Sinn (Uhrenmarke)

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Sinn Spezialuhren GmbH
Sinn-Logo
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1961
Sitz Frankfurt am Main
Leitung Lothar Schmidt
Branche Uhrenhersteller
Website http://www.sinn.de/de/

Sinn Spezialuhren GmbH ist ein Hersteller von mechanischen Armbanduhren mit Sitz in Frankfurt am Main. Das Unternehmen wurde 1961 von dem Fluglehrer und Piloten Helmut Sinn unter dem Namen „Helmut Sinn Spezialuhren“ gegründet.

Sinn Modell 356 Flieger II

Geschichte[Bearbeiten]

Nach der Gründung 1961 konzentrierte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Navigationsborduhren und Fliegerchronographen und verkaufte diese im Direktvertrieb unter Ausschaltung des Zwischenhandels. Die Uhren wurden nach Vorgaben von Helmut Sinn im Private Label Sektor in der Schweiz produziert. Durch den Wegfall der Handelsspanne des Zwischenhandels konnte das Unternehmen die Uhren preiswerter als über die traditionellen Vertriebskanäle anbieten. Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis sprachen sich insbesondere unter Fliegern schnell herum. Als hilfreich erwies sich hierbei auch Helmut Sinns frühere berufliche Tätigkeit als Pilot. 1994 verkaufte Helmut Sinn das Unternehmen an Lothar Schmidt. Nach dem Verkauf erwarb er 1996 die Schweizer Uhrenmarke Guinand. 1998 gründete er in Frankfurt am Main ein neues Unternehmen. Mit dieser Firma bot er im Direktvertrieb Uhren der Marken Jubilar, Chronosport und der zwei Jahre zuvor erworbenen Guinand an. 2006 zog er sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurück. Er übergab die kaufmännische Geschäftsführung an seinen langjährigen Mitarbeiter Horst Hassler und ist seitdem im Unternehmen als Berater tätig.

Der Diplom-Ingenieur Lothar Schmidt arbeitete bereits seit September 1993 bei Sinn Spezialuhren. Vorher war er seit 1981 bei IWC im schweizerischen Schaffhausen tätig, zunächst als freier Mitarbeiter, später als Prokurist. Er verantwortete Aufbau und Betrieb der Gehäuse- und Bänderproduktion sowie die Konstruktion und Entwicklung. Später übernahm er zusätzlich den Aufbau und Betrieb der Werkteileproduktion. Von 1990 bis zum Ausscheiden leitete er außerdem als Hauptverantwortlicher den produktionstechnischen und logistischen Aufbau der nach der Wende wiedergegründeten A. Lange & Söhne im sächsischen Glashütte, damals ein Tochterunternehmen der IWC. Unter seiner Leitung wurden bei Sinn wesentliche Änderungen vorgenommen. Er trennte sich vom Private Label Sektor, erweiterte die Modellpalette, entwickelte eigene Uhrenmodelle und innovative Technologien. Zusätzlich zum Direktvertrieb führte Lothar Schmidt sogenannte Depots ein, ausgewählte Uhrmacherbetriebe, die die Uhren ebenfalls vertreiben. Zudem erfolgte eine Umfirmierung in Sinn Spezialuhren GmbH. Das Unternehmen montiert und reguliert seine Uhren hauptsächlich in Frankfurt am Main. Aktuell werden über 12.000 Uhren pro Jahr verkauft.

Einen wichtigen Schwerpunkt bilden Einsatzzeitmesser für professionelle Anwender. Dazu gehören Spezialkräfte wie die maritime Einheit der deutschen Bundespolizei-Gruppe GSG 9, die Feuerwehr, Taucher und Piloten. So trug der deutsche Physiker und Astronaut Reinhard Furrer während der Spacelab-Mission D1 1985 die 140 S am Handgelenk. Damit bewies er, dass eine mechanische Sinn-Uhr mit Automatikwerk auch in der Schwerelosigkeit funktioniert. Während der Mir-92-Mission 1992 flog der Astronaut Klaus-Dietrich Flade mit der 142 S von Sinn Spezialuhren am Handgelenk durch das All. 1993 war es die 142 von Sinn Spezialuhren, die bei der Mission D2 an Bord der Columbia dabei war.

