galeria Sztuki Wspolczesnej)[26], sowie das Oppelner Diözesanmuseum (Muzeum Diecezjalne w Opolu), das auf Initiative von Erzbischof Alfons Nossol errichtet und im Jahr 1987 eröffnet wurde.

Musik[Bearbeiten]

Joseph-Elsner-Philharmonie

Im Bereich der klassischen Musik ist die Oppelner Joseph Elsner-Philharmonie (Filharmonia Opolska im. Józefa Elsnera) Aushängeschild der Stadt. Ihr Ursprung liegt im 1952 gegründeten Symphonieorchester zu Opole. Im Jahr 1958 erfolgte die Umbenennung in Staatliches Symphonieorchester zu Opole. Zu Ehren des oberschlesischen Komponisten, Dirigenten und Musikpädagogen Joseph Xaver Elsner wurde das Orchester 1972 in Joseph-Elsner-Orchester umbenannt. Nachdem das Joseph-Elsner-Orchester 1972 zur Philharmonie erhoben wurde, fand 1976 der Umzug in ein altes Theatergebäude statt, welches zuvor als Bankett- und Konzertsaal eines Hotels genutzt wurde. Eine grundlegende Renovierung erfolgte 1990. Bis zum 50-jährigen Jubiläum im Jahr 2002 wurden insgesamt 9.250 Konzerte veranstaltet. Als Klangkörper fungieren ein Orchester sowie ein Chor; beide genießen einen sehr guten Ruf und treten regelmäßig in Konzerthäusern im In- und Ausland auf. Ebenso gastieren auch ausländische Orchester oder Chöre oft in der Oppelner Philharmonie. Zu den jährlichen Konzertreihen gehört u.a. das Festival Schlesischer Komponisten, das 2007 zum 11. Mal stattfand. Dabei stehen Werke heimatlicher Komponisten im Vordergrund. Es wird alljährlich versucht, wiederentdeckte oder in Vergessenheit geratene Komponisten einer breiten Masse zugänglich zu machen. Darüber hinaus werden Räumlichkeiten auch für nichtmusikalische Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. So dient das Foyer beispielsweise für Kunstausstellungen oder kleinere Säle für Tagungen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Amphitheater

Landesweite Bekanntheit in Polen genießt die Stadt vor allem wegen des Landesfestivals des Polnischen Liedes in Opole (poln. Krajowy Festiwal Piosenki Polskiej w Opolu). Das 3-tägige Musikfestival findet seit 1963 jährlich im Juni statt. Als Veranstaltungsplatz fungiert ein als Millenniumtheater bezeichnetes Amphitheater, das 1979 um ein markantes Bühnengewölbe erweitert wurde. Das Amphitheater liegt auf der Oderinsel Pascheke unmittelbar vor dem Piastenturm, der so eine ansehnliche Hintergrundkulisse bildet. Mit diesem Musikfestival assoziieren die meisten Polen überhaupt erst den Stadtnamen, da dieser zum Synonym für das Musikfestival avancierte.

Seit 1988 wird zudem ein internationales Schlagzeugfestival abgehalten.

Sport[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Zementfabrik "Odra"

Bedingt durch große Kalksteinvorkommen im Umland, entwickelte sich Opole vor dem Zweiten Weltkrieg zum Zentrum der deutschen Zementproduktion. Auf diesem Gebiet ist bis heute die Cementownia Odra aktiv. Ebenfalls in der Baustoffbranche in Opole tätig ist die französische Lafarge mit ihrer Dachsparte Lafarge Roofing und dem zum Konzern gehörenden deutschen Schornsteinhersteller Schiedel. Weitere Unternehmen am Standort Opole sind der deutsche Armaturenhersteller Kludi, der deutsche Herrenmodehersteller Ahlers sowie der US-amerikanische Automobilzulieferer Tower Automotive. Wie im gesamten Oppelner Land existiert auch in der Stadt Opole eine ausgeprägte Lebensmittelindustrie. Die größten Unternehmen aus dieser Branche mit Produktionsstandort in Opole sind die deutsche Molkerei Zott und der niederländische Babynahrungshersteller NUTRICIA, der zum Numico-Konzern gehört.

In Opole befinden sich Filialen aller großen polnischen Banken sowie der Deutschen Bank und der österreichischen Raiffeisen Bank.

