Simo Häyhä

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Simo Häyhä während des Winterkrieges

Simo Häyhä (* 17. Dezember 1905 in Rautjärvi; † 1. April 2002 in Hamina) war ein finnischer Soldat im Winterkrieg. Von den Soldaten der Roten Armee wurde der als Scharfschütze eingesetzte Häyhä als „Weißer Tod“ (russisch: Белая смерть, Belaja Smert; finnisch: Valkoinen Kuolema; schwedisch: den Vita Döden) bezeichnet. Hauptsächlich mit einer finnischen Version M/28 der sowjetischen Repetierbüchse Mosin-Nagant ausgerüstet, tötete Häyhä mehr als 500 sowjetische Soldaten. Insgesamt beträgt die Anzahl der Abschüsse möglicherweise über 700. Damit hat er die höchste Anzahl von bestätigten Tötungen eines einzigen Scharfschützen in einem Krieg.[1][2]

Wehrdienst und Dienst im Winterkrieg[Bearbeiten]

Häyhä wurde im Bezirk Rautjärvi in der Nähe der heutigen Grenze zwischen Finnland und Russland geboren. Ab 1925 leistete er zunächst den einjährigen Wehrdienst und arbeitete anschließend als Landwirt. In dieser Zeit schloss er sich auch der finnischen Nationalgarde (Suojeluskunta) an, bevor er im Winterkrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion (1939/40) erneut Soldat wurde.[3][4]

Nach seiner Einberufung wurde Häyhä der Infanterie als Scharfschütze zugeteilt und diente in der 6. Kompanie des Infanterieregiments (JR) 34. Seine Einheit kämpfte in der Schlacht von Kollaa gegen Teile der 9. und 14. Sowjetarmee. Dem Umstand, dass die Finnen diesen Frontabschnitt bis zum Ende des Winterkrieges hielten, ist es zu verdanken, dass die dort eingesetzten Soldaten als besonders heroisch betrachtet werden.

Häyhä werden 505 bestätigte und 37 unbestätigte Abschüsse mit seinem Scharfschützengewehr zugeschrieben.[5][6] Die inoffiziellen Statistiken von der Front während der Schlacht von Kollaa sprechen sogar von über 800.[7] Zu den über 500 mit seinem Scharfschützengewehr getöteten Soldaten kommen vermutlich nochmals mindestens 200 Abschüsse mit einer Maschinenpistole Suomi M-31. Somit käme Häyhä auf eine Gesamtzahl von über 700 Abschüssen.[8] Allerdings ist nicht ganz geklärt, ob diese 200 nicht ursprünglich dem vermutlich fiktiven finnischen Kriegshelden Sulo Kolkka zugeschrieben wurden (der aber wohl durch eine Verwechslung ausländischer Reporter mit dem Journalisten Sulo Kolkka entstand und vermutlich auf Simo Häyhä basierte).[9] Im Hinblick auf die große Zahl seiner Abschüsse ist es bemerkenswert, dass er diese in nur 100 Tagen Fronteinsatz erzielte, wobei um diese Jahreszeit die Tage noch sehr kurz sind.

Vorgehensweise[Bearbeiten]

Als Gewehr verwendete Häyhä ein Mosin-Nagant M/28.[10] Dabei handelt es sich um eine finnische Variante eines ursprünglich russischen Gewehrs, das aufgrund der Silhouette der Kimme als Pystykorva (dt. Spitzhund) bezeichnet wurde. Er bevorzugte dabei aus den folgenden Gründen die offene Visierung statt eines Zielfernrohrs:

  • Er wollte ein kleineres Ziel abgeben, denn ein Scharfschütze muss seinen Kopf stärker anheben, wenn er ein Zielfernrohr benutzt.
  • Er wollte Sichtprobleme verhindern, da das Glas eines Zielfernrohrs leicht beschlagen kann.
  • Er wollte sein Versteck verbergen; grelles Sonnenlicht auf der Linse des Zielfernrohrs kann die Position des Scharfschützen verraten.