Sächsische Uhrentechnologie GmbH (SUG)[Bearbeiten]

1999 gründete Lothar Schmidt zusammen mit Walter Fricker (Inhaber der Gehäusefirma Fricker, Pforzheim) und Ronald Boldt, dem ehemaligen Leiter Technologie und Qualitätssicherung des Glashütter Uhrenbetriebs, eine eigene Gehäusefirma, die Sächsische Uhrentechnologie GmbH (SUG) in Glashütte. Walter Fricker ist mittlerweile nicht mehr beteiligt. Hauptabnehmer der Gehäuse sind neben Sinn weitere namhafte Uhrenhersteller.

Technologien[Bearbeiten]

Die Uhren gelten als technologische bzw. Ingenieursmarke, d. h., das Unternehmen entwickelt neue technologische Lösungen für spezielle Einsatzbereiche und typische Probleme von mechanischen Uhren. In diesem Sinne produziert das Unternehmen robuste und alltagstaugliche Zeitmesser für professionelle Anwender, die vielmehr als Instrumente aufzufassen sind. Erreicht wird dies in erster Linie durch selbst entwickelte Technologien.

TEGIMENT-Technologie: stark erhöhte Kratzfestigkeit durch Oberflächenhärtung[Bearbeiten]

Die TEGIMENT-Technologie erhöht den Härtegrad des Basismaterials, wie zum Beispiel Edelstahl, um ein Vielfaches und bietet einen sehr effektiven Schutz gegen das Verkratzen. Um dies zu erreichen, wird keine Beschichtung aufgetragen. Vielmehr ist es das Material selbst, das im Oberflächenbereich durch ein besonderes Verfahren gehärtet wird und gleichsam einen Schutzmantel (lat.: tegimentum) ausbildet. Die Oberfläche einer Uhr, die mit der TEGIMENT-Technologie gehärtet wurde, ist damit um ein Vielfaches besser gegen Kratzer geschützt, als dies die Härte des Basismaterials bieten könnte.

Schwarze Hartstoffbeschichtung[Bearbeiten]

Auf Basis einer derart gehärteten Oberfläche lassen sich mithilfe des PVD-Verfahrens qualitativ hochwertige Hartstoffbeschichtungen (sogenannte PVD-Beschichtungen) aufbringen. Darum verwendet Sinn Spezialuhren Hartstoffbeschichtungen ausschließlich bei TEGIMENT-Oberschichten. Der Grund: Farbschichten, die durch das PVD-Verfahren aufgebracht werden, sind außerordentlich hart. Auf Grund des großen und sprungartigen Härteunterschieds zwischen Hartstofffarbschicht und dem Trägermaterial neigen diese dazu, bei Belastung einzubrechen, weil sich die harte Schale (PVD‑Farbschicht) hier übergangslos um einen sehr weichen Kern (Gehäusewerkstoff) legt. Das Trägermaterial gibt bei punktueller Belastung nach und kann die äußere Schicht nicht genügend abstützen („Eierschaleneffekt“). Die Härte der TEGIMENT-Oberfläche hingegen stützt die Hartstoffschicht. Dadurch wird der Eierschaleneffekt verhindert und eine Abnutzung der Farbschicht drastisch reduziert.

Ar-Trockenhaltetechnik: erhöhte Funktions- und Beschlagsicherheit[Bearbeiten]

Die Ar-Trockenhaltetechnik löst ein grundsätzliches Problem mechanischer Uhren: die Alterung der Öle auf Grund von enthaltener und/oder nachdiffundierender Luftfeuchtigkeit im Inneren der Uhr. Mithilfe der drei Elemente der Ar-Trockenhaltetechnik – Trockenkapsel, EDR-Dichtungen (extrem diffusionsreduzierend), Schutzgasfüllung – wird das Uhrwerk in einer nahezu trockenen Atmosphäre gelagert. Alterungsprozesse und Anlaufen des Deckglases bei Kälteschocks (zum Beispiel Eintauchen in kaltes Wasser) werden verhindert, Funktionssicherheit und Ganggenauigkeit bleiben länger erhalten.