Im Einzelhandel ist die Metro Group mit Märkten der Marken Makro Cash & Carry, Media Markt sowie real,- in Opole vertreten. Des Weiteren existieren Supermärkte diverser Ketten wie beispielsweise Lidl und Plus. Auch der Schuhhändler Deichmann und die Drogeriemarktkette Rossmann unterhalten in Opole Filialen.

Verkehr[Bearbeiten]

Schienen- und Busverkehr[Bearbeiten]

Plan der Busverbindungen in Opole

Opole ist ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt mit Verbindungen in alle Himmelsrichtungen. Nach Inbetriebnahme der ersten Eisenbahnlinie zwischen Breslau und Oppeln am 29. Mai 1843 war der Oppelner Hauptbahnhof das dritte Gebäude der späteren Reichsbahn, das den Reisenden zur Verfügung stand. Oppeln war auch Sitz einer Reichsbahndirektion. Das heutige eklektische Bahnhofsgebäude entstand um 1899.

Im Straßenpersonennahverkehr transportieren über 100 Busse 25 Millionen jährliche Fahrgäste. Die Gesamtlänge aller innenstädtischer Linien beträgt ca. 120 km.

Straßen[Bearbeiten]

An Opole vorbei verläuft die Autobahn 4 (E 40) (Grenzübergang Ludwigsdorf, Deutschland–BreslauKrakau–Grenzübergang Korczowa/Krakiwez, Ukraine). Durch Opole verlaufen die Fernverkehrsstraßen 45, 46 und 94 sowie weitere wichtige Verbindungsstraßen.

Flughafen[Bearbeiten]

Der etwa 24 km entfernte Flughafen Oppeln befindet sich im Dorf Kamień Śląski (Groß Stein) in der Gemeinde Gogolin. Im nahe gelegenen Polnisch Neudorf gibt es einen Flugplatz, der durch den Aeroklub Opolski betrieben wird. Die nächsten internationalen Flughäfen sind der Nikolaus-Kopernikus-Flughafen Breslau und der Flughafen Katowice.

Schiffsverkehr[Bearbeiten]

Die Oder diente bereits früh der Binnenschifffahrt, weist aber einen deutlichen Rückgang in den jährlichen Transportzahlen auf. So konnten nach dem Zweiten Weltkrieg jährlich rund 23 Millionen Tonnen Güter befördert werden, heute sind es nur noch 9 Millionen Tonnen. Durch das Projekt Odra 2006 soll zukünftig ein jährliches Transportvolumen von 20 Millionen Tonnen erreicht werden.

Medien[Bearbeiten]

Collegium Maius der Universität Opole

Bildung und Forschung[Bearbeiten]

Opole ist ein wichtiger Bildungsstandort mit etwa 32.000 Studenten an den fünf Hochschulen der Stadt. Davon sind die Universität Opole, die Technische Universität Opole und die Staatliche Fachhochschule für Medizin Oppeln (poln. Państwowa Medyczna Wyższa Szkoła Zawodowa w Opolu) öffentliche Hochschulen, während es sich bei der Hochschule der Verwaltung und der Administration (poln. Wyższa Szkoła Zarządzania i Administracji w Opolu) sowie der Oppelner Außenstelle der Bogdan-Jański-Hochschule (poln. Szkoła Wyższa im. Bogdana Jańskiego) um private Hochschulen handelt.

An Forschungseinrichtungen sind in Opole das Institut für Mineralbaustoffe (poln. Instytutu Mineralnych Materia ów. Budowlanych) und das Schlesische Institut (Instytut Śląski w Opolu) beheimatet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Politik und Wirtschaft

Kunst, Literatur und Musik

Wissenschaft, Technik und Forschung

Sport

Sonstiges

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Leo Baeck (1873–1956), 1897–1907 Rabbiner in der Neuen Synagoge, in Opole entstand sein Hauptwerk Das Wesen des Judentums
  • Elisabeth Grabowski, (1864–1929), oberschlesische Schriftstellerin, verstarb in Opole
  • Ernst Wahner (1821–1908), Gymnasialprofessor am Kgl. Katholischen Gymnasium

Verweise[Bearbeiten]