Um zu verhindern, dass man in der Kälte seinen Atem sehen konnte, nahm Häyhä jeweils ein Stück Schnee in den Mund.[11]

Neben seinem Mosin-Nagant-Gewehr benutzte er als zusätzliche Waffe die Maschinenpistole Suomi M-31.

Ende des Kriegseinsatzes[Bearbeiten]

Simo Häyhä nach Genesung von seiner Schussverletzung

Am 6. März 1940 wurde Häyhä durch den Schuss eines sowjetischen Scharfschützen im Gesicht getroffen. Das Geschoss drang in den Kiefer ein, rotierte und hinterließ beim Austritt eine schwere Kopfverletzung.

Am 13. März 1940, dem Tag, als der Frieden mit der Sowjetunion unterschrieben wurde, soll er sein Bewusstsein wiedererlangt haben. Kurz nach dem Krieg wurde Häyhä durch den Oberbefehlshaber Feldmarschall Mannerheim vom Unteroffizier zum Leutnant befördert, ein in der finnischen Militärgeschichte einmaliger Vorgang.

Späteres Leben[Bearbeiten]

Häyhä benötigte mehrere Jahre, um sich von seiner schweren Verletzung zu erholen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er ein erfolgreicher Elchjäger und Hundezüchter. 1998 gab er auf Nachfrage an, dass er seine hohe Präzision „durch Übung“ erreicht habe. Die Frage, ob er es bereue, so viele Menschen getötet zu haben, beantwortete er mit „Ich tat, was mir aufgetragen wurde, so gut ich es konnte“.

Simo Häyhä verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in einem kleinen Ort namens Ruokolahti, der im Südosten Finnlands an der russischen Grenze liegt.[4]

„Den Rückstoß!“

Antwort auf die Frage, was er empfand, wenn er abdrückte und einen russischen Soldaten tötete.[12]

In der Populärkultur[Bearbeiten]

  • Die schwedische Power Metal-Band Sabaton widmete Häyhä auf ihrem 2010 erschienenen Album Coat of Arms den Song White Death.
  • In der Fernsehshow Suuret suomalaiset (Die größten Finnen) des Finnischen Staatsfernsehens YLE wurde Häyhä an 74. Position genannt.
  • Steven Wiig sollte im HBO Doku-Drama Hemingway & Gellhorn aus dem Jahre 2012 die Rolle des Simo Häyhä spielen. Letztendlich fielen unter anderem die Szenen mit Häyhä dem Schnitt zum Opfer, da die Produzenten die Gesamtlänge des Films kürzen wollten.[13]
  • Die Entwickler des Rollenspiel-Shooters Borderlands 2 nannten, in Anlehnung an Simo Häyha, ein legendäres Sniper-Gewehr „White Death“. Später wurde der Name gepatcht und heißt nun „Lyuda“ (in Anlehnung an Lyudmilla Pavlichenko).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Simo Häyhä – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Sniper Log Book–World War II
  2. Rayment, Sean: The long view. In: The Daily Telegraph, 30. April 2006. Abgerufen am 30. März 2009. 
  3. Helsingin Reservin Sanomat 2006.
  4. a b Heiskanen/HS 2002.
  5. http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/1517044/The-long-view.html
  6. http://www.mtv3.fi/uutiset/arkisto.shtml/arkistot/kotimaa/2007/11/584680
  7. Film Fire and Ice: The Winter War of Finland and Russia
  8. http://www.mtv3.fi/uutiset/arkisto.shtml/arkistot/kotimaa/2007/11/584680
  9. http://books.google.ch/books?id=wCM24Q0thT0C&pg=PA37&dq=&redir_esc=y
  10. Kansallisbiografia 2003. Lappalainen/HS 2001 ja Brandtberg kertovat luvuksi 542.
  11. http://www.mtv3.fi/ohjelmat/sivusto2008.shtml/uutiset/talvisota/taustaa?1057432
  12. Finnischer Scharfschütze Simo Häyhä: Der weiße Tod Der Spiegel 1.12.2014
  13. Nicole Kidmanin takamus ja talvisota (Finnish, fee required) In: Helsingin Sanomat. Abgerufen am 30. Oktober 2012.