Schmierstofffreie Ankerhemmung[Bearbeiten]

Bei der DIAPAL-Technologie werden spezielle Materialpaarungen ausgewählt, die ohne Schmierung reibungslos zusammenarbeiten und so die dauerhafte Ganggenauigkeit des Uhrwerks, insbesondere der Schweizer Ankerhemmung, gewährleisten. Zudem lassen sich die Wartungsintervalle der Uhr verlängern. Der Bereich der Ankerhemmung ist erfahrungsgemäß der gangsensibelste Teilmechanismus des Uhrwerks, das heißt, die Schmierungsqualität an dieser Stelle wirkt sich am stärksten auf das Gangverhalten des gesamten Uhrwerks aus. Seit 1995 wurden bei Sinn zahlreiche Materialpaarungen getestet und im Jahre 2000 erste Patente angemeldet.

Unter Wasser verspiegelungsfreie Lesbarkeit[Bearbeiten]

In einem HYDRO-Uhrengehäuse werden Werk, Zifferblatt und Zeiger direkt in einem glasklaren Flüssigkeitsbad gelagert. Dessen Brechungsindex ist an den Brechungsindex des Saphirkristallglases angeglichen. Als Folge davon wird das Licht, das von Zifferblatt und Zeigern ausgeht, beim Eintritt in das Saphirkristallglas nicht mehr gebrochen. Außerdem ist die Füllflüssigkeit inkompressibel und ersetzt die stets feuchtigkeitshaltige Luft im Inneren des Gehäuses. Dadurch bieten HYDRO-Uhren eine verspiegelungsfreie Ablesbarkeit unter Wasser aus jedem Winkel, absolute Beschlagsicherheit und Druckfestigkeit für jede erreichbare Tauchtiefe.

Magnetfeldschutz[Bearbeiten]

Magnetfelder, die von Elektromotoren, Lautsprechern oder magnetischen Schließen ausgehen, bedingen die Aufmagnetisierung der Nivarox-Spiralfeder und beeinträchtigen damit die Ganggenauigkeit. Sinn Spezialuhren löst dieses Problem durch einen Schutzmantel, der aus einem geschlossenen, weichmagnetischen Gehäuseinnenraum aus Zifferblatt, Werkhaltering und Gehäuseboden besteht. Mit diesem Magnetfeldschutz geht Sinn Spezialuhren weit über die DIN für antimagnetische Uhren hinaus und minimiert so magnetische Störeinflüsse. Die DIN für antimagnetische Uhren verlangt einen Schutz bis 4.800 A/m. Sinn Spezialuhren erzielt mit seiner Lösung einen Magnetfeldschutz bis 80.000 A/m.

Temperaturresistenztechnologie[Bearbeiten]

Die dauerhafte Ganggenauigkeit eines Uhrwerks hängt entscheidend von der Schmierung seiner beweglichen Teile ab, erst recht in extremen Temperaturbereichen. Um trotz härtester Einsatzbedingungen die Funktionssicherheit der Zeitanzeige gewährleisten zu können, verwenden Sinn Spezialuhren ein Spezialöl. Hierbei handelt es sich um ein Universalöl, welches zum Beispiel in den Unruhlagern, im Räderwerk oder an den Paletten der Hemmung eingesetzt werden kann. Mit seinen Eigenschaften liefert es eine alterungsbeständige Schmierung im Temperaturspektrum von – 45 °C bis + 80 °C.