Bibliografie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Bartsch: Die Städte Schlesiens. Forschungsstelle Ostmitteleuropa, Dortmund 1977.
  • Ryszard Emmerling, Urszula Zajączkowska: Oppeln. Die Hauptstadt der Wojewodschaft Oppeln. Schlesischer Verlag ADAN, Opole 2003, ISBN 83-915371-3-7.
  •  Krystian Heffner, Wolfgang Kreft, Peter Haslinger et al. (Hrsg.): Opole/Oppeln (= Historyczno-topograficzny atlas miast śląskich / Historisch-topographischer Atlas schlesischer Städte. Band 2). Herder-Institut, Marburg/Wrocław 2011 (übersetzt von Dariusz Gierczak), ISBN 978-3-87969-362-7 (online).
  • Franz Idzikowski: Geschichte der Stadt Oppeln. Clar, Oppeln 1863.
  • Johannes Schmidt: Neubauten der Stadt Oppeln. Hübsch, Berlin u. a. 1930. (Digitalisat)
  • Anna Bedkowska – Karmelita: Reiseführer durch das Oppelner Land. Alkazar, Opole 2009, ISBN 978-83-925591-3-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Opole – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Opole – Reiseführer

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 24. Dezember 2014.
  2. Städte und Amtsbezirke in Oberschlesien: Stadt Opole
  3. Jerzy Ballaban: Opole – 1945 und heute S. 27.
  4. Ryszard Emmerling, Urszula Zajączkowska: Oppeln Reiseführer'. Schlesischer Verlag ADAN, ISBN 83-915371-6-1
  5. Jerzy Ballaban: Opole – 1945 und heute S. 27
  6. Anna Bedkowska – Karmelita: Reiseführer durch das Oppelner Land. Alkazar, Oppeln 2009, ISBN 978-83-925591-3-9, S. 30.
  7. A. Marsch (2007): Oppeln Falkenberg Gross Strehlitz, historische Ansichten aus vier Jahrhunderten, S. 26 ISBN 3-87057-206-X
  8. Urszula Zajaczkowska: Oppeln/Opole – ein kunstgeschichtlicher Rundgang durch die Stadt an der Oder
  9. Anna Bedkowska – Karmelita: Reiseführer durch das Oppelner Land. Alkazar, Oppeln 2009, ISBN 978-83-925591-3-9, S. 30.
  10. Urszula Zajaczkowska: Oppeln/Opole – ein kunstgeschichtlicher Rundgang durch die Stadt an der Oder
  11. Urszula Zajaczkowska: Ratusz w Opolu; 2001, MS Verlag. ISBN 83-88945-05-X
  12. Urszula Zajaczkowska: Oppeln/Opole – ein kunstgeschichtlicher Rundgang durch die Stadt an der Oder.
  13. Urszula Zajaczkowska: Oppeln/Opole – ein kunstgeschichtlicher Rundgang durch die Stadt an der Oder
  14. Schiller, Gerhard (2008): Oppeln, Laumann-Verlag ISBN 978-3-89960-311-8
  15. Urszula Zajaczkowska: Oppeln/Opole – ein kunstgeschichtlicher Rundgang durch die Stadt an der Oder
  16. Urszula Zajaczkowska: 100 Postkarten von Oppeln. Adan Verlag, ISBN 83-908136-0-2
  17. Schiller, Gerhard (2008): Oppeln, Laumann-Verlag ISBN 978-3-89960-311-8
  18. http://www.expolis.de/schlesien/texte/festung/twierdza_Oppeln.html
  19. Anna Bedkowska – Karmelita: Reiseführer durch das Oppelner Land. Alkazar, Oppeln 2009, ISBN 978-83-925591-3-9,
  20. Urszula Zajaczkowska: Oppeln/Opole – ein kunstgeschichtlicher Rundgang durch die Stadt an der Oder.
  21. Jerzy Ballaban: Opole – 1945 und heute. S. 60.
  22. http://www.opole.pl/miasto/artykuly/10138-34627-Article-Goslawice#paragraph3344
  23. Jerzy Ballaban: Opole – 1945 und heute S. 27
  24. Schiller, Gerhard (2008): Oppeln, Laumann-Verlag ISBN 978-3-89960-311-8
  25. Vgl. Polnisches Hauptstatistikamt (GUS)
  26. Urszula Zajaczkowska (2013): Oppeln/Opole – ein kunstgeschichtlicher Rundgang durch die Stadt an der Oder. S. 9.