Sicherheitsdrehring für Taucher[Bearbeiten]

Um Risiken für einen Taucher auszuschließen, fußt die Drehringkonstruktion bei bestimmten Taucheruhren auf zwei Elementen. Erstens setzt sie auf die Unverlierbarkeit des Drehrings, wobei sich diese Verliersicherung von einem herkömmlichen Einschnappmechanismus unterscheidet. Auf Grund der speziellen Konstruktion sind ein Abspringen des Drehrings durch einen ungünstigen Schlag oder ein Hängenbleiben und ein damit einhergehender Verlust der eingestellten Merkzeit ausgeschlossen. Zusätzlich zur Unverlierbarkeit besitzt der Sicherheitsdrehring eine Verdrehsicherung, mit der der Hersteller über die DIN 8306 hinausgeht. Diese Norm schreibt vor, dass der Drehring einer Taucheruhr nur einseitig gegen den Uhrzeigersinn drehbar sein darf, um die Merkzeit einzustellen. Durch einen patentierten Mechanismus ist der Sicherheitsdrehring gegen unbeabsichtigtes Verdrehen gesichert. Das bedeutet, ein Verstellen, zum Beispiel durch Anstoßen, und damit eine ungewollte Veränderung der eingestellten Merkzeit, ist ausgeschlossen.

Neben Titan verwendet das Unternehmen für Taucheruhren auch hochfesten, seewasserbeständigen deutschen U-Boot-Stahl. Hierbei handelt es sich um einen von ThyssenKrupp entwickelten Spezialstahl für die Außenhüllen der weltweit modernsten nichtnuklearen U-Boote der deutschen Marine. Der Stahl ist zudem amagnetisch und extrem rissbeständig.

Überprüfungen und Zertifizierungen[Bearbeiten]

Druckfestigkeit und Wasserdichtheit[Bearbeiten]

Das Unternehmen lässt Zertifizierungen gemäß bestehender Normen und Richtlinien durch unabhängige Institute durchführen, um die professionelle Einsatzfähigkeit der Uhren zu dokumentieren und das Qualitätsversprechen einzulösen. In diesem Sinne überprüft und zertifiziert der Germanische Lloyd als weltgrößter Sicherheitsklassifizierer für die Schifffahrt seit 2005 die SINN-Taucheruhren auf Druckfestigkeit und Wasserdichtheit.

Europäische Tauchgerätenormen[Bearbeiten]

Als Novum in der Uhrenbranche gilt die Tatsache, dass Taucheruhren seit 2006 als Bestandteil der Tauchausrüstung aufgefasst und gemäß den Europäischen Tauchgerätenormen EN 250 und EN 14143 vom Germanischen Lloyd auf Temperaturbeständigkeit und Funktion überprüft sowie zertifiziert werden.

Technischer Standard Fliegeruhren[Bearbeiten]

Seit 2012 werden ausgewählte Fliegeruhren von Sinn durch die Fachhochschule Aachen nach dem TESTAF (Technischer Standard Fliegeruhren) überprüft und zertifiziert. Der TESTAF, entwickelt auf Initiative von Sinn Spezialuhren, stellt sicher, dass eine Fliegeruhr alle Anforderungen an die Zeitmessung beim Flugbetrieb nach Sichtflugregeln und/oder Instrumentenflugregeln erfüllt und sie für den professionellen Einsatz qualifiziert ist.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1. Platz bei der Goldenen Unruh

  • 1998: 103 Ti Ar (Uhren bis 2.000 Mark)
  • 2006: Frankfurter Finanzplatzuhr in Weißgold (Uhren bis 10.000 Euro)
  • 2008: 6100 REGULATEUR Roségold (Uhren bis 10.000 Euro)
  • 2010: 900 FLIEGER (Uhren bis 2.500 Euro)
  • 2010: 6100 REGULATEUR Roségold (Uhren bis 10.000 Euro)
  • 2012: Frankfurter Finanzplatzuhr in Platin (Uhren bis 25.000 Euro)

Literatur[Bearbeiten]

  • Schmid, Hans Heinrich: Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980. Villingen-Schwenningen: Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum e.V., 2005, ISBN 3-927987-91-3

Weblinks[Bearbeiten]